Mindestprofiltiefe

Begriffe wie „Reifenprofil“ oder “Mindestprofiltiefe” sind wohl jedem Autofahrer geläufig. Das Thema “Mindestprofiltiefe” ist auch Teil des theoretischen und praktischen Unterrichts an Fahrschulen: in der abschließenden Prüfung muss der Führerscheinanwärter dann zeigen, was er weiß und kann. Im Laufe der Zeit und Fahrpraxis geht jedoch häufig das Gefühl für die Bedeutung einer Mindestprofiltiefe der Reifen verloren.

Die nicht seltene Folge ist, dass Autobesitzer an der falschen Stelle sparen und mit abgefahrenen Reifen herumfahren. Bei den obligatorischen TÜV-Untersuchungen wird jedoch nachgemessen, ob die festgelegte Mindestprofiltiefe noch erreicht wird. Der Grund dafür ist, dass die Profiltiefe ganz entscheidend die Reifenhaftung auf der Fahrbahn bzw. dem Straßenbelag bestimmt und so die Fahr- und Bremseigenschaften des Kfz beeinflusst. Die Bedeutung für die Verkehrssicherheit liegt auf der Hand. Wer schon einmal mit abgefahrenen Reifen auf schnee- oder eisglatter oder einfach nasser Straße ins Rutschen gekommen ist, hat diese Zusammenhänge sozusagen am eigenen Leib erfahren.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Mofa in Betrieb genommen, dessen Reifen keine ausreichenden Profilrillen oder Einschnitte oder keine ausreichende Profil- oder Einschnittstiefe besaß

25€

-

-

Als Halter die Inbetriebnahme eines Mofas angeordnet oder zugelassen, dessen Reifen keine ausreichende Profilrillen oder Einschnitte oder keine ausreichende Profil- oder Einschnittstiefe besaß

35€

-

-

Kraftfahrzeug (kein Mofa) oder Anhänger in Betrieb genommen, dessen Reifen keine ausreichenden Profilrillen oder Einschnitte oder keine ausreichende Profil- oder Einschnittstiefe besaß

60€

1

-

...mit Gefährdung

75€

1

-

...mit Unfall

90€

1

-

Als Halter die Inbetriebnahme eines Kfz (außer Mofa) oder Anhänger angeordnet oder zugelassen, dessen Reifen keine ausreichenden Profilrillen oder Einschnittstiefe besaß

75€

1

-

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Mindestprofiltiefe: Sanktionen bei zu flachem Reifenprofil

Wer ein Kfz mit abgefahrenen Reifen im Straßenverkehr führt, gefährdet die Verkehrssicherheit; entsprechend riskiert er ein Bußgeld und ein Punkt in Flensburg rechnen. Dabei muss nicht nur der Fahrer in die Tasche greifen, sondern auch der Fahrzeughalter. Das Bußgeld beträgt 60 Euro für den Fahrer und 75 Euro für den Halter. Führt das Fahren mit abgefahrenen Reifen bzw. einem zu flachen Reifenprofil zu einer Gefährdung oder einem Unfall, steigt das Bußgeld auf 75 Euro bzw. 90 Euro an. In allen Fällen gibt es zudem einen Punkt in Flensburg.

Auch der Fahrer bzw. Halter eines Mofas hat ein Bußgeld zu erwarten, wenn die Mindestprofiltiefe nicht eingehalten wird.

Mindestprofiltiefe: Gesetzliche Vorgaben

Für die Verkehrssicherheit sieht der Gesetzgeber Mindestprofiltiefen, die Reifen haben müssen, vor. Je flacher bzw. abgefahrener das Reifenprofil, desto schlechter ist die Reifenhaftung auf der Fahrbahn – und je schlechter die Reifenhaftung, desto größer ist das Sicherheitsrisiko für den Straßenverkehr. Denn bei abgefahrenen Reifen verlängert sich unter anderem der Bremsweg. Insbesondere bei nasser oder glatter Fahrbahn kann es so zu Unfällen kommen. Eine regelmäßige Überprüfung der Profiltiefe bzw. des allgemeinen Zustandes der Reifen ist daher unerlässlich.

§ 36 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) bestimmt die Mindestprofiltiefe für Sommer- und Winterreifen. Das Reifenprofil muss mindestens 1,6 mm tief sein. Eine Ausnahme gilt für Fahrräder mit Hilfsmotor, Kleinkrafträder und Leichtkrafträder; hier beträgt die Mindestprofiltiefe 1 mm.

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Mindestprofiltiefe – welcher Wert wird empfohlen?

Die StVZO macht bei ihrer Vorgabe zu der Mindestprofiltiefe keinen Unterschied zwischen Sommer- und Winterreifen. Für die Verkehrssicherheit empfiehlt der ADAC jedoch ein tieferes Reifenprofil, nämlich mindestens

  • 3 mm bei Sommerreifen und
  • 4 mm bei Winterreifen

Ein tieferes Profil gewährleistet eine bessere Reifenhaftung, wodurch

  • der Bremsweg kürzer ist
  • die Fahreigenschaften in Kurven verbessert wird und
  • die Gefahr von Aquaplaning minimiert wird

Ordnungswidrige Bereifung: das beanstandet der TÜV

Ist die Mindestprofiltiefe unterschritten oder sind die Reifen zu alt oder abgenutzt, drohen Konsequenzen beim TÜV. Eine ordnungswidrige Bereifung stellt nämlich einen Mangel dar. Auch eine unzulässige Reifendimension wird bei der Hauptuntersuchung (HU) bemängelt. Unter der sogenannten. Reifendimension versteht man das Gesamt an Werten zu Umfang, Breite, maximaler Traglast und zulässiger Höchstgeschwindigkeit der Reifen; die entsprechenden Angaben werden in Form von Ziffern, Buchstaben oder Symbolen ausgedrückt. Die für ein Kfz zulässige Reifendimension ist im Fahrzeugschein (Ziffern 20 bis 23) bzw. in der Zulassungsbescheinigung (Teil 1, Ziffer 15) vermerkt.

Bevor man bei der Hauptuntersuchung beim TÜV „durchfällt“ und dann noch einmal antreten muss, sollte man daher in regelmäßigen Abständen die Reifen auf Profiltiefe, Schäden u. ä. kontrollieren.

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Kontrolle der Reifen auf Abnutzung und Mindestprofiltiefe

Jeder Reifen nutzt sich über die Jahre ab, entsprechend wird das Profil flach und die Reifen müssen durch neue ersetzt werden. Die Notwendigkeit des Austauschs der Reifen bzw. der richtige Zeitpunkt hängen von zwei Faktoren ab:

  • Alter der Reifen und
  • gefahrene Kilometer

In der Regel muss spätestens alle sechs Jahre oder nach 40.000 gefahrenen Kilometern ein neuer Reifensatz für das Kfz gekauft werden, da die Reifen abgefahren sind. Man sollte auch bedenken, dass verschiedene Faktoren – neben dem Fahrstil insbesondere der Reifendruck – die Abnutzung der Reifen mehr oder minder beschleunigen können; eine Kontrolle des Reifendrucks und des Reifenprofils sollte also regelmäßig durchgeführt werden. Ab einer Profiltiefe von 1,6 mm sind die Reifen auf jeden Fall zu wechseln. Es empfiehlt sich jedoch bereits bei Werten von 3 mm (Sommerreifen) bzw. 4 mm (Winterreifen), neue Reifen aufziehen zu lassen.

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Unterschreitung der Mindestprofiltiefe: Schadensregulierung nach Unfall

Abgefahrene Reifen können Auswirkungen auf die Schadensregulierung nach einem Verkehrsunfall haben. Denn es besteht die Möglichkeit, dass Kfz-Haftpflichtversicherung und Kaskoversicherung die Übernahme der Unfallschäden verweigern, wenn sie das Fahren des Kfz mit abgenutzten Reifen bzw. unterschrittener Mindestprofiltiefe als grob fahrlässiges Verhalten einstufen. Der Fahrer muss die Unfallkosten dann aus eigener Tasche bezahlen; dies betrifft sowohl die Schäden am eigenen Auto als auch die Schäden an anderen Fahrzeugen.

Allerdings: beweist ein Gutachten, dass der Unfall auch mit vorgeschriebener Mindestprofiltiefe und nicht abgefahrenen Reifen unvermeidbar gewesen wäre, ist es möglich, dass die Versicherung trotz ordnungswidriger Reifen für den entstandenen Schaden aufkommt.

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