Toter Winkel

Der tote Winkel ist ein Bereich zwischen Fahrzeugfenstern und Außenspiegeln sowie Rückspiegel, den der Fahrer nicht einsehen kann. Das Verkehrsgeschehen im toten Winkel ist für den Fahrzeugführer auch im Rückblickspiegel nicht sichtbar. Der Bereich des toten Winkels ist daher eine immense Gefahr für Verkehrsteilnehmer. Insbesondere beim Rechtsabbiegen ist der tote Winkel eine häufige Unfallursache. Radfahrer und Fußgänger sind nicht selten in schwere oder gar tödliche Verkehrsunfälle verwickelt, da sie sich im toten Winkel befinden und der abbiegende Fahrer sie nicht sieht.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Toter Winkel bei Pkw

Bei Pkw befindet sich der tote Winkel zum einen vor und hinter dem Fahrzeug. Zum anderen hinten neben dem Kfz. Da das Blickfeld durch das hintere Fenster größer als bei Lkw ist, fällt der tote Winkel kleiner aus als bei Lastkraftwagen. Der tote Winkel tritt bei mehreren Fahrmanövern auf:

  • beim Abbiegen
  • beim Spurwechsel und
  • beim Rückwärtsfahren

Damit Pkw-Fahrer den toten Winkel einsehen und somit andere Verkehrsteilnehmer wahrnehmen können, ist beim Abbiegen oder einem Spurwechsel der sogenannte Schulterblick einzusetzen. Grundsätzlich sollte der Fahrzeugführer erst einen Blick in den Rückspiegel werfen, dann in den Außenspiegel schauen und schließlich einen kurzen Blick über die Schulter werfen; anschließend kann er abbiegen bzw. den Fahrstreifen wechseln, wenn niemand dabei behindert oder gefährdet wird.

Um beim Rückwärtsfahren den toten Winkel im Rückspiegel einzusehen, muss der Fahrer sich umdrehen.

Toter Winkel: bei Lkw eine große Gefahr

Der tote Winkel ist bei Lkw besonders gefährlich. Schwere Unfälle, die tödlich ausgehen, sind keine Seltenheit. Aufgrund fehlender Rückfenster ist das Blickfeld des Fahrers eingeschränkt, wodurch der tote Winkel relativ groß ausfällt.  Insbesondere Radfahrer sind häufig im toten Winkel eines rechtsabbiegenden Lkw. Besonders gefährlich ist hierbei die Hinterachse des Lastkraftwagens. Denn die Hinterräder können Radfahrer leicht erfassen, da sie beim Abbiegen einen kürzeren Weg nehmen als die Vorderräder.

Mithilfe technischer Systeme, beispielsweise mit einer Kamera und einem Fahrassistenten und , ist es bei Lkw möglich, den toten Winkel besser einzusehen. Zusätzlich zu den Außenspiegeln können Kameras angebracht werden, deren Aufnahmen vom Fahrer auf einem Monitor in Echtzeit verfolgt werden können. So bekommt der Lkw-Fahrer das Verkehrsgeschehen erheblich besser mit als nur durch die Außenspiegel. Eine zusätzlich mögliche technische Einrichtung mit digitalen Sensoren an den Spiegeln („Fahrassistent“) warnt vor möglichen Kollisionen zum Beispiel bei einem Spurwechsel.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Gesetzeslage zum toten Winkel

Zur Vermeidung von Unfällen und zum Schutz der Verkehrsteilnehmer existieren gesetzliche Regelungen, unter anderem in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). § 56 StVZO bestimmt die Befestigung der Spiegel an Kraftfahrzeugen.

(1) Kraftfahrzeuge müssen nach Maßgabe der Absätze 2 bis 3 Spiegel oder andere Einrichtungen für indirekte Sicht haben, die so beschaffen und angebracht sind, dass der Fahrzeugführer nach rückwärts, zur Seite und unmittelbar vor dem Fahrzeug – auch beim Mitführen von Anhängern – alle für ihn wesentlichen Verkehrsvorgänge beobachten kann. (§ 56 Abs. 1 StVZO)

Eine weitere rechtliche Grundlage zum toten Winkel bildet die Richtlinie 2007/38/EG der europäischen Union. Da besonders von Lkw eine große Unfallgefahr ausgeht und diese häufig in schwere Unfälle beim Rechtsabbiegen verwickelt sind, sieht die EU einheitliche Regelungen betreffend Lkw vor:

  • Vergrößerung der Blickfelder von Lastkraftwagen
  • Austausch der Spiegel durch andere Systeme für indirekte Sicht (beispielsweise Kamera-Monitor-Systeme)
  • Ausrüstung mit zusätzlichen Spiegeln
  • regelmäßige Nachrüstung bei neuen technischen Entwicklungen

Die Vorschriften bzw. die Richtlinie 2007/38/EG gilt seit März 2009. Für ältere Fahrzeuge ist eine Nachrüstung verpflichtend.

Toter Winkel: Verhalten von Radfahrern und Fußgängern

Radfahrer und Fußgänger werden bei einem Verkehrsunfall nicht selten schwer verletzt. In vielen Fällen enden Unfälle sogar tödlich. Zur eigenen Sicherheit sind deswegen auch “schwache” Verkehrsteilnehmer in der Pflicht, auf den toten Winkel zu achten. Denn Radfahrer und Fußgänger müssen immer damit rechnen, dass Kfz-Fahrer dem toten Winkel nicht ausreichend Beachtung schenken. Daher müssen Fußgänger und Fahrradfahrer regelmäßig den umgebenden Verkehr beachten, um Kollisionen durch ein „Übersehenwerden“ zu vermeiden. So sind gerade auch beim Abbiegen Vorsicht und Aufmerksamkeit erforderlich, um Unfälle zu verhindern. Fußgänger sollten sich nicht direkt an der Rand des Gehwegs stellen, damit sie nicht von einem Fahrzeug erfasst werden. An einer (roten) Ampel sollten Fahrradfahrer einen deutlichen Abstand zum vorausfahrenden oder folgenden Fahrzeug einhalten, besonders zu Lkws. Um die Gefahr eines Unfalls zu minimieren, sollte Radfahrer auch nicht stur auf ihrem Vorfahrtsrecht bestehen, sondern im Zweifel auf ihre Vorfahrt verzichten und das Fahrzeug zuerst abbiegen lassen.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.