Schulterblick

Wer erinnert sich nicht an diese Reihenfolge und die mahnenden Worte aus der Fahrstunde: „Innenspiegel! – Außenspiegel! – Blinker setzen! – Schulterblick! – Außenspiegel! – Schulterblick!“? Bei unzähligen Abbiegevorgängen oder Spurwechseln hat man das einüben dürfen – oder besser müssen. So wesentlich dieser Ablauf für die Verkehrssicherheit ist, so häufig verblasst die Erinnerung an das im Unterricht Erlernte bei vielen Kfz-Fahrern. Besonders der Blick nach hinten seitlich über die Schulter ist jedoch beim Abbiegen oder Spurwechsel unverzichtbar, um andere nicht zu gefährden. Wozu aber dient der sogenannte Schulterblick genau?

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Beim Abbiegen keine besondere Rücksicht auf Fußgänger genommen und diese gefährdet

70€

1

Beim Abbiegen in ein Grundstück einen anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet

80€

1

Fahrstreifen gewechselt und dadurch einen anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet

30€

-

...mit Sachbeschädigung

35€

-

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Unterlassener Schulterblick: Unfall – Bußgeld – Haftung

Kfz-Fahrer, die abbiegen oder die Spur wechseln, ohne den Schulterblick anzuwenden, begehen grundsätzlich keine Ordnungswidrigkeit, da ein fehlender Schulterblick alleine keinen Verkehrsverstoß darstellt. Fahrzeugführer haben daher auch keine Strafen zu erwarten. Kommt es bei einem Abbiegevorgang oder einem Spurwechsel aufgrund eines fehlenden Schulterblicks allerdings zu einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer oder zu einem Unfall, drohen Sanktionen (Bußgeld und Punkte in Flensburg) gemäß Bußgeldkatalog.

Auszug aus dem Bußgeldkatalog für Abbiegen

Auszug aus dem Bußgeldkatalog für Benutzung von Fahrstreifen durch Kraftfahrzeuge (Spurwechsel)

Passiert durch das Unterlassen des Schulterblicks durch den Kfz-Fahrer ein Unfall, so wird ihm durch das Gericht möglicherweise die alleinige Schuld zugesprochen – mit der Konsequenz, dass er dann auch in vollem Umfang haftet. Grund hierfür ist, dass er (zum Beispiel nach Ansicht des Amtsgerichts Hamburg, Aktenzeichen 32 C 4/15) durch dieses Versäumnis (fehlender Schulterblick etwa vor dem Spurwechsel) die gebotene Sorgfaltspflicht vernachlässigt (vgl. § 7 Abs. 5 StVO). Die grundsätzliche Verpflichtung, andere nicht zu gefährden, gilt natürlich auch beim Spurwechsel und hier ist der Schulterblick unverzichtbar, da dieser einen erheblich größeren Blickwinkel ermöglicht. Dies gilt auch, wenn der tote Winkel durch einen zusätzlichen Seitenspiegel am Kfz abgedeckt wird.

Einsehen des toten Winkels durch Schulterblick

Bild von einer weiblichen Schulter

Der Schulterblick spielt eine wichtige Rolle in der Verkehrssicherheit. Damit schützt man nicht nur die sich im toten Winkel befindende Person, sondern auch sich selber.

Der sogenannte tote Winkel, ein für den Fahrer nicht einsehbarer Bereich zwischen Fahrzeugfenstern und Außenspiegel sowie Rückspiegel, ist eine große Gefahrenquelle für schwere Verkehrsunfälle. Alles, was sich im toten Winkel befindet, sieht der Fahrer nicht, auch wenn er in den Spiegel schaut. Besonders Radfahrer und Fußgänger sind gefährdet, wenn sie beim Abbiegen vom Fahrzeugführer nicht gesehen und vom Kfz erfasst werden. Auch bei einem Spurwechsel sind Unfälle keine Seltenheit, da Fahrzeuge im toten Winkel übersehen werden. Um diesem Verkehrsrisiko vorzubeugen, ist der Schulterblick anzuwenden. Denn nur durch den Schulterblick kann der Fahrer den toten Winkel einsehen und das Verkehrsgeschehen erfassen. Der Schulterblick ist insbesondere bei großen und schweren Fahrzeugen, beispielsweise bei Lkw, unerlässlich, weil der der tote Winkel bedeutend größer ist als bei Autos – und gerade Unfälle mit schweren Fahrzeugen enden für Radfahrer oder Fußgänger oftmals tödlich.

Moderne Technik – kein Ersatz für den Schulterblick

Die moderne Technik hält auch bei Fahrzeugen Einzug: so besitzen immer mehr Autos, Lkw und Busse Fahrerassistenzsysteme. Diese Systeme haben den Zweck, den Autofahrer in kritischen Verkehrssituationen zu „alarmieren“ und so das Fahren sicherer zu machen. So sind zum Beispiel viele Autos mit einem System ausgestattet, das über Radarsensoren den toten Winkel erfasst und vor anderen Verkehrsteilnehmern warnt – im entsprechenden Fall leuchtet dann im jeweiligen Außenspiegel ein Warndreieck-Symbol auf. Aber aufgepasst: keine Technik ohne Tücken! Zum Beispiel kann der Tote-Winkel-Assistent plötzlich ausfallen. Daher ersetzt selbst die raffinierteste Technik nicht die eigene Vorsicht und Sorgfalt – einschließlich Schulterblick.

Schulterblick – auch bei Fahrrad und Motorrad notwendig

Nicht nur bei Kraftfahrzeugen, sondern auch bei Fahrrad- und Motorrädern ist ein Schulterblick erforderlich, bevor der Fahrer abbiegt oder die Spur wechselt. Dabei dient der Blick über die Schulter sowohl der Verkehrs- als auch der eigenen Sicherheit. Ein Schulterblick ist umso zwingender, da Motorräder und Fahrräder nur mit einem bzw. mit überhaupt keinem Außenspiegel ausgerüstet sind. Ein sich von hinten näherndes schnelleres Fahrzeug kann nur über den Schulterblick erkannt werden.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.