Kindersitzpflicht

Denkt man als Autofahrer daran zurück, wie man als Kind im Auto der Eltern mitgefahren ist, kommen einem unterschiedliche Erinnerungen in den Sinn… Fahrten in den Urlaub beispielsweise – stundenlanges Fahren und im Stau stehen… Strapazen, die vergessen sind, sobald man das Meer oder die schneebedeckten Berge erblickt. Manch Autofahrer erinnert sich auch an das, was irgendwann wohl jedes Kind herbeisehnt: endlich ohne Kindersitz fahren und wie die Erwachsenen auf der Rückbank oder – noch besser – auf dem Beifahrersitz Platz nehmen.

Auch wenn vielen Sprösslingen der Kindersitz irgendwann “lästig” ist, führt kein Weg an diesem vorbei. Denn die Nutzung eines Kindersitzes ist gesetzlich vorgeschrieben; es gilt die sogenannte Kindersitzpflicht bis zu einem Alter von 12 Jahren bzw. bis zu einer Größe von 150 cm. Der Kindersitz dient dabei, genau wie der Sicherheitsgurt oder der Airbag, zum Schutz vor Verletzungen bei Unfällen oder in anderen gefährlichen Verkehrssituationen.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Ein Kind ohne Kindersitz im Auto mitgenommen

30€

-

-

Mehrere Kinder ohne Kindersitz im Auto mitgenommen

35€

-

-

Ohne jegliche Sicherung ein Kind im Auto mitgenommen (Missachtung der Kindersitz- und Anschnallpflicht)

60€

1

-

Ohne jegliche Sicherung mehrere Kinder im Auto mitgenommen (Missachtung der Kindersitz- und Anschnallpflicht)

70€

1

-

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Verstoß gegen Kindersitzpflicht: Sanktionen gemäß Bußgeldkatalog

Autofahrer haben gegenüber Kindern eine Vorbildfunktion und eine besondere Verantwortung. Kommen sie dieser nicht nach, etwa weil sie die Kindersitzpflicht missachten und Kinder entgegen der Vorschriften ohne Kindersitz mitfahren, müssen sie mit einem Bußgeld und gegebenenfalls einem Punkt in Flensburg rechnen.

Das Bußgeld beträgt – abhängig von der Anzahl an Kindern – zwischen 30 und 35 Euro. Wird neben der Kindersitzpflicht auch die Anschnallpflicht missachtet und der Sicherheitsgurt nicht angelegt, steigt das Bußgeld auf 60 Euro (ein Kind) bzw. 70 Euro (mehrere Kinder) an. Zusätzlich gibt es jeweils einen Punkt in Flensburg. Der Bußgeldkatalog sieht darüber hinaus ein Verwarngeld von 25 Euro vor, wenn der Airbag des Beifahrersitzes nicht deaktiviert ist, obwohl ein Baby in einer Babyschale auf dem Sitz liegt.

Kindersitzpflicht: welche Regelungen schreibt der Gesetzgeber vor?

21 Abs. 1a StVO regelt die Kindersitzpflicht und bestimmt, wie lange Kinder beim Autofahren den Kindersitz nutzen müssen bzw. unter welchen Voraussetzungen Kinder überhaupt im Auto mitfahren dürfen. Demnach gilt die Kindersitzpflicht für Kinder “bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind”. Die Kindersitze müssen dabei das ECE-Richtzeichen aufweisen und die Vorschriften der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UN/ECE) erfüllen, um für den Straßenverkehr zulässig zu sein. Abhängig von Körpergröße und Körpergewicht gibt es verschiedene Kategorien bzw. Arten von Kindersitzen.

Bei einer Missachtung der Kindersitzpflicht drohen sowohl ein Bußgeld als auch ein Eintrag in die Verkehrssünderkartei.

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Wie wird der Kindersitz im Auto richtig eingebaut?

Der Kauf eines Kindersitzes und der anschließende Einbau im Auto stellt viele Eltern vor eine Menge Fragen: welcher Kindersitz ist dem Gewicht und der Größe des Kindes entsprechend geeignet? Welcher Platz im Auto ist der optimale bzw. sicherste Platz für den Kindersitz? In welche Richtung muss der Kindersitz ausgerichtet werden? Beim Einbau eines Kindersitzes im Auto muss also auf einige Dinge geachtet werden.

  • Art und Größe des Kindersitzes: der Kindersitz muss zum einem dem Körpergewicht und der Körpergröße des Kindes entsprechen; zum anderen muss die Größe des Kindersitzes auf den verfügbaren Platz im Auto perfekt abgestimmt sein. Der Sicherheitsgurt muss zur Sicherung des Sitzes ausreichend lang sein.
  • Ausrichtung des Kindersitzes: entscheidend für die Ausrichtung des Kindersitzes ist das ECE-Prüfzeichen; bei einem Alter des Kindes bis zu neun Monaten und einem Körpergewicht unter 13 kg (Klasse 0+) ist eine Ausrichtung entgegen der Fahrtrichtung aufgrund der Verletzungsgefahr von Wirbelsäule und Kopf vorgeschrieben; bei einem Alter bis vier Jahren und einem Gewicht bis 18 kg (Klasse I) wird eine Ausrichtung entgegen der Fahrtrichtung lediglich empfohlen.
  • Platz des Kindersitzes im Auto: der optimalste bzw. sicherste Platz im Auto für einen Kindersitz ist hinter dem Beifahrersitz oder mittig auf der Rückbank; eine sichere und feste Anbringung des Kindersitzes in der Mitte der Rückbank ist jedoch – im Gegensatz zum Platz hinter dem Beifahrersitz – oft nicht möglich.

Viele Eltern montieren den Kindersitz oder die Babyschale auf dem Beifahrersitz, wenn ein Elternteil alleine mit dem Baby bzw. dem Kleinkind im Auto fährt. Der Platz auf dem Beifahrersitz ist allerdings der unsicherste, da die Verletzungsgefahr bei einem Aufprall infolge eines Unfalls hier am höchsten ist. Ist der Kindersitz bzw. die Babyschale auf dem Beifahrersitz angebracht, muss der Airbag des Sitzes deaktiviert werden. Das Auslösen des Airbags kann nämlich zu schweren oder sogar tödlichen Verletzungen führen.

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Gilt eine Kindersitzpflicht auch auf dem Fahrrad?

Auf dem Fahrrad ist ebenfalls eine Kindersitzpflicht vorgeschrieben. Hier gelten allerdings Besonderheiten. So müssen Radfahrer mindestens 16 Jahre alt sein, um Kinder in einem Kindersitz auf dem Fahrrad mitnehmen zu dürfen. Kinder wiederum dürfen nicht älter als sechs Jahre sein. Ab sieben Jahren sind Kinder dazu verpflichtet, selber mit dem Fahrrad zu fahren. Eine Ausnahme gilt allerdings, wenn das Kind eine Behinderung hat.

Befindet sich in ein Kind im Kindersitz auf dem Fahrrad, muss der Radfahrer darauf achten, dass die Füße des Kindes nicht in den Speichen hängen bleiben; andernfalls besteht die Gefahr eines Sturzes und sowohl Radfahrer als auch Kind können sich verletzen.

Kindersitzpflicht – Regelungen im Ausland

Sind Eltern mit ihren Kindern im Ausland unterwegs, etwa auf einer Urlaubsreise, müssen sie auch dort die Kindersitzpflicht beachten. Allerdings gelten keine einheitlichen Regelungen, sodass die Vorschriften von Land zu Land unterschiedlich sind. Was gilt beispielsweise in Österreich, Frankreich und Belgien?

  • Österreich: ein Kindersitz ist für Kinder bis 14 Jahre und einer Größe von 150 cm verpflichtend
  • Frankreich: die Kindersitzpflicht gilt für Kinder bis 10 Jahre; Kinder müssen darüber hinaus immer auf der Rückbank sitzen; bei einem Verstoß droht ein Bußgeld von mindestens 90 Euro
  • Belgien: Kinder müssen bis zu einer Größe von 135 cm einen Kindersitz im Auto nutzen; Kinder, die jünger als drei Jahre sind, müssen zudem eine dem Alter angemessene Rückhalteeinrichtung nutzen

Um unliebsame Überraschungen und Bußgelder zu vermeiden, sollten sich Betroffene daher im Vorfeld informieren, inwiefern Kinder im jeweiligen Land nur mit einem Kindersitz im Auto mitfahren dürfen.

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