Gaffer

Unfälle im Straßenverkehr machen seit jeher Schlagzeilen, beispielsweise weil die Polizei nach Zeugen des Unfallgeschehens sucht und in der Öffentlichkeit einen entsprechenden Aufruf startet. Doch mittlerweile rückt die eigentliche Unfallmeldung immer mehr in den Hintergrund. Stattdessen erregen sogenannte Gaffer Aufsehen, die sensationsgierig das Unfallgeschehen verfolgen und dieses im Extremfall durch Fotos oder gar Videoaufnahmen dokumentieren. Dabei behindern Gaffer häufig die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit, was insbesondere bei einem Unfall mit verletzten Personen schwerwiegende Konsequenzen haben kann.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Welche Sanktionen drohen Gaffern?

Für das Strafmaß des Gaffens sind mehrere Tatbestände relevant. Das Gaffen an sich ahndet der Gesetzgeber als Ordnungswidrigkeit. Das Bußgeld kann mitunter empfindlich hoch ausfallen und weit im vierstelligen Bereich liegen.

Das Aufnehmen von Fotos oder Videos der Unfallstelle und den Unfallbeteiligten stellt hingegen eine Straftat nach dem Strafgesetzbuch (StGB) dar. Dem Täter droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren. Hierbei ist es nicht von Bedeutung, inwiefern der Täter die Aufnahmen verbreitet bzw. veröffentlicht. Entscheidend ist die Tätigung der Aufzeichnungen, die gemäß § 201a StGB verboten ist.

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer […]

2. eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt […]

(§ 201a StGB)

Mit dem Gaffen geht häufig eine unterlassene Hilfeleistung einher, da Gaffer lieber schauen anstatt verletzten Personen erste Hilfe zu leisten. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Straftat gemäß StGB. Der Gesetzgeber sieht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor. (§ 323c StGB)

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Weitere Strafen

Gaffen als Ordnungswidrigkeit 

20-1000€

-

-

Rettungskräfte durch Befahren des Seitenstreifens auf der Autobahn behindert

20€

-

-

Rettungskräfte durch Parken auf dem Seitenstreifen der Autobahn behindert

25€

-

-

Unterlassene Hilfeleistung

Variabel

-

Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe

Fotos oder Videos von einem Unfall gemacht

Variabel

-

Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe 

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Beeinträchtigung der Einsatzkräfte durch Gaffer

Ein Verkehrsunfall ist grundsätzlich immer eine Gefährdung. Zum einen der Unfallbeteiligten, wenn sie sich verletzt haben. Zum anderen des Straßenverkehrs, zumindest solange bis die Unfallstelle abgesichert ist. Entsprechend müssen die Einsatzkräfte so schnell wie möglich zum Unfallort gelangen. Häufig sind sie dazu aber nicht in der Lage, denn Gaffer behindern  ihre Arbeit, indem diese die Anfahrtswege über eine Rettungsgasse oder den Seitenstreifen blockieren.

Immer wieder sind Einsatzkräfte sogar dazu gezwungen, zum Einsatzort zu laufen, da mit dem Fahrzeug kein Durchkommen ist. Gaffer stellen so eine zusätzliche Gefährdung dar. Sie riskieren nicht zuletzt einen Auffahrunfall, beispielsweise durch das unerwartete Bremsen am Unfallort.

Unabhängig davon, dass das Fotografieren oder Filmen des Unfallgeschehens verboten ist, auch dies kann eine Behinderung der Arbeit der Einsatzkräfte sein, etwa weil Gaffer nicht genügend Abstand halten.

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Wie verhalte ich mich als Zeuge eines Unfalls?

Als Unfallzeuge gibt es verschiedene Maßnahmen zu ergreifen. In jedem Fall besteht die Pflicht, verletzten Personen zu helfen. Andernfalls macht man sich unter Umständen der unterlassenen Hilfeleistung strafbar. Hierbei ist jedoch auf den Eigenschutz zu achten und zunächst die Unfallstelle abzusichern, damit der Straßenverkehr nicht zusätzlich gefährdet wird.

Maßnahmen als Unfallzeuge:

  • Unfallstelle absichern (Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen)
  • Polizei und – bei verletzten Personen – Rettungsdienst informieren
  • erste Hilfe leisten

Ist ein Ersthelfer bereits vor Ort, der die erforderlichen Maßnahmen ergriffen hat und keine zusätzliche Hilfe benötigt, sollten Verkehrsteilnehmer umgehend weiterfahren bzw. weitergehen.

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