Raser und Drängler

Manch Autofahrer erlebt einen ganz besonderen Adrenalinkick, wenn er mit hoher Geschwindigkeit über die Autobahn brettert. Andere wollen einfach nur so schnell wie möglich am Ziel ankommen. Dazu wird auf der linken Spur das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt – bis ein langsamer fahrendes Kfz vor einem auftaucht und einen am schnellen Fahren hindert. Der Unmut ist dann meistens groß und entlädt sich prompt: Drängeln, dichtes Auffahren, Lichthupe und gefährliche Überholmanöver.

Ein derartiges Fahrverhalten von Rasern und Dränglern setzt andere Fahrzeugführer allerdings oft unter Druck. Unsicherheit, aber auch Ärger sind infolgedessen keine Seltenheit – die Unfallgefahr steigt in solchen “aufgeheizten” Verkehrssituationen enorm. Nicht zuletzt deshalb, weil die Fahrer der langsamer fahrenden Kfz Raser und Drängler mitunter “maßregeln” wollen, indem sie beispielsweise auf die Bremse treten und die schneller fahrenden Autos so ausbremsen. Dabei können sowohl das Drängeln bzw. dichtes Auffahren als auch das Ausbremsen den Straftatbestand einer Nötigung im Straßenverkehr erfüllen.

Definition des Drängelns gemäß OLG Hamm

Das Empfinden dafür, wann man sich unter Druck gesetzt und bedrängt fühlt, ist bei jedem Verkehrsteilnehmer unterschiedlich ausgeprägt. Entsprechend war das Drängeln in der Rechtsprechung lange Zeit nicht explizit definiert. Im Juli 2013 fällte das Oberlandesgericht Hamm ein Urteil (Aktenzeichen 1 RBs 78/13) zum Drängeln durch dichtes Auffahren bzw. zur Unterschreitung des Mindestabstandes:

Eine Unterschreitung des im Straßenverkehr vorgeschriebenen Sicherheitsabstandes kann mit einem Bußgeld geahndet werden, wenn die vorwerfbare Dauer der Unterschreitung mindestens 3 Sekunden oder die Strecke der vorwerfbaren Unterschreitung mindestens 140 m beträgt. (OLG Hamm, Aktenzeichen 1 RBs 78/13, Pressemitteilung vom 22. August 2013)

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Raser und Drängler – welche Strafen drohen?

Raser und Drängler machen sich für gewöhnlich mehrerer Verkehrsverstöße schuldig. Zum Beispiel eines Abstandsverstoßes (Missachtung des Mindesabstandes) gemäß § 4 Abs. 1 StVO und einer Geschwindigkeitsüberschreitung. Betroffene müssen mit Bußgeldern und Punkten in Flensburg rechnen. Auch Fahrverbote oder ein Entzug des Führerscheins ist möglich. Das Strafmaß richtet sich zum einen nach der Höhe der Abstandsunterschreitung und zum anderen nach der Geschwindigkeit.

Unter Umständen ist der Straftatbestand einer Nötigung im Straßenverkehr gemäß § 240 Strafgesetzbuch (StGB) erfüllt. Dem Täter droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Ob tatsächlich eine Nötigung vorliegt, kommt allerdings auf den Einzelfall an.

Raser und Drängler in der Stadt

Raser in der Stadt gefährden besonders in verkehrsberuhigten Zonen, wie etwa Spielstraßen oder Wohngebieten, und in Bereichen, die stark befahren sind, die Verkehrssicherheit. Gerade bei hoher Geschwindigkeit ist die Unfallgefahr unter anderem wegen des verlängerten Bremsweges hoch. Doch welche Möglichkeiten haben etwa Anwohner, gegen Raser vorzugehen, um einer Gefährdung des Straßenverkehrs vorzubeugen? Welche Maßnahmen können ergriffen werden?

Zum einen besteht die Möglichkeit, Raser bei der Polizei anzuzeigen. Damit die Identität des Fahrers ermittelt werden kann, sind sowohl das Kfz-Kennzeichen als auch Farbe, Marke und Modell des Fahrzeuges erforderlich. Zudem beobachtet die Polizei an der entsprechenden Stelle den Verkehr. Erhöht sich die Anzahl an Rasern, werden amtliche Maßnahmen ergriffen.

Alternativ zur Strafanzeige können sich Anwohner an die Deutsche Verkehrswacht e.V. wenden. Dabei ist es sinnvoll, sich andere Anwohner als Verbündete zu suchen und gemeinsam um Unterstützung zu bitten.

Mitunter weit verbreitet ist zudem eine private Geschwindigkeitsmessung der Anwohner zur Überführung von Rasern. Diese Vorgehensweise ist allerdings in der Regel nicht erfolgreich. Grundsätzlich besteht zwar kein Verbot, vom eigenen Grundstück aus die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Kfz zu messen. Die Messungen haben vor Gericht jedoch keine Beweiskraft, da sie als Beweismittel nicht zulässig sind.

Auch wenn die Versuchung groß ist: Anwohner sollten in jedem Fall davon absehen, Rasern eine Lektion zu erteilen. Schlimmstenfalls werden sie nämlich selbst angezeigt, zum Beispiel wegen Nötigung.

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Raser auf der Autobahn – was tun?

Bild einer Geschwindigkeitsanzeige

Raser und Drängler machen sich für gewöhnlich mehrerer Verkehrsverstöße schuldig, wie zum Beispiel einem Abstandsverstoß.

Das Überholen auf der Autobahn bei hoher Geschwindigkeit ist für manchen Autofahrer ein Stressfaktor. Umso größer können der Schrecken, aber auch der Ärger sein, wenn sich plötzlich von hinten ein Auto nähert und so sehr drängelt, dass es “im Kofferraum hängt”. Die Verlockung, den Raser zu “maßregeln”, beispielsweise indem man ihn ausbremst, ist dann mitunter groß. Doch ein derartiges Verhalten stellt ebenfalls eine Gefährdung der Verkehrssicherheit dar und unter Umständen macht sich der Fahrer einer Nötigung im Straßenverkehr schuldig. Daher sollte man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sondern vielmehr den Überholvorgang möglichst rasch abschließen und wieder auf die rechte Spur wechseln. So ist es dem Raser möglich, selber zu überholen und mit hohem Tempo weiterzufahren. Damit eine solche, potentielle gefährliche Situation möglichst nicht entsteht und der Fahrer sich Ärger und Aufregung erspart, sollte er den Verkehr über den Rückspiegel im Auge behalten. Ist auf der linken Spur kein schneller fahrendes Auto in Sicht, kann der Fahrer zum gefahrlosen Überholen die Spur wechseln.

Kommt es zu einer Gefährdung des Straßenverkehrs durch den Raser bzw. dessen Fahrverhalten, besteht die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.