Kopfhörer im Straßenverkehr

Musik ist für die meisten Menschen unerlässlich, ganz gleich in welcher Alltagssituation. Denn schließlich geht mit Musik ja alles leichter und sie macht glücklich. Entsprechend läuft die Musik rauf und runter… in den eigenen vier Wänden, im Büro oder unterwegs im Auto, mit Kopfhörern oder ohne. Doch so glücklich Musik viele Menschen macht, so kann sie auch zu gefährlichen Situationen führen, etwa im Straßenverkehr. Aber dürfen Auto- oder Radfahrer während der Fahrt überhaupt Kopfhörer nutzen? Oder ist es im Sinne der Verkehrssicherheit verboten? Wer trägt die Haftung bei einem Verkehrsunfall infolge des Musikhörens über Kopfhörer?

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Kopfhörer im Straßenverkehr – die Unfallgefahr steigt

Bild von Kopfhörern

Die Benutzung von Kopfhörern im Straßenverkehr ist strengstens verboten, da es eine erhöhte Gefahr darstellt.

Musik wird liebend gerne in voller Lautstärke gehört, ganz gleich ob es das Lieblingslied ist oder ein anderer Song. Doch im Straßenverkehr birgt dies große Gefahren. Denn durch zu laute Musik ist nicht mehr gewährleistet, dass der Verkehrsteilnehmer das Verkehrsgeschehen akustisch wahrnimmt. Dazu zählen sowohl Warnsignale wie das Hupen oder das Martinshorn als auch die Fahrradklingel oder Fahrgeräusche anderer Autos. Ist das nicht der Fall, macht sich der Fahrer einer Ordnungswidrigkeit schuldig.

Neben der Lautstärke der Musik kann auch die Ablenkung des Fahrers eine Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellen, wenn der Fahrzeugführer nicht erforderliche Aufmerksamkeit an den Tag legt. Dabei kann auch bei geringer Lautstärke das Risiko bestehen, dass der Fahrer abgelenkt ist, beispielsweise weil er einen anderen Song einstellt. Die Unfallgefahr steigt zwangsläufig an; es reicht eine Sekunde der Unaufmerksamkeit und eine Kollision ist passiert, etwa weil der Fahrzeugführer nicht bemerkt, dass der Vordermann auf die Bremse tritt.

Besonders Fußgänger sind häufig mit Kopfhörern im Straßenverkehr unterwegs. Dabei wird meist nicht nur Musik gehört, sondern auch WhatsApp Nachrichten geschrieben und gelesen oder im Internet gesurft. Entsprechend groß sind die Ablenkung und damit das Sicherheitsrisiko. Gerade das Überqueren von Schienen stellt eine Gefahr dar und kann schwere Unfälle mit Straßenbahnen zur Folge haben. Schienenfahrzeuge sind aufgrund ihres leisen Motors nämlich kaum zu hören sind; das Tragen von Kopfhörern erhöht die Unfallgefahr unweigerlich.

Kopfhörer im Straßenverkehr –  wer haftet bei einem Unfall?

Dem schönen Glücksgefühl beim Musikhören kann jäh ein Ende gesetzt werden, wenn es „knallt“ und zu einem Verkehrsunfall kommt. Hat der Fahrer Kopfhörer benutzt, wird ihm für gewöhnlich eine Mitschuld zugesprochen, da anzunehmen ist, dass er seine Sorgfaltsplicht (§ 1 StVO) verletzt hat. War die Musik so laut aufgedreht, dass der Fahrzeugführer akustische Warnsignale nicht wahrgenommen hat, also dass das Gehör beeinträchtigt war, liegt überdies ein Verstoß gegen § 23 StVO vor.

Zudem hat eine Mitschuld an einem Unfall unter Umständen versicherungstechnische Folgen. Geht die Versicherung beim Tragen der Kopfhörer von einem grob fahrlässigen Verhalten aus, muss der Betroffene eventuell mit einer Leistungskürzung der Haftpflicht- oder Unfallversicherung rechnen. Auch mögliche Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche können gegebenenfalls nicht gelten gemacht werden.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Sind Kopfhörer im Straßenverkehr verboten oder erlaubt?

Die Benutzung von Kopfhörern, um beim Autofahren oder Fahrradfahren Musik zu hören, ist nicht ausdrücklich verboten. Fahrzeugführer müssen gemäß § 23 StVO allerdings darauf achten, dass ihr Gehör nicht beeinträchtigt wird.

(1) Wer ein Fahrzeug führt, ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. […] (§ 23 Abs. 1 StVO)

Fahrer dürfen also grundsätzlich während der Fahrt mit Kopfhörern Musik hören. Dennoch bestehen gewisse Risiken, die den Straßenverkehr potenziell gefährden. Eine wesentliche Rolle spielt dabei zum einen wie laut die Musik aufgedreht ist; zum anderen wie groß die Ablenkung des Fahrers vom Verkehrsgeschehen ist.

Zudem gilt grundsätzlich § 1 StVO, wonach eine Sorgfaltspflicht für alle Verkehrsteilnehmer besteht. Kfz-Fahrer, Radfahrer und Fußgänger müssen im Straßenverkehr stets Vorsicht und Rücksicht walten lassen.

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

(§ 1 StVO)

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.