Verkehrsunfall mit Straßenbahn

Das leidige Warten-Müssen und Nicht-schnell-genug-Vorankommen mit dem eigenen Auto in Staus oder auf verstopften Straßen lässt viele Kfz-Fahrer auf öffentliche Verkehrsmittel wie Busse oder Straßenbahnen ausweichen – die haben vor anderen Fahrzeugen Vorrang, häufig eigene Spuren und kommen schneller voran. Eigentlich ganz erfreulich, wenn sich dadurch die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen verringert.

Allerdings trägt der Schienenverkehr nicht automatisch zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit bei. Es können sich hier schwere, zum Teil tödlich endende Verkehrsunfälle ereignen, wenn zum Beispiel Fußgänger es an der erforderlichen Sorgfalt und Umsicht fehlen lassen und dann in Unfälle mit Straßenbahnen verwickelt werden. Auch Autofahrer, die auf der Straße verlaufende Gleise nicht beachten und sich falsch verhalten, erhöhen die Unfallgefahr.

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Wie ist die Vorfahrt der Straßenbahn gesetzlich geregelt?

Eine Missachtung der Vorfahrt gehört zu den häufigsten Unfallursachen. Doch wie ist die Vorfahrt bezüglich Straßenbahnen und anderen Schienenfahrzeugen geregelt? Müssen gesonderte Vorschriften beachtet werden? Gemäß §§ 2 und 9 Straßenverkehrsordnung (StVO) haben Schienenfahrzeuge stets Vorfahrt bzw. Vorrang.

(3) Fahrzeuge, die in der Längsrichtung einer Schienenbahn verkehren, müssen diese, soweit möglich, durchfahren lassen. (§ 2 Abs. 3 StVO)

(1) […] Wer nach links abbiegen will, darf sich auf längs verlegten Schienen nur einordnen, wenn kein Schienenfahrzeug behindert wird. […]

(3) Wer abbiegen will, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen, Schienenfahrzeuge […] auch dann, wenn sie auf oder neben der Fahrbahn in der gleichen Richtung fahren. […] (§ 9 Abs. 1 und 3 StVO)

Mehrere Gerichte entschieden nach Unfällen mit Straßenbahnen auf Grundlage der StVO, dass Kraftfahrzeuge beim Abbiegen über Schienen wartepflichtig sind und Straßenbahnen Vorfahrt gewähren müssen. Gemäß dem Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 7 U 36/17) hat diese Vorfahrtsregelung auch dann Gültigkeit, wenn die Ampel einer über die Schienen führenden Fahrspur für Kraftfahrzeuge auf Grün steht. Nach Auffassung des OLG Hamm

[darf] ein Straßenbahnführer [zudem] […] darauf vertrauen, dass andere Verkehrsteilnehmer §§ 2 Abs. 3 und 9 Abs. 3 StVO beachten und Schienen nicht besetzen. Er braucht nicht damit zu rechnen, dass ein vor ihm fahrendes Fahrzeug in den Gleisbereich einbiegt und dort zum Halten kommt, und zwar grundsätzlich auch dann nicht, wenn der andere Fahrer seine Abbiegeabsicht bereits angezeigt hat. (OLG Hamm, Aktenzeichen 7 U 36/17, Beschluss vom 13.04.2018)

Das OLG Celle (Aktenzeichen 14 U 59/18) war der gleichen Ansicht und urteilte darüber hinaus, dass der Kfz-Fahrer erst dann abbiegen darf, wenn eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer mit vernünftiger Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Im Zweifel muss der Abbiegende warten. Das heißt, der Kfz-Fahrer muss eine heranfahrende Straßenbahn vor dem Abbiegen durchfahren lassen.

Unfall mit einer Straßenbahn: die häufigsten Ursachen

Von Straßenbahnen geht eine große Unfallgefahr aus, die von Verkehrsteilnehmern – von Kfz-Fahrern ebenso wie von Radfahrern und Fußgängern – häufig unterschätzt wird. Mehrere Faktoren erhöhen hierbei die Gefahr eines Unfalls:

  • langer Bremsweg: Straßenbahnen haben ein schweres Gesamtgewicht von mehr als 30 t, entsprechend ist gegenüber Kfz der Bremsweg erheblich länger
  • leiser Motor: da Straßenbahnen einen sehr leisen, fast geräuschlosen Motor haben, hört man sie nicht oder nur sehr schwer kommen
  • keine Ausweichmöglichkeit: Schienenfahrzeugen, also auch Straßenbahnen, ist es nicht möglich einem anderen Fahrzeug auszuweichen, um einen Zusammenstoß zu verhindern

In den meisten Fällen passiert ein Verkehrsunfall mit einer Straßenbahn weil

  • der Kfz-Fahrer die Vorfahrt missachtet
  • Verkehrsteilnehmer die Schienen trotz roter Ampel überqueren
  • Verkehrsteilnehmer unachtsam sind, beispielsweise weil sie durch das Smartphone, Kopfhörer oder Gespräche abgelenkt sind

Fußgänger sind dabei besonders gefährdet. Es ist mitunter sehr verlockend, unterwegs auf dem Smartphone WhatsApp-Nachrichten zu lesen oder zu schreiben oder mit Kopfhörern Musik zu hören. Ein solches unaufmerksames Verhalten kann allerdings gravierende Folgen haben und lebensgefährlich sein. Man sollte sich daher im Straßenverkehr unter keinen Umständen ablenken lassen – ganz gleich, ob als Fußgänger, Radfahrer oder Kfz-Fahrer. 

Verkehrsunfall mit Straßenbahn: Erstmaßnahmen

Die Unfallmaßnahmen nach einer Kollision mit der Straßenbahn sind die gleichen wie bei einem “normalen” Unfall. Dazu zählen die Absicherung der Unfallstelle, das Rufen der Polizei und eventuell des Rettungsdienstes (Erste Hilfe leisten) sowie das Informieren der Versicherung über den Unfall.

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Verkehrsunfall mit Straßenbahn – wer hat Schuld?

In den meisten Fällen sind die in den Straßenbahnunfall verwickelten Kfz-Fahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger schuld an der Kollision, da sie gegen die Vorschriften der StVO verstoßen. Allerdings ist es auch möglich, dass der Straßenbahnfahrer oder der Verkehrsbetrieb eine Mithaftung am Unfall trägt, wenn ein fahrlässiges oder ordnungswidriges Verhalten vorliegt.

Kann die Polizei den Unfallhergang bzw. die Unfallursache nicht ermitteln und die  Schuldfrage nicht klären, findet eine Haftungsteilung zwischen den Unfallgegnern statt.

Wie nach jedem Unfall gilt darüber hinaus auch bei einem Verkehrsunfall mit einer Straßenbahn, dass kein Unfallbeteiligter unüberlegt ein Schuldanerkenntnis abgeben sollte. Denn da die Gründe für einen Verkehrsunfall grundsätzlich vielfältig sind, ist in der Regel nichts so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Steht ein Schuldeingeständnis allerdings erst einmal im Raum, kann es nur schwer widerrufen werden.

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