Vorfahrt im Straßenverkehr

Im Straßenverkehr lauern viele Gefahrenquellen, die ein Risiko für die Verkehrssicherheit darstellen. Gerade an Kreuzungen und Einmündungen ist die Unfallgefahr mitunter hoch. Damit gefährliche Situationen erst gar nicht entstehen können, existieren unzählige Verkehrsregeln. Zu den wichtigsten Vorschriften zählen dabei die Vorfahrtsregeln. Sie legen fest, welcher Verkehrsteilnehmer an Einmündungen oder Kreuzungen als Erster fahren oder gehen darf und wer warten muss. Vorfahrtsregeln dienen hierbei nicht nur der Vorbeugung einer Gefährdung des Straßenverkehrs bzw. der Verkehrsteilnehmer, sondern gewährleisten auch, dass der Verkehr möglichst flüssig läuft.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Zu schnell an eine Vorfahrtsstraße herangefahren

10€

-

-

Vorfahrt nicht beachtet



...mit Behinderung

25€

-

-

...mit Gefährdung

120€

1

-

...mit Sachbeschädigung

120€

1

-

Nicht an der Haltelinie gehalten

10€

-

-

An einem Zebrastreifen zu schnell vorbei gefahren, obwohl ein Fußgänger diesen überqueren wollte
80€

1

-

Vorfahrt missachtet: Bußgeld und Punkte

Den Vorfahrtsregelungen kommt im Sinne der Verkehrssicherheit eine große Bedeutung zu. Entsprechend steht ein Vorfahrtsverstoß unter Strafe. Der Bußgeldkatalog sieht für verschiedene Verstöße Bußgelder und gegebenenfalls einen Punkt in Flensburg vor. Eine Missachtung der Vorfahrt wird dabei ebenso sanktioniert wie etwa das Nichthalten an der Haltelinie vor einem Stoppschild. Auch das zu schnelle Heranfahren an einen Zebrastreifen zieht Konsequenzen nach sich. Die Höhe des Bußgeldes richtet sich nach dem jeweiligen Verstoß und liegt zwischen 10 und 120 Euro.

Bußgeldkatalog für Vorfahrt

Ein Verstoß gegen die Vorfahrtsregelung kann mit einer weiteren schweren Ordnungswidrigkeit in Zusammenhang stehen; nämlich mit einem Rotlichtverstoß, wenn Ampeln die Vorfahrt bestimmen. In diesem Fall muss der Verkehrssünder wesentlich tiefer in die Tasche greifen. Das Bußgeld beträgt 90 bis 360 Euro. Dazu gibt es Punkte in Flensburg und auch ein Fahrverbot ist möglich. Kommt es zu einer Gefährdung des Straßenverkehrs, ist ein Straftatbestand erfüllt. Rechtliche Konsequenzen sind eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe sowie ein Führerscheinentzug.

Fahranfängern droht bei einer Missachtung der Vorfahrt darüber hinaus eine Verlängerung ihrer Probezeit sowie ein verpflichtendes Aufbauseminar.

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Welche Vorfahrtsregeln gibt es?

Der Gesetzgeber bestimmt unterschiedliche Regelungen zur Vorfahrt. Die wohl geläufigste und am meisten verbreitete Regel ist dabei “Rechts vor Links”. Die Vorfahrt kann allerdings auch durch Ampeln oder Verkehrszeichen, etwa ein Vorfahrtsschild, geregelt werden.

Rechts vor Links

“Rechts vor Links” bedeutet, dass der von rechts kommende Fahrzeugführer, Vorfahrt hat. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Fahrer abbiegen oder geradeaus fahren möchte. Er darf  stets zuerst fahren. Der von links kommende Verkehrsteilnehmer ist wartepflichtig. Die “Rechts vor Links”-Regelung gilt – bis auf wenige Ausnahmen – grundsätzlich immer. Die Regelung tritt nur außer Kraft, wenn

  • Verkehrsschilder oder Ampeln die Vorfahrt regeln
  • Fahrzeuge von einem Wald- oder Feldweg auf eine Straße einfahren
  • Fahrzeuge aus einem Grundstück, einer Fußgängerzone oder einem verkehrsberuhigten Bereich auf eine Straße herausfahren
  • Fahrzeuge über einen abgesenkten Bordstein auf eine Straße fahren
  • Fahrzeuge auf einem Parkplatz oder in einer Tiefgarage fahren

Eine besondere Situation liegt vor, wenn an einer Kreuzung drei oder vier Autos zusammentreffen. Was tun, wenn an dieser Kreuzung “Rechts vor Links” gilt? In diesem Fall müssen die Fahrer sich selber einigen, wer als erster fährt. In der Regel geschieht dies per Handzeichen.

Ampeln

Die Vorfahrt kann auch durch Ampeln mit ihren jeweiligen Lichtsignalen (rot, gelb, grün) geregelt sein. Kfz-Fahrer, Radfahrer und Fußgänger müssen dabei dem Lichtzeichen “ihrer” Ampel folgen; also Fußgängerampeln, Fahrradampeln (sofern vorhanden) und Fahrzeugampeln. Bei einer abgeschalteten oder kaputten Ampel bestimmen Verkehrszeichen oder Verkehrspolizisten die Vorfahrt. Alternativ gilt in diesem Fall “Rechts vor Links”.

Vorfahrtsstraße

Fahrzeuge, die sich auf einer Vorfahrtsstraße befinden, sind stets vorfahrtsberechtigt. Vorfahrtsstraßen können einen geraden Verlauf nehmen oder kurvig sein und abbiegen (abknicken). Entsprechende Verkehrszeichen zeigen an, wie eine Vorfahrtsstraße verläuft. Fahrer müssen in einer abknickenden Vorfahrtstraße besondere Regelungen beachten, inwiefern der Blinker gesetzt wird. So ist das Setzen des Blinkers verpflichtend, wenn der Fahrer

  • auf der Vorfahrtsstraße bleibt und weiterfährt
  • die Vorfahrtsstraße verlässt und nach links oder rechts abbiegt

Verlässt der Fahrer die Vorfahrtsstraße, um in gerader Richtung weiterzufahren, darf er hingegen nicht blinken.

Stoppschild

Ein Stoppschild an einer Kreuzung ordnet an, dass der Verkehrsteilnehmer wartepflichtig ist und dem Querverkehr Vorfahrt gewähren muss. Der Fahrer muss dazu sein Kfz vor der Haltelinie am Stoppschild für mindestens drei Sekunden vollständig zum Stehen bringen, um die Kreuzung einzusehen. Nur wenn eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist und sich niemand in unmittelbarer Nähe auf der Vorfahrtsstraße befindet, darf der Fahrer weiterfahren. Unter Umständen dient auch die Sichtlinie vor dem Stoppschild als Anhaltepunkt, an dem der Fahrer stehen bleiben muss. Dies ist Fall, wenn keine Haltelinie existiert.

Einfahren und Anfahren

Beim Einfahren auf eine Straße aus einem Grundstück, einer Fußgängerzone oder einem verkehrsberuhigten Bereich hat der fließende Verkehr immer Vorfahrt. Gleiches gilt für das Einfahren über einen abgesenkten Bordstein und für das Anfahren vom Fahrbahnrand. Fahrer, die ein- bzw. anfahren möchten, müssen warten.

Abbiegen

Gemäß § 9 Abs. 3 und 4 StVO sind linksabbiegende Fahrzeugführer dazu verpflichtet, den  Gegenverkehr durchfahren zu lassen und ihnen Vorfahrt zu gewähren. Auch auf Fußgänger ist zu achten, denn diese sind ebenso vorfahrtsberechtigt, wenn sie über die Straße gehen.

Kreisverkehr

Für die Vorfahrt im Kreisverkehr gelten verschiedene Regeln. Hier kommt es darauf, ob sich das Vorfahrt gewähren-Verkehrszeichen (205) vor dem Kreisverkehr befindet. In diesem Fall sind die Fahrzeuge im Kreisverkehr vorfahrtsberechtigt. Existiert kein entsprechendes Verkehrsschild, gilt “Rechts vor Links”, das heißt, die Verkehrsteilnehmer, die in den Kreisverkehr einfahren wollen, haben Vorfahrt.

Autobahn

Auf der Autobahn ist grundsätzlich der fließende Verkehr vorfahrtsberechtigt. Auf die Autobahn auffahrende Verkehrsteilnehmer müssen auf dem Beschleunigungsstreifen zunächst eine angemessen hohe Geschwindigkeit erreichen. Sind die Fahrbahnen ausreichend frei und eine Gefährdung ausgeschlossen, ist eine Auffahrt auf die Autobahn möglich. Fahrer, die sich auf die rechte Spur zwischen zwei Fahrzeuge “quetschen”, missachten die Vorfahrt.

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Missachtung der Vorfahrt – Haftung nach einem Unfall

Ein Vorfahrtsverstoß ist häufig Auslöser für einen Verkehrsunfall. Doch wer trägt die Haftung? Es liegt nahe, dass derjenige haftet und vollumfänglich schuldig ist, der die Vorfahrtsregelungen missachtet hat. Ist dies der Fall, reguliert die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers den Schaden. Doch es besteht auch die Möglichkeit, dass dem Unfallgegner (dem Vorfahrtsberechtigten) mindestens eine Mitschuld zugesprochen wird. Setzt der Vorfahrtsberechtigte beispielsweise auf einer abknickenden Vorfahrtsstraße den Blinker falsch, kann er für den Unfall mithaftbar gemacht werden. Auch andere Verkehrsverstöße des Vorfahrtsberechtigten können eine Mitschuld bzw. Mithaftung begründen, zum Beispiel die Nutzung des Handys am Steuer oder eine Geschwindigkeitsüberschreitung.

Bei einem Rotlichtverstoß ist es ebenfalls möglich, dass der Fahrer nicht die alleinige Verantwortung am Unfall trägt. So kann den Unfallgegner trotz grüner Ampel eine Mitschuld treffen, wenn er zu schnell unterwegs ist.

Ein Sonderfall stellt eine Kollision bei einer Gelbphase dar. Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden. Der Fahrer, der über Gelb fährt,

  • befindet sich schon unmittelbar an der Kreuzung und kann nicht mehr rechtzeitig gefahrlos zum Stehen kommen: die Haftung trägt der Unfallgegner, da eine Missachtung der Wartepflicht und das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit anzunehmen ist.
  • hat die Möglichkeit, rechtzeitig anzuhalten: der Unfallgegner haftet nicht alleine, der über Gelb fahrende Fahrzeugführer ist mitschuldig

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