Sekundenschlaf am Steuer

Frühes Aufstehen, zur Arbeit gehen, Kinder versorgen, ein Termin nach dem anderen, wenig Zeit für sich – rundherum ein stressiger Alltag und für viele Menschen ein – mit der Zeit gewohntes – “ewiges Einerlei”. Doch wer permanent unter Strom steht, findet meistens weder Erholung und Ruhe noch ausreichend Schlaf. Nicht selten macht sich die Erschöpfung dann plötzlich tagsüber in unterschiedlichen Situationen breit: die Konzentration lässt auf einmal nach, man wird von der Müdigkeit eingeholt, kann die Augen kaum noch offen halten und gerät schließlich in einen Sekundenschlaf. Dabei kann ein Sekundenschlaf sogar gefährlich sein, wenn er beispielsweise am Steuer beim Fahren auftritt. Der Fahrzeugführer verliert unweigerlich die Aufmerksamkeit und für ein paar Sekunden die Kontrolle über das Kfz. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten kann ein Sekundenschlaf am Steuer den Straßenverkehr gefährden und zu schweren Unfällen führen.

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Sekundenschlaf am Steuer: Ursachen und Vorbeugung

Die Ursachen für einen Sekundenschlaf sind vielfältig. Hauptsächlich führen allerdings Schlafmangel, lange Autofahrten ohne Pause oder nächtliche Autofahrten dazu, dass für einige Sekunden die Augen zufallen. Meistens gibt es Anzeichen dafür, dass ein Sekundenschlaf “bevorsteht”, etwa nachlassende Konzentration, schwere Augenlider oder wiederholtes Gähnen. Damit man nicht in einen Sekundenschlaf am Steuer verfällt, ist es wichtig, sich entsprechend zu verhalten:

  • ausgeruht und entspannt eine Fahrt antreten
  • gerade bei mehrstündigen Fahrten regelmäßige Pausen einlegen
  • bei Anzeichen eines Sekundenschlafs bei nächstmöglicher Gelegenheit sofort eine Pause einlegen

Sekundenschlaf am Steuer: Wie werden Unfallschäden reguliert?

Führt ein Sekundenschlaf am Steuer zu einem Unfall, kommen auf den Fahrer unter Umständen Schwierigkeiten mit der Kaskoversicherung bei der Schadensregulierung zu. Stuft die Versicherung das Verhalten des Fahrzeugführers bzw. des Versicherten als fahrlässig ein, verweigert sie möglicherweise die Übernahme der Schäden am Kfz des Unfallfahrers und nimmt diesen in Regress. Der Fahrer muss in diesem Fall die Unfallkosten aus eigener Tasche bezahlen und der Kaskoversicherung die Kosten zurückzahlen. Voraussetzung für eine Regressnahme ist jedoch, dass die Versicherung ein fahrlässiges Verhalten des Fahrers (das Ignorieren der Anzeichen eines Sekundenschlafs) nachweisen kann. Ein entsprechender Nachweis ist jedoch kaum möglich. Die genaue Schadensregulierung ist im Endeffekt stets vom jeweiligen Einzelfall abhängig.

Die entstandenen Schäden an anderen Fahrzeugen übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallfahrers.

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Sekundenschlaf am Steuer: Fahrlässigkeit im Straßenverkehr

Die potentielle Gefährdung des Straßenverkehrs, die mit einem Sekundenschlaf am Steuer einhergehen kann, kann als fahrlässiges Verhalten des Fahrer eingestuft werden. Denn ein Sekundenschlaf kommt in der Regel “nicht einfach so”, sondern “kündigt” sich an. Reagiert der Fahrer nicht angemessen auf die Symptome, beispielsweise indem er bei nächster Gelegenheit auf einen Parkplatz fährt, sondern fährt einfach weiter, handelt er fahrlässig. Gefährdet der Fahrzeugführer dabei den Straßenverkehr, macht er sich nach § 315c Strafgesetzbuch (StGB) strafbar.

(1) Wer im Straßenverkehr […] ein Fahrzeug führt, obwohl er […] infolge geistiger oder körperlicher Mängel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen […] und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (§ 315c Abs. 1 StGB) 

Verursacht der Fahrer durch einen Sekundenschlaf am Steuer einen Verkehrsunfall, bei dem Personen verletzt oder getötet werden, macht er sich unter Umständen der fahrlässigen Körperverletzung oder der fahrlässigen Tötung schuldig. Beide Tatbestände sind im StGB definiert und werden jeweils mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe geahndet.

Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (§ 222 StGB)

Wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (§ 229 StGB)

Darüber hinaus muss der Fahrer damit rechnen, dass ihm infolge eines durch Sekundenschlaf ausgelösten Unfalls, der Führerschein entzogen wird.

Die Gefahr eines Sekundenschlafes am Steuer besteht insbesondere bei Lkw-Fahrern. Schwere Unfälle mit Lastkraftwagen, weil die Fahrer übermüdet sind und zu lange ohne Pause durchfahren, sind keine Seltenheit. Hält der Lkw-Fahrer die Lenk- und Ruhezeiten nicht ein, wird ihm bei einem Unfall in der Regel eine Mitschuld zugesprochen.

Fahrer, die sich übermüdet hinter das Steuer setzen, drohen jedoch nicht erst bei einem Unfall oder einer Gefährdung des Straßenverkehrs Konsequenzen. So sind auch Polizisten in einer Verkehrskontrolle dazu berechtigt, den Führerschein vorläufig zu entziehen und eine Geldbuße zu verhängen, wenn anzunehmen ist, dass der Fahrzeugführer wegen Übermüdung nicht fahrtauglich ist.

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