Verkehrsunfall in der Probezeit

Jeder Führerscheinbewerber sehnt den Moment herbei, in dem er endlich den Lohn für sein Ackern und Büffeln in der Fahrschule erntet und seinen “Lappen” in den Händen hält. Ist es dann schließlich soweit, kann die erste Autofahrt alleine endlich losgehen. Aber aufgepasst: für Führerscheinneulinge gelten strengere Regeln aufgrund ihrer fehlenden Erfahrung beim Autofahren, sodass sie besonders vorsichtig und aufmerksam fahren müssen. Gerade ein Unfall ist für die Beteiligten nicht bloß immer ein Schock; er kann gegebenenfalls auch erhebliche rechtliche Folgen nach sich ziehen. Doch auch wenn von Fahranfängern ein erhöhtes Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr ausgeht, sind sie nicht immer der Unfallverursacher.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Unfall in der Probezeit: A- oder B-Verstoß?

Bild von Autos auf der Straße

Bei einem Unfall, der nur Sachschaden zur Folge hat, besteht keine Pflicht, die Polizei zu rufen.

Von grundlegender Bedeutung für das Strafmaß bei einem Verkehrsunfall in der Probezeit ist zunächst das Ausmaß des entstandenen Schadens. Kam es “nur” zu Blechschaden oder sind auch Personen verletzt worden? Des weiteren ist die Unfallursache relevant. Hat der junge Fahrer die Verkehrsregeln missachtet? Wenn ja, handelt es sich um einen A-Verstoß oder einen B-Verstoß? Oder ist er unschuldig in den Unfall verwickelt?

Ist dem Unfall ein A-Verstoß vorausgegangen, muss der Führerscheinneuling mit zusätzlichen Sanktionen rechnen. Ein A-Verstoß stellt ein schwerwiegendes Vergehen dar und wird – wenn es es der erste A-Verstoß  ist – neben der im Bußgeldkatalog festgelegten Strafe (Bußgeld, Punkte in Flensburg, Fahrverbot) mit einer Verlängerung der Probezeit und einem kostenpflichtigen Aufbauseminar sanktioniert. Zu den häufigsten Unfallursachen, bei denen es sich um einen A-Verstoß handelt, gehören Alkohol am Steuer, Abstandsverstoß und die Missachtung der Vorfahrt. Auch überhöhte Geschwindigkeit ist oft Auslöser für Verkehrsunfälle, allerdings liegt erst ein A-Verstoß vor, wenn die Geschwindigkeit um mehr als 20 km/h überschritten worden ist. Darüber hinaus ist es sogar möglich, dass der Verkehrssünder eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) absolvieren muss.

Liegt dem Unfall ein B-Verstoß (ein weniger schwerwiegendes Vergehen, beispielsweise das Parken vor einer Feuerwehrzufahrt) zugrunde, werden keine zusätzlichen Sanktionen verhängt und der Fahranfänger hat “nur” die Sanktionen zu  erwarten, die auch langjährigen Führerscheinbesitzern drohen. Dies gilt jedoch nur dann, wenn es sich um den ersten B-Verstoß handelt.

Hat der Fahranfänger keine Schuld an dem Unfall, hat er keine rechtlichen Folge zu befürchten.

Verkehrsunfall in der Probezeit: was droht bei Sachschäden?

Für gewöhnlich fährt einem der Schrecken durch alle Glieder, wenn es plötzlich knallt und das Fahrzeug mit einem anderen kollidiert. Doch auch Fahranfänger sollten besonnen die nötigen Unfallmaßnahmen einleiten. Dazu zählen:

  • Abstellen des Fahrzeuges am rechten Fahrbahnrand
  • Absicherung der Unfallstelle (Einschalten der Warnblinkanlage, Anziehen der Warnweste, Aufstellen des Warndreiecks)
  • Informieren der Polizei
  • Dokumentation des Unfallschadens durch Fotos oder Video
  • Austausch der Versicherungsdaten mit Unfallgegner
  • in Kenntnis setzen der Haftpflichtversicherung

Bei einem Unfall, der nur Sachschaden zur Folge hat, besteht grundsätzlich keine Pflicht, die Polizei zu rufen. Dennoch ist eine Hinzuziehung der Einsatzkräfte zwecks offizieller Unfallaufnahme und Klärung der Schuldfrage sinnvoll. Gerade in der Probezeit steht viel auf dem Spiel, wenn möglicherweise eine Verlängerung der Probezeit und ein Aufbauseminar drohen. Deswegen sollte sollte niemals ein voreiliges Schuldanerkenntnis abgegeben werden. Dies gilt auch für langjährige Führerscheinbesitzer. Denn ein Unfallhergang ist stets komplex und die Unfallursachen sind vielfältig. Häufig ist der vermeintliche Unfallverursacher nicht alleine schuld. Um die Umstände des Unfall aufzuklären, ist eine entsprechende Rekonstruktion der Polizei nötig.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Verkehrsunfall in der Probezeit: was droht bei Personenschäden?

Werden bei einem Unfall Personen verletzt oder gar getötet, kommen auf den Unfallverursacher gravierende Konsequenzen zu. Denn hierbei ist entweder der Straftatbestand der fahrlässigen Körperverletzung oder der fahrlässigen Tötung erfüllt. Fahranfänger müssen mit der Verlängerung ihrer Probezeit und der Teilnahme an einem Aufbauseminar rechnen, da ein A-Verstoß vorliegt. Ansonsten macht der Gesetzgeber hinsichtlich des Strafmaßes keinen Unterschied zwischen Fahranfängern und erfahrenen Kfz-Fahrern. Den Täter erwartet zum einen gemäß § 222 bzw. § 229 Strafgesetzbuch (StGB) eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe. Zum anderen drohen Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot und ein Entzug der Fahrerlaubnis.

(1) Wird jemand wegen einer rechtswidrigen Tat, die er bei oder im Zusammenhang mit dem Führen eines Kraftfahrzeuges oder unter Verletzung der Pflichten eines Kraftfahrzeugführers begangen hat, verurteilt […] so entzieht ihm das Gericht die Fahrerlaubnis, wenn sich aus der Tat ergibt, daß er zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet ist. […] [§ 69 Abs. 1 StGB]

Eine fahrlässige Tötung hat in jedem Fall einen Führerscheinentzug zur Folge. Bei einer fahrlässigen Körperverletzung kann das Gericht die Fahrerlaubnis entziehen oder ein Fahrverbot verhängen. Entsprechend ist die Anzahl der Punkte in Flensburg. Während es bei einem Fahrerlaubnisentzug drei Punkte gibt, zieht ein Fahrverbot zwei Punkte nach sich. Abhängig vom Einzelfall ist es bei einer gefährlichen Körperverletzung allerdings auch möglich, dass weder ein Fahrerlaubnisentzug noch ein Fahrverbot verhängt und der Betroffene seinen Führerschein behalten darf.

Was tun als juristischer Laie?

Fahranfänger – Probezeit – selbstverschuldeter Unfall mit Sach- oder gar Personenschäden – eine Konstellation, die man niemandem wünscht. Als juristischer Laie sollte man sich unbedingt fachliche Hilfe durch einen entsprechend spezialisierten Rechtsanwalt holen. Je nach den Umständen bzw. den durch den Unfall verursachten Schäden sollte der Anwalt besondere Expertise im Verkehrsrecht oder im Strafrecht haben – nur dadurch kann der Jurist dem Betroffenen bestmöglich helfen. Wie immer ist allerdings zu beachten, dass der in den Unfall verwickelte Fahrer eines Kfz kein vorschnelles Schuldanerkenntnis abgeben soll – ein solches zurückzunehmen, ist auch mit Unterstützung eines Rechtsanwaltes kaum möglich.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.