Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU)

Die sogenannte medizinisch-psychologische Untersuchung (abgekürzt MPU) ist den meisten Verkehrsteilnehmern besser unter der umgangssprachlichen Bezeichnung „Idiotentest“ bekannt. Mit dem Wort MPU verbinden Kfz-Fahrer im Allgemeinen etwas Unangenehmes: der „Einladung“ zu einer solchen Untersuchung geht nämlich in der Regel ein Führerscheinentzug voraus. Und erst wenn die MPU bestanden wurde, darf der Betroffene wieder ein Fahrzeug im Straßenverkehr führen.

Die Fahrerlaubnisbehörde kann aus verschiedenen Gründen eine medizinisch-psychologische Untersuchung verpflichtend vorschreiben; durchgeführt und abgelegt wird eine MPU bei den offiziellen sogenannten. „Begutachtungsstellen für Fahreignung“ (BfF). Dazu zählen (von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) anerkannt) zum Beispiel DEKRA e.V. Dresden, IBBK Institut für Beratung – Begutachtung – Kraftfahrereignung GmbH sowie der TÜV. Der Betroffene kann selbst auswählen, bei welcher Begutachtungsstelle er die Untersuchung absolviert.

Unter Umständen ist die Fahrerlaubnis auch ohne MPU wieder zu erlangen. Hierbei muss der Betroffene jedoch 15 Jahre warten – dann muss der Führerschein neu beantragt werden. Vorher darf er nicht als Kfz-Fahrer am Straßenverkehr teilnehmen.

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Wann wird eine MPU angeordnet?

Die Anordnung einer MPU kann aus unterschiedlichen Gründen erfolgen. Im Regelfall schreibt die Fahrerlaubnisbehörde eine MPU vor, wenn die Fahrerlaubnis bzw. der Führerschein entzogen worden ist. In manchen Fällen müssen Betroffene eine MPU jedoch auch absolvieren, obwohl kein Fahrerlaubnisentzug vorausgegangen ist. Die gesetzlichen Regelungen zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung bestimmt § 11 der Fahrerlaubnisverordnung (FeV).

Gründe einer MPU:

  • Drogen am Steuer: Sowohl Fahrer und Beifahrer als auch Radfahrer und Fußgänger müssen bei nachgewiesenem Drogenkonsum eine MPU absolvieren. Die Fahrerlaubnisbehörde stellt die Fahreignung eines jeden Verkehrsteilnehmers nach der Einnahme von Drogen in Frage.
  • Alkohol am Steuer: beträgt der Promillewert mehr als 1,6 ist eine MPU Pflicht. Bei Verdacht einer Alkoholabhängigkeit können allerdings auch niedrige Promillewerte eine MPU zur Folge haben. Gleiches gilt für Wiederholungstäter.
  • Punkte in Flensburg: wurde dem Fahrer aufgrund einer zu hohen Anzahl an Punkten in Flensburg (acht oder mehr) die Fahrerlaubnis entzogen, muss er in der Regel eine MPU absolvieren
  • mangelnde geistige Eignung: der geistige Zustand ist für die Erlaubnis zum Führen eines Fahrzeuges wesentlich. Bestehen hier Mängel in der entsprechenden Eignung, ist vor der angestrebten Erteilung der Fahrerlaubnis eine MPU verpflichtend. Im Rahmen dieser Untersuchung werden unter anderem Reaktionsfähigkeit und Aggressionspotenzial überprüft.
  • körperliche Beeinträchtigung: Personen mit einer körperlichen Beeinträchtigung (zum Beispiel fehlendes Sehvermögen, Gehörlosigkeit oder fehlende Gliedmaßen)  müssen im Rahmen einer MPU unter Umständen ihre Fahreignung nachweisen.

Ist ein Einspruch gegen eine MPU möglich?

Es besteht grundsätzlich keine Chance, einen Einspruch gegen eine MPU bzw. gegen die Anordnung einer MPU einzulegen. Ein juristisches Vorgehen ist lediglich erst bei Ablehnung des Antrages auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis möglich. Das zuständige Verwaltungsgericht prüft dann unter anderem das angefertigte Gutachten. In jedem Fall ist es empfehlenswert, einen auf Verkehrsrecht spezialisierten Anwalt hinzuziehen, der den Betroffenen über die Erfolgsaussichten einer Klage beraten kann.

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Wann ist ein Abstinenznachweis erforderlich?

Es besteht die Möglichkeit, dass im Rahmen einer MPU ein Abstinenznachweis verlangt wird. Dies ist zum einen nach einem Drogenvergehen im Straßenverkehr der Fall. Auch bei Alkohol am Steuer muss der Betroffene gegebenenfalls einen Abstinenznachweis erbringen, etwa bei Verdacht einer Abhängigkeit. In jedem Fall werden die Leberwerte kontrolliert. Ein Abstinenznachweis ist dabei Voraussetzung für eine erfolgreiche MPU.

Der Betroffene muss über einen längeren Zeitraum (sechs oder zwölf Monate) nachweisen, dass er keine Rauschmittel mehr einnimmt. Dazu werden an einem Medizinisch-Psychologischen-Institut (MPI) an mehreren, dem Betroffenen unbekannten, Terminen in unregelmäßigen Abständen Haar- oder Urinproben des Betroffenen analysiert. Der Abstinenznachweis bzw. das Abstinenzprogramm unterliegt dabei strengen Regelungen. So müssen Abstinenznachweise den CTU-Kriterien (Kriterien zur Durchführung Chemisch-Toxikologischer-Untersuchungen) entsprechen, andernfalls sind sie vor Gericht ungültig.

Vorbereitung einer medizinisch-psychologischen Untersuchung

Eine bestmögliche Vorbereitung auf eine medizinisch-psychologische Untersuchung ist von zentraler Bedeutung. Denn so erhöht der Betroffene seine Chancen auf eine erfolgreiche MPU enorm. Zur Vorbereitung werden eigens spezielle Kurse angeboten, die unter anderem kostenpflichtige MPU-Beratungen umfassen. Betroffene müssen bei der Wahl von Vorbereitungskursen jedoch beachten, dass es unter den Anbietern viele “schwarze Schafe” gibt. Denn da Anbieter der MPU-Vorbereitungskurse nicht offiziell anerkannt sind, ist es jedem erlaubt, einen entsprechenden Kurs durchzuführen.

Anbieter von MPU-Vorbereitungskursen

Wie kann man aber nun die “schwarzen Schafe” entlarven? Es gibt verschiedene Anhaltspunkte, die darauf hinweisen, ob es sich bei einem Kurs-Anbieter um einen seriösen oder unseriösen Anbieter handelt. Seriöse Anbieter etwa organisieren kostenlose Informationsveranstaltungen vor Beginn des Kurses und arbeiten mit einem geschulten Verkehrspsychologen zusammen. Für die fachliche Eignung eines solchen Verkehrspsychologen spricht unter anderem dass er Unterlagen wie zum Beispiel frühere Gutachten oder den Briefwechsel mit der Führerscheinstelle vorher einsehen möchte, um nach einer ersten Einschätzung eine fachkundige MPU-Beratung in Aussicht stellen zu können.

Unseriöse Anbieter hingegen versuchen, auf Kosten der Betroffenen so viel Geld wie möglich zu machen. Hinweise auf einen unseriösen Anbieter sind beispielsweise

  • Beratung über eine kostenpflichtige Telefonhotline
  • Werben mit “Geld-zurück-Garantien” und hohen Erfolgsquoten
  • Broschüren und Website mit mangelnden Informationen, aber fehlerhafter Rechtschreibung

Betroffene sollten darüber hinaus darauf achten, dass ein Vorbereitungskurs tatsächlich von einem Verkehrspsychologen betreut wird. Die Kursleiter unseriöser Anbieter sind häufig Lebensberater oder psychologische Berater.

Manche Anbieter werben zudem mit dem Kauf eines positiven MPU-Gutachtens. Hierbei handelt es sich jedoch um gefälschte Gutachten und damit um eine Urkundenfälschung, die gemäß § 267 Strafgesetzbuch (StGB) mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bestraft wird.

Es ist sinnvoll, mehrere Informationsveranstaltungen der seriösen Kurs-Anbieter zu besuchen, um den am besten geeigneten Anbieter zu wählen. So ist eine optimale Vorbereitung auf die MPU gewährleistet.

MPU-Beratungen

Eine Beratung zur MPU-Vorbereitung erfolgt durch einen Verkehrspsychologen und kann entweder in Einzel- oder in Gruppensitzungen abgehalten werden. Bei einer Einzelberatung ist es dem Verkehrspsychologen natürlich aus naheliegenden Gründen möglich, auf den Betroffenen sehr individuell und intensiv einzugehen – dafür sind allerdings die Kosten höher (ca. 1000 € pro Gesprächsstunde gegenüber 500 – 1000 € bei Gruppengesprächen).

Hat der Betroffene die MPU-Vorbereitung absolviert, erhält er sowohl eine Teilnahmebestätigung als auch ein schriftliches Beratungsergebnis.

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Wie läuft eine MPU ab?

Eine MPU läuft stets nach einem vorgeschriebenen Schema ab. Die Untersuchung dauert etwa zweieinhalb Stunden.

  • Anmeldung und Ausfüllen des Fragebogens: Der Betroffene ist dazu verpflichtet, Angaben zu seinem Lebenslauf, zu möglichen Erkrankungen und zum Grund für die MPU zu machen
  • medizinische Untersuchung: Gespräch über die Gründe des Fehlverhaltens im Straßenverkehr. Wird die MPU wegen Alkohol am Steuer durchgeführt, werden gegebenenfalls die Leberwerte des Betroffene kontrolliert. Nach Drogenkonsum muss der Betroffene eine Urinprobe abgeben. Abgabe eines möglichen Abstinenznachweises.
  • Leistungstest/Reaktionstest: Überprüfung der physischen Fähigkeiten zum Führen eines Kraftfahrzeuges. Reaktionsfähigkeit, Konzentrationsvermögen und Aufmerksamkeitsleistung werden hierbei per Computerprogramme getestet.
  • psychologische Untersuchung: Gespräch mit einem psychologischen Gutachter zur Überprüfung der psychischen Eignung, ein Kraftfahrzeug zu führen. Das Gespräch hat in erster Linie die Gründe der Verkehrsauffälligkeit des Betroffenen zum Inhalt. Auch das aktuelle Verhalten, zum Beispiel der Umgang mit Alkohol oder Drogen, wird thematisiert. Es muss erkennbar sein und plausibel gemacht werden können, dass der Betroffene sein Verhalten zum Besseren geändert hat.

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Medizinisch-psychologisches Gutachten

Bei einem positiven Gutachten einer medizinisch-psychologischen Untersuchung erhält der Betroffene seine Fahrerlaubnis bzw. seinen Führerschein zurück. Eine Besonderheit liegt vor, wenn eine Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Nachschulung zur Wiederherstellung der Fahreignung angeordnet wird. In diesem Fall fällt das Gutachten weder positiv noch negativ aus.

Eine verkehrspsychologische Nachschulung ist erforderlich, wenn eine Verhaltensänderung des Betroffenen zwar erkennbar, aber von diesem noch nicht dauerhaft angenommen worden ist. Die Nachschulung dient dazu, das eigene Verhalten aufzuarbeiten und Lösungen zu finden, wie man sich in schwierigen Situationen zukünftig verhalten kann, ohne dass man gegen das Gesetz verstößt und eine Gefährdung für andere darstellt. Ist die verkehrspsychologische Nachschulung erfolgreich absolviert, gibt die Fahrerlaubnisbehörde dem Betroffenen den Führerschein zurück.

Wieviel kostet eine MPU?

Die Kosten einer medizinisch-psychologischen Untersuchung können die Begutachtungsstellen für Fahreignung seit August 2018 selbst bestimmen. Entsprechend variieren die Kosten abhängig zum einen von der Begutachtungsstelle und zum anderen vom Verkehrsverstoß bzw. vom Anlass der MPU. Im Allgemeinen verursacht eine MPU nach einem Alkohol- oder Drogenverstoß im Straßenverkehr allerdings höhere Kosten als eine MPU wegen einem zu “prall gefüllten” Punktekonto in Flensburg. Die Kosten für die reine MPU belaufen sich durchschnittlich auf rund 450 Euro. Die Gesamtkosten betragen jedoch über 1.500 Euro, da sie zusätzlich die Vorbereitungskurse einer MPU sowie einen möglichen Abstinenznachweis umfassen. Der Betroffene muss die Kosten in voller Höhe selbst zahlen.

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