Überholen im Straßenverkehr

Viele Autofahrer kennen die Situation: Man hat’s eilig, sitzt in einem flotten Auto, Wetter und Straßenzustand sind gut und man könnte schnell am Ziel sein – würden da einem nicht manchmal langsamere Autos vor „der Nase“ fahren und die Fahrbahn blockieren. Selbstverständlich möchte man zügig an dem „Schleicher“ vorbeifahren, um wieder schneller fahren zu können. Ein solcher Überholvorgang ist aber nie ohne Risiko – auch wenn das zu überholende Fahrzeug langsam fährt. Falsches Überholen zählt zu den häufigsten Unfallursachen. Sorgfalt und Rücksichtnahme sind deswegen auch beim Überholen unerlässlich.

Überholen bedeutet, dass ein schneller fahrendes Fahrzeug an einem langsamer fahrenden in derselben Richtung vorbeifährt. In Deutschland und den meisten anderen Ländern ist das Überholen aufgrund des geltenden Rechtsfahrgebot grundsätzlich nur auf der linken Spur erlaubt. Die Gesetzesgrundlage zum Überholen bildet § 5 der Straßenverkehrsordnung (StVO).

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Rechtswidriges Überholen – diese Strafen drohen

Ein missglückter Überholvorgang kann – besonders auf der Autobahn bei hohen Geschwindigkeiten – eine gravierende Gefährdung des Straßenverkehrs zur Folge haben und schwere Unfälle verursachen. Aus diesem Grund stehen verschiedene Vergehen beim Überholen unter Strafe. Der Bußgeldkatalog sieht ein Bußgeld, Punkte in Flensburg oder ein Fahrverbot vor. Das genaue Strafmaß richtet sich danach, wie schwerwiegend das Vergehen ist. Auch eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe nach dem Strafgesetzbuch (StGB) sind möglich, wenn eine Gefährdung des Straßenverkehrs vorliegt. Hierbei handelt es sich um eine Straftat.

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Rechtsfahrgebot missachtet

80,00€

1

-

Geschwindigkeit überschritten (über 20 km/h)

70-80€

1

-

Abstandsvergehen

75€

1

-

Überholverstoß (bei Überholverbot)

70€

1

-

Vorfahrtsmissachtung (Gefährdung des Straßenverkehrs)

100€

1

-

Abbiegevergehen

70€

1

-

Verstöße auf der Autobahn z.B. Benutzung des Seitenstreifens

75€

1

-

Alkohol am Steuer

250€

1

-

Vergehen am Bahnübergang (trotz geschlossener Schranke den Bahnübergang begehen)

700€

1

-

Verstoß an einem Fußgängerüberweg

80€

1

-

Fahren ohne Begleitperson bei einem Führerschein ab 17

70€

1

-

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Wo gilt ein Überholverbot?

Ein Überholvorgang ist eines der gefährlichsten Manöver im Straßenverkehr. Um in potentiell besonders risikoreichen Verkehrssituationen eine Gefährdung auszuschließen bzw. zu minimieren, ist das Überholen unter bestimmten Umständen grundsätzlich verboten:

  • bei Anordnung eines Überholverbotes durch die Verkehrszeichen 276 (Überholverbot für Kraftfahrzeuge aller Art) und 277 (Überholverbot für Kraftfahrzeuge über 3,5 t)
  • bei durchgezogenen Linien auf der Fahrbahn (Zeichen 295 – Fahrstreifenbegrenzung)
  • an schwer oder gar nicht einsehbaren Straßenabschnitten
  • bei sogenannter unklarer Verkehrslage, das heißt, wenn eine unvorhersehbare Behinderung oder Gefährdung des Straßenverkehrs nicht auszuschließen ist
  • beim Anfahren von Linien- und Schulbusse mit eingeschalteter Warnblinkanlage von Bushaltestellen
  • an Zebrastreifen bzw. Fußgängerüberwegen

Sowohl vor Kuppen und Kurven als auch bei schlechtem Wetter und beeinträchtigter Sicht ist zwar kein Überholverbot vorgeschrieben. Doch ein Überholmanöver ist sehr gefährlich, sodass Fahrer im Interesse der Verkehrssicherheit davon absehen sollten.

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Überholverbot auf der rechten Spur

Foto von überholenden Autos

Die StVO verbietet– bis auf wenige Ausnahmen – grundsätzlich das Überholen auf der rechten Spur

Die Versuchung ist nicht selten groß, auf der rechten Spur zu überholen, etwa weil ein “Schleicher” auf der Autobahn die linke Fahrbahn blockiert. Die StVO verbietet jedoch – bis auf wenige Ausnahmen – grundsätzlich das Überholen auf der rechten Spur. Ein Überholvorgang ist nur links erlaubt. Ein Verstoß stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und wird mit einem Bußgeld geahndet. Eine Ausnahme gilt unter anderem lediglich bei stockendem Verkehr oder im Stau auf der Autobahn bei einer maximalen Geschwindigkeit von 60 km/h auf der linken Spur, wenn die überholenden Fahrzeuge auf der rechten Spur nicht mehr als 20 km/h schneller sind. In diesem Fall ist das Rechts überholen erlaubt.

Überholverbot – welche Regeln gelten im Ausland?

Die Verkehrsregeln in anderen Ländern sind im Allgemeinen ähnlich wie in Deutschland. Einen Unterschied gibt es allerdings bei der Höhe der Bußgelder. Verstöße kommen Betroffene im Ausland häufig wesentlich teurer zu stehen. Ein Überholverbot beispielsweise kostet in Österreich und Italien noch ein vergleichsweise “humanes” Bußgeld, die untere  Grenze liegt bei 70 bzw. 85 Euro. Spanien hingegen bittet Verkehrssünder mit mindestens 200 Euro zur Kasse. Spitzenreiter ist Norwegen: ein Verstoß gegen das Überholverbot wird mit 630 Euro Bußgeld geahndet.

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Wie sieht ein korrekter Überholvorgang aus?

Für ein möglichst sicheres und gefahrloses Überholen schreibt § 5 StVO Regelungen vor, die sowohl der Überholende als auch der Überholte befolgen müssen. Zunächst muss die grundlegende Voraussetzung erfüllt sein, dass kein Überholverbot besteht. Bei einem Überholvorgang

  • darf der Überholende andere Verkehrsteilnehmer nicht behindern oder gefährden; dies gilt sowohl für das Fahrzeug bzw. den Fahrer, das bzw. der überholt wird, als auch für den nachfolgenden Verkehr und den Gegenverkehr.
  • muss der Überholende sowohl vor dem Ausscheren als auch vor dem Einscheren frühzeitig die Blinker (Fahrtrichtungsanzeiger) setzen, um seine Überholabsicht anzuzeigen 
  • muss der Überholende bedeutend schneller fahren als das zu überholende Fahrzeug; die zulässige Höchstgeschwindigkeit muss jedoch eingehalten werden
  • muss der Überholende einen Seitenabstand von mindestens 1,5 Metern (innerorts) und 2 Metern (außerorts) beachten; die Straße muss für einen Überholvorgang also ausreichend breit sein

Der Überholte darf bei einem Überholmanöver seinerseits den Überholenden nicht behindern oder gefährden. Deswegen sollte er so weit wie möglich rechts fahren. Zudem darf er seine Geschwindigkeit nicht erhöhen.

Darüber hinaus gibt es einige weitere Regeln bei einem Überholmanöver zu beachten:

  • vor dem Ausscheren nachfolgenden Verkehr im Auge behalten (sogenannte doppelte Rückschaupflicht): vor dem Ausscheren bzw. dem Setzen des Blinkers im Rückspiegel den Verkehr beobachten, zur Überprüfung des toten Winkels einen Blick über die Schulter werfen (Schulterblick)
  • vor dem Einscheren Abstand zum überholten Fahrzeug richtig einschätzen: ist das überholte Fahrzeug im Rückspiegel zu sehen, ist der Abstand groß genug und ein gefahrloses Einscheren möglich

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Radfahrer richtig überholen

Radfahrer sind als schwache Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr besonders gefährdet. Unfälle mit Fahrradfahrern enden nicht selten mit schweren Verletzungen, wenn nicht sogar tödlich. Entsprechend müssen Kfz-Fahrer beim Überholen von Radfahrern besonders vorsichtig und vorausschauend sein und in jedem Fall den seitlichen Mindestabstand berücksichtigen.

Denn es ist möglich, dass Radfahrer unvorhergesehen ihre Fahrweise ändern, etwa um einem – für den Autofahrer nicht ersichtlichen – Schlagloch auszuweichen. In diesem Fall muss der Kfz-Fahrer jederzeit rechtzeitig reagieren können. Fühlt sich der Fahrradfahrer unter Druck gesetzt, steht möglicherweise sogar der Vorwurf des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr oder der Nötigung im Straßenverkehr im Raum.

Radfahrer sind jedoch keineswegs von ihrer Sorgfaltspflicht befreit. Sie müssen ebenfalls Rücksicht nehmen und gewährleisten, dass der Kfz-Fahrer gefahrlos überholen kann. So sind sie dazu verpflichtet, Fahrzeugen das Überholen zu ermöglichen und dazu unter Umständen bei nächster Gelegenheit kurz anzuhalten und zu warten.

Überholvorgang mit dem Lkw

Die Länge und das Gesamtgewicht von Lkw erhöhen unweigerlich die Unfallgefahr. Beim Überholen ist die niedrige Geschwindigkeit der Lastkraftwagen ein zusätzlicher Risikofaktor, insbesondere auf Autobahnen. Ein Überholvorgang muss deswegen stets besonders sorgfältig und konzentriert durchgeführt werden. Allerdings besteht auf Autobahnen auf vielen Strecken ein Überholverbot für Lkw. So sollen für die Verkehrssicherheit unter anderem sogenannte Elefantenrennen unterbunden werden. Ist das Überholen doch möglich, darf der Vorgang gemäß einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 4 Ss OWi 629/08) auf einer zweispurigen Autobahn nicht länger als 45 Sekunden dauern. Zudem muss der überholende Lkw mindestens 10 km/h schneller fahren als der zu überholende Lkw.

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