Tuning

Jeder Autofahrer hat das schon einmal erlebt: man wird von einem Fahrzeug überholt, das 1. sehr schnell, 2. sehr laut und 3. tiefer gelegt und mit Heckspoiler ausgestattet ist. Allerdings führt ein Überholvorgang eines derartigen Fahrzeuges oftmals zu Verärgerung, fühlt sich doch manch Verkehrsteilnehmer zum einen von der Lautstärke des Kfz belästigt und zum anderen durch die Raserei bzw. das Schnellfahren unter Druck gesetzt. Doch was des einen Verdruss ist, ist des anderen große Freude: für viele Autoliebhaber ist es ein Hobby, an ihrem Fahrzeug “herumzubasteln” oder in einer Werkstatt Umbauten vornehmen zu lassen, um etwa die Leistungsfähigkeit des Autos zu steigern oder die Optik zu verändern. In der Autoszene spricht man hierbei von “Tuning” (englisch “to tune” – “anpassen” oder “abstimmen”); das Kfz wird nach den individuellen Wünschen des Fahrzeughalters umgebaut bzw. verändert. Dabei können zum Beispiel die Karosserie oder die Technik im Inneren des Fahrzeuges verändert bzw. getunt werden. Die am häufigsten getunten Autos sind VW-Dieselfahrzeuge.

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Welche Arten des Tunings gibt es?

Fahrzeugbesitzer können auf unterschiedliche Weise ihr Kfz tunen und Umbauten an verschiedenen Fahrzeugteilen durchführen. Unter anderem an der Fahrzeugtechnik (zum Beispiel Getriebe oder Motor), am Fahrwerk und an der Karosserie. Je nach Art des Tunings dienen die Umbauten dazu

  • die Leistung zu steigern
  • das Aussehen des Kfz zu verändern
  • die Akustik oder Aerodynamik zu ändern

Fahrwerk-Tuning

Das Fahrwerk kann getunt werden, indem die komplette Karosserie tiefergelegt bzw. herabgesetzt wird. Dabei werden Veränderungen an Federn und Stoßdämpfern durchgeführt, beispielsweise durch Veränderungen an Felgen und Reifen oder durch den Einbau von sogenannten Tieferlegungsfedern. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die Karosserie nicht zu eng an den Reifen anliegt. Andernfalls können zum einen durch die Reibung zwischen Reifen und Kotflügeln Schäden am Kfz entstehen. Zum anderen ist es möglich, dass ein Reifen platzt.

Beim Fahrwerk-Tuning werden zudem Felgen und Reifen ausgetauscht und (in den meisten Fällen) durch breitere Reifen ersetzt. Solche Umbauten können sich auf Fahreigenschaften und Fahrstabilität auswirken. Die bei breiteren Reifen größere Kontaktfläche zwischen Reifengummi und Straßenbelag ergibt eine größere Straßenhaftungsfläche und dadurch eine Verbesserung von Bremsverhalten und Kurvenlaufeigenschaften.

Motor-Tuning

Das Tunen des Motors dient sowohl der Leistungssteigerung des Kfz als auch der Veränderung des Kraftstoffverbrauches und der Lebensdauer des Motors. Motor-Tuning kann auf unterschiedliche Art durchgeführt werden, beispielsweise durch Motoraufladung, Wassereinspritzung oder Chip-Tuning. Zum Motor-Tuning gehören darüber hinaus Veränderungen an anderen Bauteilen und deren technischer Funktionsweise, zum Beispiel an der Kupplung, an der Zündkerzen oder am Schaltgetriebe. 

Fahrzeugbesitzer müssen bedenken, dass das Tunen des Motors andere Fahrzeugteile, hauptsächlich die Bremsen, beeinträchtigt, da die Belastung höher ist. Aus diesem Grund darf eine Leistungssteigerung des Motors von mehr als 5 % nur mit einer Sondergenehmigung erfolgen. 

Karosserie- und Innenraum-Tuning

Beim Karosserie-Tuning werden Umbauten am Fahrzeugaufbau vorgenommen, etwa durch einen Austausch der Fahrzeugtüren oder dem Anbau von Heckspoilern. So werden beispielsweise das Aussehen des Kfz verändert oder die Aerodynamik verbessert.

Auch das Tunen des Fahrzeuginnenraumes ist möglich. Das Innenraum-Tuning umfasst beispielsweise den Einbau neuer Sitze oder Soundboxen. Vielen Autoliebhabern geht nichts über einen guten, klaren Sound, der durch entsprechendes Tuning optimiert werden kann. Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass ein Fahrzeuginnenraum keine Disco und kein Konzertsaal ist: das Wahrnehmenkönnen von Warnsignalen im Straßenverkehr hat absoluten Vorrang; die Hörfähigkeit der Mitfahrer darf auch durch eine übermäßige Lautstärke nicht beeinträchtigt werden.

Betriebszulassung des Fahrzeuges – Nicht jedes Tuning ist erlaubt

Bild von einem tiefergelegten Auto

Zu den Arten des Tunings gehören: Leistungssteigerung,
das Aussehen des Kfz zu verändern, und
die Akustik oder Aerodynamik zu ändern.

Für eine höchstmögliche Leistungssteigerung des Fahrzeuges gibt es unzählige Möglichkeiten, die Technik entsprechend “fit” zu machen. Autoliebhaber müssen allerdings beachten, dass nicht jedes Tuning erlaubt ist bzw. nicht jedes “aufgemotzte” Fahrzeug im Straßenverkehr geführt werden darf und unter Umständen die Betriebserlaubnis erlischt. Damit ein Kraftfahrzeug für den Straßenverkehr zulässig ist, muss dieses eine Betriebserlaubnis haben. Die gesetzlichen Vorschriften bestimmen sowohl die Fahrzeugzulassungs-Verordnung (FZV) als auch die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). Alle durch Tuning vorgenommene Veränderungen am Fahrzeug müssen von TÜV, DEKRA oder einer anderen anerkannten Prüfungsorganisation kontrolliert werden. Sind die Änderungen gesetzeskonform und abgenommen, wird in der Zulassungsbescheinigung ein entsprechender Prüfziffernvermerk eingetragen.

Die StVZO verbietet bestimmte Änderungen am Kfz durch Tuning bzw. legt fest, wann die Betriebserlaubnis erlischt:

(2) Die Betriebserlaubnis […] erlischt, wenn Änderungen vorgenommen werden, durch die

  1. die in der Betriebserlaubnis genehmigte Fahrzeugart geändert wird,
  2. eine Gefährdung von Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist oder
  3. das Abgas- oder Geräuschverhalten verschlechtert wird.

(§ 19 Abs. 2 StVZO)

Das Abgas- oder Geräuschverhalten wird maßgeblich durch Veränderungen an der Auspuffanlage beeinflusst. Kommt es durch das Tuning zu einem zu hohen Ausstoß an Schadstoffen oder zu einer außergewöhnlichen Lärmbelästigung, ist ein Entzug der Betriebszulassung möglich. Auch bei einer fehlenden Kontrolle nach dem Tuning durch eine Prüfungsorganisation kann die Betriebszulassung erlöschen. Dies gilt unter Umständen auch dann, wenn die Umbauten am Kfz legal sind. Eine offizielle Abnahme des Tunings bzw. der baulichen Veränderungen ist stets verpflichtend.

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Können auch andere Fahrzeuge getunt werden?

Das Tuning ist hauptsächlich bei Autos weit verbreitet. Allerdings besteht die Möglichkeit, auch andere Fahrzeuge zu tunen, zum Beispiel Motorräder oder Lkw. Besonders in den USA erfreut sich das Tuning von Lkw großer Beliebtheit. Da die gesetzlichen Vorschriften zum Tuning hier lockerer sind, haben die „Trucker“ dort größere Freiheiten zum Fahrzeugumbau. In Deutschland sind die Möglichkeiten des LKW-Tuning aufgrund der strengeren Bestimmungen im Wesentlichen auf Innenraum und Optik beschränkt.

Beim Tuning von Motorrädern, Mopeds oder E-Scootern steht die Leistungssteigerung im Vordergrund. Besonders bei Motorrädern kann das Tunen jedoch auch Risiken mit sich bringen, da die Unfallgefahr steigt, je höher die Geschwindigkeit ist.

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