Mindestabstand

Es ist eines der häufigsten, doch auch am meisten unterschätzten Vergehen im Straßenverkehr: das Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes. Dichtes Auffahren – teilweise so dicht, dass man dem Vordermann “im Kofferraum hängt” – zum vorausfahrenden Fahrzeug ist für die meisten Autofahrer völlig normal. Sie tun es wie selbstverständlich und ohne groß darüber nachzudenken. Doch das dichte Auffahren kann böse enden: denn nicht selten führt das Missachten des Mindestabstandes zu schweren oder sogar tödlichen Verkehrsunfällen.

Alleine im Jahr 2017 sind laut Bundesstatistik um die 50.000 Unfälle mit Personenschaden durch das Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes verursacht worden. Aus diesem Grund versteht der Gesetzgeber im Sinne der Verkehrssicherheit keinen Spaß und sieht teils harte Sanktionen vor: Bußgeld, Punkte und womöglich ein Fahrverbot – ein Abstandsverstoß kann den Verkehrssünder mitunter teuer zu stehen kommen.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Abstandsverstoß bei weniger als 80 km/h

25€

-

-

...mit Gefährdung

30€

-

-

...mit Sachbeschädigung

35€

-

-

Abstandverstoß mit mehr als 80 km/h



Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes

75€

1

-

Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes

100€

1

-

Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes

160€

1

-

Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes

240€

1

-

Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes

320€

1

-

Abstandsverstoß mit mehr als 100 km/h



Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes


75€


1


-


Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes

100€


1


-


Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes


160€


2


1 Monat


Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes


240€


2


2 Monate


Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes


320€


-


3 Monate


Abstandsverstoß mit mehr als 130 km/h





Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes


100€


1


-


Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes


180€


1


-


Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes


240€


2


1 Monat


Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes


320€


2


2 Monate


Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes


400€


2


3 Monate

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Mindestabstand nicht eingehalten – welche Sanktionen drohen?

Das Nichteinhalten des Mindestabstandes bestraft der Gesetzgeber mit Bußgeld, Punkten in Flensburg und einem Fahrverbot. Der Bußgeldkatalog staffelt hierbei die Sanktionen nach der Gefährlichkeit des Abstandsverstoßes. Entscheidend für die Höhe des Strafmaßes sind sowohl die gefahrene Geschwindigkeit als auch der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Das Missachten des Mindestabstandes bei einer Geschwindigkeit unter 80 km/h hat lediglich ein Bußgeld zur Folge, das maximal 35  Euro beträgt – der Verkehrssünder kommt also noch mal glimpflich davon. Bei einer Geschwindigkeit über 80 km/h sieht das allerdings schon ganz anders aus: es drohen mindestens 75 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Ein Abstandsverstoß bei einer Geschwindigkeit von mehr als 100 km/h zieht unter Umständen auch ein Fahrverbot nach sich.

Abstandsverstoß – wann liegt eine Nötigung im Straßenverkehr vor?

Das Nichteinhalten des vorgeschriebenen Sicherheitsabstandes bzw. das zu dichte Auffahren kann darüber hinaus noch weitaus gravierendere Konsequenzen nach sich ziehen. Denn zu dichtes Auffahren kann unter Umständen eine Nötigung im Straßenverkehr darstellen. Hierbei handelt es sich um eine Straftat gemäß Strafgesetzbuch (StGB). Entsprechend ist nicht mehr das Verkehrsrecht, sondern das Strafrecht maßgeblich. § 240 StGB ahndet eine Nötigung mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Allerdings müssen genau definierte und strenge Voraussetzungen für die Strafbarkeit einer Nötigung erfüllt sein. Maßgeblich dafür, dass zu dichtes Auffahren als Nötigung im Straßenverkehr gewertet wird, sind unter anderem die gefahrene Geschwindigkeit und der Abstand einerseits sowie die zeitliche Dauer und die Länge der Strecke andererseits.

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Wie ist der Mindestabstand gesetzlich geregelt?

Gesetzliche Vorschriften zu Mindestabstand finden sich in der Straßenverkehrsordnung (StVO). § 4 besagt, dass ein gefahrloses Anhalten immer möglich sein muss, auch dann wenn der Vordermann plötzlich abbremst. Entsprechend groß muss der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug sein. Wie groß der Mindestabstand sein muss, hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Grundsätzlich muss der Fahrer bei höheren Geschwindigkeiten einen größeren Abstand einhalten, da sich der Bremsweg verlängert. Dementsprechend gibt es für innerorts und außerorts unterschiedliche Vorgaben zum Mindestabstand. Dabei ist nicht nur ein Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Kfz vorgeschrieben, sondern auch ein seitlicher Mindestabstand.

Mindestabstand zum vorausfahrenden Kfz

  • innerhalb geschlossener Ortschaften: als Faustregel gilt: Mindestabstand = die in einer Sekunde zurückgelegte Strecke. Demnach beträgt der Abstand bei 50 km/h 15 Meter (circa drei Pkw-Längen).
  • außerhalb geschlossener Ortschaften: hier gilt als Faustregel: Mindestabstand = halber Tacho (Mindestabstand = die in zwei Sekunden zurückgelegte Strecke). Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h sollte also ein Sicherheitsabstand von mindestens 40 Metern eingehalten werden.

Mindestabstände für Lkw

Für Lkw ist ein größerer Mindestabstand vorgeschrieben. Grund hierfür ist eine erhöhte Unfallgefahr, die von Lkw ausgeht, da sie aufgrund ihres schweren Gesamtgewichts einen verlängerten Bremsweg haben. Der Mindestabstand von Lkw mit mehr als 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht beträgt 50 Meter bei einer Geschwindigkeit von über 50 km/h.

Seitlicher Mindestabstand

  • 1,5 Meter seitlichen Mindestabstand zu Fahrrädern, Motorrädern und anderen einspurigen Fahrzeugen
  • 1 Meter seitlichen Mindestabstand zu Pkw und Lkw
  • 2 Meter seitlichen Mindestabstand zu an einer Haltestelle stehenden Linien- und Schulbussen

Abstandsverstoß in der Probezeit

Aufgrund ihrer fehlenden Erfahrung stellen Fahranfänger in der Probezeit ein potenziell höheres Risiko im Straßenverkehr dar. Deswegen haben Führerscheinneulinge bei einem Fehlverhalten härtere Sanktionen zu befürchten. Die Verstöße werden dabei in schwerwiegend (A-Verstoß) und weniger schwerwiegend (B-Verstoß) eingeteilt. Da das Missachten des Mindestabstandes eine der häufigsten Unfallursachen ist und schlimme Folgen nach sich ziehen kann, gilt ein Abstandsverstoß als A-Verstoß. Ein derartiger Verstoß hat unmittelbare Auswirkungen auf die Fahrerlaubnis. So verlängert sich die Probezeit um zwei Jahre und der Verkehrssünder muss an einem Aufbauseminar teilnehmen. Tut er dies nicht, wird die Fahrerlaubnis bzw. der Führerschein entzogen. Darüber hinaus erwarten den Fahranfänger die im Bußgeldkatalog festgelegten Sanktionen für einen Abstandsverstoß.

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Feststellung von Abstandsverstößen: Messmethoden

Es gibt unterschiedliche Methoden, den Abstand zwischen Fahrzeugen zu messen und mögliche Verkehrssünder zu überführen. Dies kann per Videoüberwachung oder durch eine optische Abstandsmessung mithilfe einer Laserpistole erfolgen.

  • stationäre Videoüberwachung: eine stationäre Videoüberwachung zum Messen von Abstandsverstößen findet in der Regel an Brücken statt. Dabei wird ein Areal im Umkreis von 300 Metern vor der Brücke kontrolliert. Zeigt die Messung einen Abstandsverstoß an, wird ein Blitzer unter der Brücke aktiviert.
  • mobile Videoüberwachung: eine mobile Überwachung führen (zivile) Polizisten mithilfe von im Fahrzeug eingebauter Technik durch. Dazu fahren sie ganz gewöhnlich im Straßenverkehr mit und überprüfen sowohl die Geschwindigkeit als auch den Abstand zwischen den Fahrzeugen. In den meisten Fällen wird eine mobile Videoüberwachung auf der Autobahn angewendet.
  • optische Abstandsmessung: eine optische Abstandsmessung erfolgt per Laserpistole und wird von vorne durchgeführt. Die Laserpistole dient auch zur Überprüfung der gefahrenen Geschwindigkeit.

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Toleranzabzug bei Abstandsverstoß

Der Toleranzabzug ist den meisten Kfz-Fahrern im Rahmen von Geschwindigkeitsüberschreitungen bekannt. Doch auch bei Abstandsverstößen spielt der Toleranzabzug eine wesentliche Rolle. Zur Kompensation von Messungenauigkeiten, wird ein Toleranzwert abgezogen. Dieser Wert kann einen großen Unterschied ausmachen und den Ausschlag für eine niedrigere Strafe geben – so wird gegebenenfalls aus einem potenziellen Bußgeldbescheid mit Bußgeld, Punkten und einem Fahrverbot eine Strafe, die “nur” noch ein Bußgeld und Punkte umfasst.

Abstandsverstoß – Hilfe eines Anwalts

Die Hinzuziehung eines Rechtsanwalts für Verkehrsrecht ist insbesondere dann ratsam, wenn infolges eines Abstandsverstoßes ein hohes Bußgeld, Punkte und ein Fahrvebrot drohen. Dem Juristen sind mögliche Fehlerquellen, beispielsweise bei der Abstandsmessung, und andere Angriffspunkte wohl bekannt. Auch die persönliche Situation des Fahrers ist stets von Bedeutung. Basierend auf der Akteneinsicht kann ein Anwalt den Betroffenen zum einen hinsichtlich der Erfolgschancen bei einem Einspruch beraten und zum anderen eine optimale Verteidigungsstrategie entwickeln.

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Zusammenhang zwischen Mindestabstand und Bremsweg

Eigentlich hat jeder Autofahrer schon einmal etwas vom sogenannten „Mindestabstand“ gehört. Dennoch ist es für viele häufig schwierig, den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug abzuschätzen. Auf der Autobahn oder der Schnellstraße kann sich der Fahrer an den Leitpfosten orientieren, die für gewöhnlich in einem Abstand von 50 Metern stehen.

Der geforderte Mindestabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug ist dabei nicht nur eine lästige Vorschrift, sondern verhindert im entscheidenden Fall unter Umständen (schwere) Verkehrsunfälle. Denn sollte der Vordermann zum Beispiel plötzlich und unerwartet stark abbremsen oder gar stehen bleiben, benötigt man genügend Platz bzw. Abstand, um angemessen reagieren zu können. Da der Vordermann beim Anhalten nicht von jetzt auf gleich stehen bleiben kann, sondern eben auch einen Bremsweg benötigt, muss der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht dem eigenen Bremsweg entsprechen. Man sollte allerdings eine Vorstellung vom eigenen Bremsweg haben, um den erforderlichen Sicherheitsabstand abschätzen zu können.

Es gibt hier die einfache Faustformel: “Mindestabstand = halber Tachowert”. Allerdings wird diese Formel umso ungenauer, je höher die eigene Geschwindigkeit ist. Das hat zum einen mathematische Gründe – zum anderen spielen hier auch der Zustand der Bremsen und des Fahrzeugs, die Intensität des Bremsens und die Witterungsbedingungen eine Rolle – alles Faktoren, die sich auf die Berechnung des angemessenen Bremsweges auswirken.

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