Geisterfahrer

Die Ferien bzw. der Urlaub haben begonnen, das Auto ist fertig beladen, die Fahrt kann losgehen und die Vorfreude ist groß – doch dann ertönt auf der Autobahn im Verkehrsfunk die Warnung vor einem entgegenkommenden Fahrzeug, einem sogenannten Geisterfahrer, der auf der Fahrbahn in die falsche Richtung fährt. Mit einem derartigen Horrorszenario, das jeglicher Vorfreude auf den Urlaub erst einmal einen Dämpfer versetzt, werden glücklicherweise nur die wenigsten Autofahrer konfrontiert. Denn die Gefahr eines Falschfahrers auf der eigenen Fahrbahn ist äußerst gering. Allerdings kann eine Geisterfahrt insbesondere auf der Autobahn zu schweren Unfällen oder gar einer Massenkarambolage führen, bei denen Beteiligte häufig tödlich verunglücken.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Welche Strafen haben Geisterfahrer zu erwarten?

Das Fahren in die falsche Richtung, also entgegen der Fahrtrichtung, stellt grundsätzlich eine Gefährdung des Straßenverkehrs dar. Hierbei handelt es sich um eine Straftat nach dem Strafgesetzbuch (StGB). Der Geisterfahrer bzw. der Täter muss mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.

Wer im Straßenverkehr […] grob verkehrswidrig und rücksichtslos […] auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen wendet, rückwärts oder entgegen der Fahrtrichtung fährt oder dies versucht und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (§ 315c StGB)

Das genaue Strafmaß ist vom jeweiligen Einzelfall abhängig. Eine unbeabsichtigte Geisterfahrt wird in der Regel mit einer Geldstrafe geahndet. Selbst wenn der Betroffene nicht mit Vorsatz gehandelt hat und nur versehentlich zum Geisterfahrer geworden ist, nehmen Gerichte meistens eine grobe Fahrlässigkeit an. Denn Autobahnauffahrten beispielsweise sind zum einen ausgeschildert und zum anderen fast immer gleich gebaut, sodass bei einer Auffahrt in die falsche Richtung von unzureichender Aufmerksamkeit im Straßenverkehr auszugehen ist. Deswegen muss der Geisterfahrer in jedem Fall mit einer Strafe rechnen.

Eine vorsätzliche Geisterfahrt, etwa wegen Suizidabsicht, zieht für gewöhnlich eine Freiheitsstrafe nach sich. Kommen bei der Geisterfahrt Personen zu Schaden, erhöht sich die Strafe. Darüber hinaus drohen dem Geisterfahrer weitere Sanktionen: Bußgeld, Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot oder und ein Entzug der Fahrerlaubnis.

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Geisterfahrt – wie verhalte ich mich richtig?

Das Fahren entgegen der Fahrtrichtung lässt einem für gewöhnlich im ersten Moment einen Schrecken durch die Glieder fahren – sowohl als Kfz-Fahrer, der eine entsprechende Warnmeldung hört als auch als Geisterfahrer, wenn man versehentlich in die falsche Richtung unterwegs ist. Aufgrund der äußerst gefährlichen Situation liegt es nahe, in Panik zu verfallen. Doch alle Verkehrsteilnehmer sollten in jedem Fall besonnen reagieren. Aber wie verhält man sich im Falle einer Geisterfahrt richtig?

Als Geisterfahrer:

  • sowohl das Wenden als auch das Rückwärtsfahren sind in jedem Fall zu unterlassen, da andernfalls die Unfallgefahr erheblich steigt
  • zur Warnung anderer Verkehrsteilnehmer die Warnblinkanlage und das Abblendlicht anschalten
  • das Kfz so schnell wie möglich am nächsten Fahrbahnrand an der Leitplanke abstellen (rechter Fahrbahnrand oder Mittelleitplanke)
  • die Warnweste anziehen, das Kfz verlassen und das Warndreieck in angemessenem Abstand aufstellen
  • zum Eigenschutz und zur Verkehrssicherheit hinter die Leitplanke steigen
  • die Polizei rufen und über den Vorfall in Kenntnis setzen

Nach der Warnmeldung eines Geisterfahrers:

  • die Geschwindigkeit reduzieren und nur auf der rechten Spur weiter fahren, es besteht ein Überholverbot
  • die Warnblinkanlage einschalten
  • einen angemessenen Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Kfz einhalten 
  • den Standstreifen als Ausweichmöglichkeit im Blick haben
  • falls die Möglichkeit besteht, den nächsten Parkplatz oder Rasthof anfahren und warten bis die Gefahrensituation vorbei ist

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Geisterfahrt: mögliche Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für eine Geisterfahrt. Ausgangspunkt ist in den meisten Fällen die falsche Auffahrt auf einer Autobahn an einer Anschlussstelle. Die meisten Falschfahrten passieren versehentlich, etwa durch schlechte Wetterverhältnisse, die die Sicht erheblich behindern, oder durch einen verworrenen Schilderwald, wenn die Anschlussstelle der Autobahn unübersichtlich ausgeschildert ist.

Fahrzeugführer können unter Umständen leicht die Orientierung verlieren und fahren in die falsche Richtung auf die Autobahn auf, wodurch sie unbeabsichtigt zum Geisterfahrer werden. Allerdings können auch Unaufmerksamkeit und Ablenkung, etwa durch ein Gespräch mit dem Beifahrer, oder Alkoholkonsum dazu führen, dass der Fahrer die Autobahnauffahrt in die  falsche Richtung benutzt und dies in dem Moment nicht bemerkt.

Geisterfahrten können jedoch auch mit Vorsatz erfolgen, etwa weil der Fahrer Suizidabsichten hat und sich mit einem extra herbeigeführten Unfall durch das Fahren in die falsche Richtung das Leben nehmen möchte. Derartige Geisterfahrten sind allerdings extrem selten.

Maßnahmen gegen Geisterfahrer

Verschiedene Maßnahmen können ergriffen werden, um Geisterfahrten möglichst zu verhindern. Dazu gehört zum Beispiel eine übersichtliche und eindeutige Beschilderung von Autobahnauffahrten, damit der sich Fahrzeugführer bestmöglichst orientieren kann und nicht zum Geisterfahrer wird. Eine Garantie, dass unbeabsichtigte Geisterfahrten trotz entsprechender Maßnahmen wirklich unterbunden werden, gibt es jedoch nicht. Vorsätzliche Geisterfahrten können in keinem Fall verhindert werden.

Warnmeldungen des Verkehrsfunk im Radio vor einem Geisterfahrer dienen ebenfalls der Verkehrssicherheit. Geisterfahrten werden so zwar nicht direkt verhindert. Allerdings können  Warnmeldungen Unfällen vorbeugen, da Autofahrer auf der entsprechenden Strecke sich auf die Situation einstellen und rechtzeitig reagieren können.

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