Verkehrsunfall in der Fahrschule

Der Besuch einer Fahrschule, mit dem Ziel, endlich selber Autofahren zu dürfen, ist in der Regel mit viel Spaß verbunden. Gerade auf die praktischen Fahrstunden fiebern Führerscheinanwärter hin. Das erste Mal selber Autofahren – wenn auch mit Unterstützung eines Fahrlehrers – ist etwas ganz Besonderes. Trotz aller Vorfreude sind bei einem Großteil der Fahrschüler allerdings auch Anspannung und Unsicherheit stetige Begleiter. Daher kann es für Führerscheinanwärter besonders einschneidend sein, wenn ausgerechnet in dieser Situation dann ein Unfall passiert.

Wie aber verhält man sich nun bei nach einem Verkehrsunfall in der Fahrschule? Welche Maßnahmen müssen Fahrlehrer, Fahrschüler und andere Unfallbeteiligte ergreifen? Wer trägt die Haftung? Was passiert, wenn ein Unfall in der Fahrprüfung passiert?

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Unfall in der Fahrschule: Maßnahmen und Haftung

Ein Verkehrsunfall versetzt Unfallbeteiligte, aber auch Zeugen nicht selten in einen Schockzustand. Für einen Fahrschüler kann ein Unfall besonders aufwühlend sein. Es gilt jedoch stets: Ruhe bewahren, besonnen handeln und die nötigen Unfallmaßnahmen ergreifen. Das heißt:

  • Unfallstelle absichern (Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen)
  • bei verletzten Personen Rettungsdienst rufen und Erste Hilfe leisten
  • Polizei informieren

Zudem muss grundsätzlich die Schuldfrage geklärt werden. Wer haftet für den entstandenen Schaden? Generell gibt es zwei Arten der Haftung: Fahrerhaftung und Halterhaftung. Bei Unfällen oder anderen Verstößen im fließenden Verkehr haftet der Fahrer. Im ruhenden Verkehr hingegen (beispielsweise bei Parkverstößen oder überzogenem TÜV) trägt der Fahrzeughalter die Haftung. Bei einem Unfall in der Fahrschule müsste demnach also eigentlich der Fahrschüler haften, da dieser hinter dem Steuer sitzt. Hier gibt es allerdings eine Besonderheit: denn der Fahrschüler ist noch nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis und unerfahren im Führen eines Kfz, sodass – abhängig vom Ausbildungsstand des Fahrschülers – der Fahrlehrer als Führer des Kfz gilt und entsprechend haftet. Das Straßenverkehrsgesetz (StVG) legt dazu fest:

(15) Wer zur Ausbildung, zur Ablegung der Prüfung oder zur Begutachtung der Eignung oder Befähigung ein Kraftfahrzeug auf öffentlichen Straßen führt, muss dabei von einem Fahrlehrer oder einem Fahrlehreranwärter im Sinne des Fahrlehrergesetzes begleitet werden. Bei den Fahrten nach Satz 1 sowie bei der Hin- und Rückfahrt zu oder von einer Prüfung oder einer Begutachtung gilt im Sinne dieses Gesetzes der Fahrlehrer oder der Fahrlehreranwärter als Führer des Kraftfahrzeugs, wenn der Kraftfahrzeugführer keine entsprechende Fahrerlaubnis besitzt. (§ 2 Abs. 15 StVG).

Wann haftet der Fahrlehrer?

Inwiefern der Fahrlehrer bzw. die Fahrschule bei einem Unfall haftet, hängt maßgeblich davon ab, wie weit der Fahrschüler in seiner Fahrausbildung ist. Hätte der Schüler aufgrund seines Wissensstandes den Unfall verhindern können, trägt er eine Mithaftung. Der Fahrlehrer bzw. die Fahrschule haftet hingegen alleine, wenn der Unfall bei einem Manöver passiert, das der Fahrschüler noch nicht erlernt hat.

Verursacht der Fahrschüler vorsätzlich oder fahrlässig einen Unfall, reguliert die Kfz-Haftpflichtversicherung des Fahrschulautos den Unfallschaden am anderen Kfz. Die Versicherung kann den Schüler allerdings in Regress nehmen, das heißt, die Kosten zurückverlangen. Der Fahrschüler verhält sich beispielsweise fahrlässig, wenn er nach einer entsprechenden Anzahl von Fahrstunden und somit fortgeschrittenem Wissensstand bestimmte Situationen nicht vorhersieht und beispielsweise beim Linksabbiegen nicht auf den Gegenverkehr achtet.

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Unfall in der Fahrschule – besteht Anspruch auf Schmerzensgeld?

Nach einem Unfall in der Fahrschule kann der Fahrschüler unter Umständen Ansprüche auf Schmerzensgeld gegenüber dem Fahrlehrer geltend machen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Fahrlehrer seine Aufsichts- bzw. Schutzpflicht vernachlässigt und den Fahrschüler in Verkehrssituationen geraten lässt, denn dieser aufgrund seines Ausbildungsstandes nicht gewachsen ist. Bei Fahrschülern, die den Motorradführerschein erwerben wollen, spielt das eine besondere Rolle, da der Fahrlehrer hier nicht direkt eingreifen kann und daher in erhöhtem Maße vorausschauend und aufmerksam agieren muss.

Welche Folgen hat ein Unfall in der Fahrprüfung?

Verschuldet der Schüler in der Fahrprüfung einen Unfall, ist die Prüfung umgehend beendet und nicht bestanden. Bei vorsätzlichem Verhalten des Fahrschülers besteht darüber hinaus die Möglichkeit, eine Sperrfrist zu verhängen, in der der Fahrschüler nicht die Fahrerlaubnis erwerben darf. Gleiches gilt bei Alkohol- oder Drogenkonsum.

Kommt es in der Fahrprüfung zu einem Unfall, an dem der Fahrschüler keine Schuld trägt, wird die Prüfung ebenfalls abgebrochen. In diesem Fall ist es dem Schüler jedoch möglich, die Prüfung zu einem späteren Zeitpunkt zu widerholen.

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