Rettungsgasse

Sind bei einem Verkehrsunfall Personen verletzt worden, ist schnelle Hilfe das A & O, um schlimmere Verletzungsfolgen zu verhindern und unter Umständen Leben zu retten. Dazu müssen Rettungskräfte auf schnellstem Wege die Unfallstelle erreichen, um den Unfallopfern zu helfen. Um den Rettungskräften das rasche Erreichen des Einsatzortes und unverzügliche Hilfe zu ermöglichen, ist das Bilden einer Rettungsgasse unabdingbar.

Diese Notwendigkeit ist den weitaus meisten Fahrern bewusst und das Bilden einer Rettungsgasse klappt ohne Probleme. Es gibt jedoch leider immer wieder Autofahrer, die keine Rettungsgasse bilden oder eine solche sogar blockieren. Manche tun das aus Unwissenheit, andere mit Absicht – dabei spielt häufig ungezügelte Neugier eine unrühmliche Rolle („Gaffer“). Das Nicht-Bilden einer Rettungsgasse stellt allerdings einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO) dar und wird entsprechend hart geahndet.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Rettungsgasse: Sanktionen bei Fehlverhalten

Das Nichtbilden oder das falsche Bilden einer Rettungsgasse kann gravierende Folgen haben und unter Umständen Menschenleben kosten, wenn die Rettungskräfte nicht rechtzeitig den Einsatzort erreichen. Daher wird ein Fehlverhalten hart sanktioniert. Wer auf der Autobahn oder außerorts keine Rettungsgasse bildet, wird mit 200 Euro zur Kasse gebeten. Hat das Nichtbilden einer Rettungsgasse eine Behinderung, Gefährdung oder Sachbeschädigung zur Folge, erhöht sich das Bußgeld auf bis zu 320 Euro. Darüber hinaus drohen dem Verkehrssünder Punkte in Flensburg sowie ein einmonatiges Fahrverbot.

Wer Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht und Martinshorn keinen Platz macht, hat je nach Sachverhalt (Gefährdung oder Sachbeschädigung) ein Bußgeld zwischen 240 und 320 Euro zu erwarten. Ebenso gibt es zwei Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot.

Ebenso wird das unberechtigte Durchfahren einer Rettungsgasse geahndet. Der Bußgeldkatalog sieht auch hier eine Strafe von mindestens 240 bis 320 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein einmonatiges Fahrverbot vor.

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Auf der Autobahn keine Rettungsgasse gebildet damit ein Polizei- oder Hilfsfahrzeug vorbei fahren kann, obwohl der Verkehr stockte

200€

2

1 Monat

...mit Behinderung

240€

2

1 Monat

...mit Gefährdung

280€

2

1 Monat

...mit Sachbeschädigung

320€

2

1 Monat

Einem Einsatzfahrzeug, das blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn verwendet hatte, nicht sofort freie Bahn geschaffen

240€

2

1 Monat

...mit Gefährdung

280€

2

1 Monat

...mit Sachbeschädigung

320€

2

1 Monat

Unberechtigt mit einem Fahrzeug auf einer Autobahn oder Außerortsstraße eine freie Gasse für die Durchfahrt von Polizei- oder Hilfsfahrzeugen benutzt


240€

2

1 Monat

...mit Behinderung

280€

2

1 Monat

...mit Gefährdung

300€

2

1 Monat

...mit Sachbeschädigung

320€

2

1 Monat

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Rettungsgasse: gesetzlichen Vorschriften

Die Rettungsgasse bzw. das Bilden einer Rettungsgasse ist in der Straßenverkehrsordnung (StVO) gesetzlich geregelt. Hierbei sind die §§ 11 und 38 relevant. § 11 schreibt das Bilden einer Rettungsgasse im Stau auf der Autobahn grundsätzlich vor.

(2) Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden. (§ 11 Abs. 2 StVO)

Die Vorschrift dient dazu, dass Einsatzkräfte den Unfallort so schnell wie möglich erreichen und sich nicht durch den Stau “quälen” müssen. Wird die Rettungsgasse erst gebildet, wenn Sirenen und Martinshorn schon zu sehen bzw. zu hören sind, geht wertvolle Zeit verloren. Für verletzte Personen kann dies lebensbedrohlich sein.

38 StVO verpflichtet Verkehrsteilnehmer dazu, Einsatzfahrzeugen, die mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs sind, umgehend Platz zu machen und diese durchfahren zu lassen.

(1) Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten.

Es ordnet an: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“. (§ 38 Abs. 1 StVO)

Wie wird eine Rettungsgasse richtig gebildet?

Dass in jedem Stau direkt eine Rettungsgasse gebildet werden muss – und nicht erst beim Herannahen von Rettungsfahrzeugen -, ist den meisten Fahrzeugführern bewusst. Trotzdem herrscht oft Unsicherheit, wie die Rettungsgasse richtig gebildet wird. Entscheidend für die Bildung einer Rettungsgasse bzw. dafür, wohin die Fahrer ihr Kfz bewegen müssen, um den Einsatzfahrzeugen ausreichend Platz zu machen, ist die Fahrspur, auf welcher das Fahrzeug fährt bzw. steht.

  • Rettungsgasse auf einspuriger Fahrbahn: alle Fahrzeuge müssen möglichst weit nach rechts fahren und dabei parallel zur Fahrbahn ausgerichtet sein. Kfz-Fahrer müssen dabei auch auf den nachfolgenden Verkehr achten und so zur Seite fahren, dass hinter ihnen fahrende Kfz ebenfalls auszuweichen können. An einer roten Ampel dürfen Fahrer in die Kreuzung hineinfahren, um eine Rettungsgasse zu bilden.
  • Rettungsgasse auf zweispuriger Fahrbahn: alle Fahrzeuge, die sich auf der rechten Spur befinden, fahren so weit wie möglich nach rechts; alle Fahrzeuge auf dem linken Fahrstreifen fahren möglichst weit nach links, sodass in der Mitte eine Gasse für die Rettungskräfte entsteht.
  • Rettungsgasse auf Fahrbahn mit mindestens drei Spuren: alle Fahrzeuge auf der linken Spur bewegen sich so weit wie möglich nach links; alle anderen Fahrzeuge fahren nach rechts; dabei dürfen Fahrer, die mit ihrem Kfz auf dem rechten Fahrstreifen stehen, den Seitenstreifen zur Hälfte nutzen; die Rettungsgasse entsteht so zwischen der linken und der daneben liegenden Spur.

Rettungsgasse im Ausland

Nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland sind Kfz-Fahrer zum Bilden einer Rettungsgasse verpflichtet. Die jeweiligen Vorschriften sind dabei von Land zu Land unterschiedlich. Während beispielsweise in Österreich die gleichen Regelungen wie in Deutschland gelten und das Bilden der Rettungsgasse auf mehrspurigen Fahrbahnen zwischen der linken und der benachbarten Fahrspur erfolgt, wird die Rettungsgasse in Tschechien zwischen dem rechten und dem mittleren Fahrstreifen gebildet. Verstöße haben ein Bußgeld zur Folge, das mitunter höher ausfällt als in Deutschland. Je nach Sachlage liegt das Bußgeld im dreistelligen Bereich. In manchen Ländern existieren hingegen keine ausdrücklichen Regelungen, wie genau eine Rettungsgasse gebildet werden muss. Dazu zählen unter anderem Frankreich und Italien.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.