Unfallgutachten

Man fährt mit dem Auto nichts Böses ahnend die Straße entlang, etwa wie jeden Morgen auf dem Weg zu Arbeit… ein gewohnter Vorgang, ganz normaler Alltag. Plötzlich “knallt” es wie aus heiterem Himmel und den Bruchteil einer Sekunde später gerät das Fahrzeug ins Schleudern… manch Autofahrer hat ein solches Schreckensszenario schon erlebt. Als wäre der Schock und Ärger über ein mehr oder weniger kaputtes Auto nicht schon groß genug, gerät man am Ende zu allem Überfluss auch noch mit dem Unfallgegner aneinander und streitet mit ihm darüber, wer an dem Unfall schuld ist, und über Schadensersatzansprüche – jeder Unfallbeteiligte möchte den Schaden an seinem Kfz von der Gegenpartei ersetzt bekommen.

Ein Unfallgutachten dient dabei der Klärung, inwiefern welcher Unfallbeteiligte ein Recht auf Schadensersatz hat und welche Versicherung den entstandenen Schaden übernehmen muss. Auch die Höhe der Reparaturkosten wird so ermittelt. Dabei haben zum einen Unfallbeteiligte selbst oder die Versicherungen, zum anderen auch das Gericht die Möglichkeit, Unfallgutachten in Auftrag zu geben. Als Gutachter mit der nötigen Expertise kommen zum Beispiel entsprechend ausgewiesene Sachverständige des TÜV in Betracht.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Welche Unfallgutachten gibt es?

Es gibt zwei Arten eines Unfallgutachtens:

  • Rekonstruktion des Unfallhergangs zur Klärung der Schuldfrage
  • Feststellung der Höhe des Unfallschadens am Kfz zur Klärung erforderlicher Reparaturen und deren Kosten

Gutachten zum Unfallschaden am Kfz

Für die Feststellung der entstandenen Unfallschäden am Fahrzeug und der Höhe der Reparaturkosten sind bei einem Unfallgutachten verschiedene Faktoren von Bedeutung. So unter anderem:

  • technische Daten des Kfz
  • Unfallschäden am Kfz
  • erforderliche Reparaturen inklusive mutmaßliche Dauer und Kosten der Reparatur
  • Wiederbeschaffungswert vor dem Unfall, Wertminderung und Restwert des Fahrzeuges
  • Ausfallzeit des Kfz

Nicht selten hat ein Verkehrsunfall einen Totalschaden am Kfz zur Folge. Ein Totalschaden bezeichnet einen Sachschaden, dessen Reparaturkosten den Wert des Kfz übersteigen. Die Instandsetzung des Fahrzeuges ist in diesem Fall finanziell nicht lohnenswert. Ergibt das Unfallgutachten, dass ein Totalschaden besteht, kann der Betroffene vom Unfallgegner verlangen, die Kosten für ein vergleichbares Fahrzeug zu erstatten.

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Gutachten zur Rekonstruktion des Unfallhergangs

Um den Unfallhergang zu rekonstruieren, ist die Auswertung unterschiedlicher Spuren und Informationen notwendig. Relevant sind dabei unter anderem die entstandenen Schäden an den beteiligten Fahrzeugen, die Positionen der Kfz vor und nach dem Unfall und die Länge der Bremswege. Gutachter können so unter anderem ermitteln, wie schnell die Fahrzeuge gefahren sind und wo genau sie zusammengestoßen sind. Die Feststellung der Geschwindigkeit mithilfe einer Computersoftware ist zur Klärung der Schuldfrage maßgeblich. Hätten die Fahrer den Unfall bei geringer Geschwindigkeit vermeiden können?

Grundsätzlich sollte ein Sachverständiger noch direkt an Ort und Stelle des Unfalls hinzugezogen werden. Unfallbeteiligte sollten außerdem am Ort des Geschehens nichts verändern, das heißt, weder ihre Fahrzeuge bewegen noch Trümmerteile beseitigen. Nur so ist ein möglichst exaktes Unfallgutachten gewährleistet.

Einspruch gegen ein Unfallgutachten?

Unter Umständen ist es möglich, gegen ein Unfallgutachten der Gegenpartei Einspruch einzulegen. Grund hierfür kann beispielsweise die mangelnde Expertise des Gutachters sein – daher sollte man sich rechtzeitig bezüglich der Fachkompetenz des jeweiligen Sachverständigen erkundigen. Andere Gründe sind sachliche Mängel oder fehlende Objektivität des Gutachtens, besonders bei sogenannten. „Parteigutachten“. Auch der Versuch einer vorsätzlichen Vereitelung eines Gegengutachtens rechtfertigt einen Einspruch gegen ein Unfallgutachten.

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Wieviel kostet ein Unfallgutachten?

Die Kosten eines Unfallgutachtens sind nicht pauschal festgelegt. Vielmehr richten sie sich nach dem individuellen, vorliegenden Sachverhalt. Abhängig von der Komplexität des jeweiligen Unfalls bzw. des Unfallhergangs liegen die Kosten für ein Unfallgutachten zur Rekonstruktion des Unfallhergangs bei 1.500 bis 2.000 Euro. Die Kosten für ein Unfallgutachten zur Feststellung des Schadens am Fahrzeug sind abhängig von der Höhe des Unfallschadens. In der Regel sind die Kosten umso höher, je schwerer der Schaden ist.

Als Richtlinie gilt: die Kosten eines Unfallgutachtens resultieren aus einem Prozentanteil des Unfallschadens. Je geringer dabei der Unfallschaden, desto höher der Prozentanteil.

Das heißt: bei einem Unfallschaden von beispielsweise

  • 4.000 Euro und 20% für das Unfallgutachten ergeben sich 4.000 x 0,2 = 800 Euro Kosten
  • 40.000 Euro und 8% für das Gutachten ergeben sich 40.000 x 0,08 = 3.200 Euro.

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Wer muss die Kosten eines Unfallgutachtens übernehmen?

Die Kosten eines Unfallgutachtens trägt gemäß § 91 der Zivilprozessordnung (ZPO) der Verlierer des Schadensersatzprozesses. Bei Unfallschäden am Kfz der Gegenpartei tritt für gewöhnlich die Kfz-Haftpflichtversicherung ein.

(1) Die unterliegende Partei hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen, insbesondere die dem Gegner erwachsenen Kosten zu erstatten, soweit sie zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung notwendig waren. […] (§ 91 Abs. 1 ZPO)

Unter Umständen ist auch die Kaskoversicherung zur Kostenübernahme des Unfallgutachtens verpflichtet, etwa wenn das Unfallgutachten auf ihre Veranlassung hin erstellt worden ist. Kaskoversicherungen beauftragen in der Regel einen Sachverständiger mit einem Unfallgutachten, wenn der Versicherte die Schäden an seinem Kfz selbst verursacht hat. Das Unfallgutachten dient dazu, die Höhe der Kosten festzustellen, die die Versicherung übernimmt. Ist der Versicherte mit dem Sachverständiger des Versicherungsunternehmen nicht einverstanden, kann er auch selbst einen Gutachter beauftragen. Der Versicherte muss dann aber das Unfallgutachten aus eigener Tasche bezahlen.

Unfallgutachten bei Bagatellschaden

Sehr leichte Schäden (sogenannte Bagatellschäden) stellen einen Sonderfall dar. Aufgrund des geringen Schadens und der entsprechend niedrigen Reparaturkosten übernimmt die Haftpflichtversicherung in der Regel Beträge bis 700 Euro – ohne einen Sachverständigen einzuschalten. Man muss sich als Unfallbeteiligter in einem solchen Fall darüber im Klaren sein, dass man ein selbst in Auftrag gegebenes Gutachten dann selbst zahlen muss.

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