Medikamente im Straßenverkehr

Lästige Kopfschmerzen oder ein nerviges Kratzen im Hals, das eine Erkältung ankündigt? Eigentlich kein großes Problem, das Einwerfen einer Tablette oder das Einnehmen anderer Medikamente lassen die Beschwerden abklingen. Man ist wieder fit und kann wie gewohnt seinem Alltag nachgehen. Arbeiten, Termine wahrnehmen, einkaufen, Freunde besuchen – mit dem Auto ist man flexibel und es lässt sich alles wunderbar verbinden. An die Beschwerden und das Einnehmen der Schmerzmittel zuvor wird kein Gedanke mehr verschwendet. Doch eine Medikamenteneinnahme sollte keineswegs auf die leichte Schulter genommen werden, wenn man sich in absehbarer Zeit noch hinter das Steuer setzen möchte. Die unterschiedlich starken Nebenwirkungen von Arzneimitteln können nämlich die Fahrtauglichkeit (stark) beeinträchtigen und infolgedessen ein erhöhtes Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr darstellen.

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Medikamente im Straßenverkehr: Rechtliche Konsequenzen

Ein explizites Verbot von Medikamenten im Straßenverkehr sieht der Gesetzgeber nicht vor. Allerdings ist das Führen eines Kfz unter Einfluss berauschender Mittel gemäß Straßenverkehrsgesetz (StVG) sehr wohl verboten. Dem Täter droht eine Geldstrafe bis zu 3.000 Euro. 

(2) Ordnungswidrig handelt, wer unter der Wirkung eines in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten berauschenden Mittels im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug führt. Eine solche Wirkung liegt vor, wenn eine in dieser Anlage genannte Substanz im Blut nachgewiesen wird. Satz 1 gilt nicht, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt. (§ 24a Abs. 2 StVG)

Demnach gilt jedoch eine Ausnahme, wenn die Substanz der berauschenden Mittel Bestandteil eines verschriebenen Medikamentes ist, dessen Einnahme aus gesundheitlichen Gründen erforderlich ist.

Der Nachweis von Medikamenten, zum Beispiel Morphin, erfolgt in einer Verkehrskontrolle durch einen Schnelltest. Hierbei muss der Betroffene eine Schweiß- oder Urinprobe abgeben.

Unter Umständen ist es auch möglich, dass sich der Betroffene nach der Einnahme von Arzneimitteln einer Trunkenheitsfahrt nach § 316 Strafgesetzbuch (StGB) schuldig macht. Dies ist der Fall, wenn infolge der Medikamenteneinnahme Ausfallerscheinungen und Fahrfehler auftreten.

(1) Wer im Verkehr (§§ 315 bis 315e) ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft […] (§ 316 Abs. 1 StGB)

Welche Medikamente beeinträchtigen die Fahrtauglichkeit?

Bild von Medikamenten in einer Hand

Ein ausdrückliches Gesetz, welches Medikamente beim Führen eines Kfz verbietet gibt es nicht. Berauschende Mittel werden dabei allerdings zu Drogen geordnet.

Die Gefahr ist groß, dass gerade bei weniger starken Arzneimitteln, beispielsweise Aspirin oder Ibuprofen, mögliche Nebenwirkungen unterschätzt werden. Die Fahrtauglichkeit wird bei der Einnahme derartiger Medikamente zwar nur unwesentlich beeinträchtigt. Dennoch ist  Vorsicht geboten. Besonders gravierende Nebenwirkungen können starke Medikamente hervorrufen, beispielsweise Schlafmittel oder Antidepressiva. Besonders gefährlich ist darüber hinaus ist die Wechselwirkung verschiedener Arzneimittel. Nicht selten haben Medikamente negative Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit. Durch eine mangelnde bzw. nachlassende Konzentration besteht die Gefahr, dass der Fahrzeugführer das Kfz nicht mehr sicher beherrschen kann und Fahrfehler macht. Schlimmstenfalls kommt es so zu schweren Verkehrsunfällen. Circa jeder vierte Unfall wurde durch Medikamenteneinnahme verursacht. Bevor sie Arzneimittel kaufen, sollten sich Betroffene zum einen bei ihrem Arzt oder einem Apotheker über eine eventuelle Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit informieren. Zum anderen sollten sie den Beipackzettel genau lesen.

Die folgende Auflistung gibt eine knappe Übersicht über eine mögliche Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit:

  • Schlafmittel, Antidepressiva: mäßige bis deutliche Beeinträchtigung
  • Morphium wenige bis mäßige Beeinträchtigung
  • Ibuprofen, Aspirin, Cortison, Antiallergika: schwache bis wenige Beeinträchtigung

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