Fahrerflucht

Jeden Tag passieren aus den unterschiedlichsten gründen Unfälle im Straßenverkehr. Eine Kollision ist dabei schnell verursacht, genügt doch eine Sekunde der Unaufmerksamkeit, um beispielsweise einen Auffahrunfall herbeizuführen. Die Erstmaßnahmen nach einem Unfall umfassen unter anderem die Absicherung der Unfallstelle, das Informieren der Einsatzkräfte sowie das Leisten von Erster Hilfe und sind in § 34 der Straßenverkehrsordnung (StVO) definiert. Doch immer wieder ignorieren beteiligte Fahrer bzw. Unfallverursacher die gesetzlichen Vorschriften und fahren weiter, als wäre nichts passiert. Damit entfernen sie sich jedoch unerlaubt vom Unfallort und machen sich strafbar. Denn Fahrerflucht, auch als Unfallflucht bezeichnet, erfüllt laut Strafgesetzbuch (StGB) einen Straftatbestand.

Gegebenenfalls macht sich der Unfallverursacher zudem einer unterlassenen Hilfeleistung schuldig, wenn er sich nach einem Unfall nicht um verletzte Personen kümmert.

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Strafen und Verjährung für Fahrerflucht

Da es sich bei Fahrerflucht um eine Straftat handelt, findet hauptsächlich das Strafgesetzbuch (StGB) Anwendung. Dem Täter drohen gemäß § 142 Abs. 1 StGB eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Weitere Sanktionen sind Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot oder ein Fahrerlaubnisentzug.

Das genaue Strafmaß ist von der Schwere des Unfallschadens abhängig und von Einzelfall zu Einzelfall unterschiedlich:

  • bis 600 Euro Schaden: Einstellung des Strafverfahrens gegen eine Geldauflage
  • zwischen 600 und 1.300 Euro Schaden: Geldstrafe, zwei Punkte in Flensburg, Fahrverbot bis zu drei Monaten
  • ab 1.300 Euro Schaden: Geldstrafe, drei Punkte in Flensburg, Fahrerlaubnisentzug

Geht mit der Fahrerflucht eine fahrlässige Tötung einher, erhöht sich die Strafe.

Die Verjährungsfrist bei Fahrerflucht liegt bei fünf Jahren. Der Unfallverursacher kann dann nicht mehr dafür bestraft werden.

Eine besondere Regelung gilt für Fahranfänger. Da es sich bei Fahrerflucht um einen sogenannten A-Verstoß (ein schwerwiegendes Vergehen) handelt, verlängert sich die Probezeit um zwei Jahre. Zusätzlich müssen Fahranfänger ein Aufbauseminar absolvieren.

Selbstanzeige bei Fahrerflucht

Im Falle einer Selbstanzeige des Unfallverursachers nach einer Fahrerflucht, ist es möglich, dass die Strafe reduziert wird oder sogar ganz wegfällt. Dazu müssen allerdings gemäß § 142 Abs. 4 StGB gewisse Voraussetzungen vorliegen:

  • der Unfallverursacher muss sich innerhalb von 24 Stunden nach dem Unfallgeschehen selbst anzeigen
  • der Unfall darf nicht im fließenden Verkehr geschehen sein
  • es muss sich bei dem entstandenen Sachschaden um einen vergleichsweise geringfügigen Schaden handeln (Reparaturkosten bis 1.300 Euro)
  • die Feststellungspflicht des Unfallbeteiligten muss gewährleistet sein, das bedeutet, der Unfallverursacher muss entweder dem Unfallopfer oder der Polizei sowohl seine Personalien als auch sein Kfz-Kennzeichen und den Standort des Autos mitteilen

Die Entscheidung, ob eine Strafe für Fahrerflucht nach einer Selbstanzeige tatsächlich reduziert wird, liegt schlussendlich stets beim Gericht und kommt auf den Einzelfall an.

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Fahrerflucht: was tun bei Parkschaden?

Manch Autofahrer erlebte schon einmal die Situation, dass er zu seinem geparkten Auto zurückkehrte und das Kfz beschädigt war. Besonders ärgerlich ist es, wenn sich der Unfallverursacher einfach aus dem Staub macht. Dabei ist man als Unfallverursacher eines Parkschadens dazu verpflichtet, auf den Fahrer des beschädigten Kfz eine Zeit lang zu warten. Als Wartezeit sind 20 bis 60 Minuten angemessen. Die genaue Dauer richtet sich danach

  • wie schwerwiegend der entstandene Parkschaden ist
  • wann der Unfall passiert ist
  • wie viel Verkehr auf den Straßen herrscht
  • wie die Wetterverhältnisse sind

Ist das Verkehrsaufkommen beispielsweise hoch, weil Berufsverkehr herrscht, muss der Unfallverursacher länger warten, um dem Geschädigten genügend Zeit zu geben, zu seinem Fahrzeug zurückzukehren.

Eine Besonderheit gilt, wenn ein Parkschein im demolierten Fahrzeug liegt. In diesem Fall besteht die Pflicht, mindestens bis zur auf dem Parkschein angegebenen Uhrzeit zu warten.

Ist der Geschädigte nach der Wartezeit nicht aufgetaucht, muss die Polizei gerufen werden. Andernfalls macht sich der Unfallverursacher der Fahrerflucht schuldig.

Nicht selten klemmen Kfz-Fahrer, die einen Parkschaden verursachen, einen Zettel an den Scheibenwischer des beschädigten Fahrzeuges. Dies ist aber in keinem Fall ausreichend, da der Zettel beispielsweise vom Winde verweht oder vom Regen durchweicht werden kann.

Opfer von Fahrerflucht – was tun?

Geschädigten einer Fahrerflucht stehen zur Ahndung der Tat und zur Schadensregulierung unterschiedliche Wege offen. Zum einen sollte der Betroffene unbedingt die Polizei über den Vorfall in Kenntnis setzen. Möglicherweise ist man selber oder ein anderer Verkehrsteilnehmer Zeuge des Geschehens geworden und hat im Idealfall das Kfz-Kennzeichen des Unfallfahrers notiert. In diesem Fall kann die Polizei den Täter schnell ausfindig machen.

Zum anderen sollte das Opfer der Fahrerflucht seine Versicherung informieren. Wird der Unfallverursacher ermittelt, reguliert dessen Haftpflichtversicherung den Schaden. Bleibt der Unfallfahrer unauffindbar, tritt die Vollkaskoversicherung für den entstandenen Schaden ein. Im schlimmsten Fall droht der Geschädigte auf dem Schaden sitzen zu bleiben, etwa weil er keine Vollkasko hat und die Polizei den flüchtigen Unfallverursacher nicht ermitteln kann. Hier bietet die Verkehrsopferhilfe e.V. (VOH) ihre Unterstützung an.

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Schadensregulierung bei Fahrerflucht

Bei einem Unfall kommt prinzipiell die Haftpflichtversicherung des Unfallfahrers für Fremdschäden, also die entstandenen Schäden an anderen Kfz, auf. Schäden am eigenen Fahrzeug werden nur durch eine Vollkaskoversicherung reguliert, wenn der Fahrer diese entsprechend abgeschlossen hat. Hierbei gelten jedoch bestimmte Bedingungen und Regelungen. So kann sich das Versicherungsunternehmen bei Fahrerflucht des Versicherten weigern, für den Schaden einzutreten.

Bei einer Haftpflichtversicherung ist das Unternehmen dazu berechtigt, den Unfallfahrer in Regress zu nehmen. Das bedeutet, die Versicherung kann die Schadenskosten vom Unfallfahrer zurückverlangen. Allerdings ist es möglich, dass die Versicherung die Regressforderungen reduziert, wenn sich der Unfallverursacher nach der Fahrerflucht bei der Polizei selbst anzeigt.

Darüber hinaus ist grundsätzlich zu beachten, dass bei Fahrerflucht die Versicherungen ihre Leistungen komplett einstellen können und so der Versicherungsschutz erlischt.

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Ausnahmen von Fahrerflucht

In bestimmten Situationen liegt bei Verlassen des Unfallortes einer beteiligten Person keine Fahrerflucht vor. Beispielsweise, wenn der Betroffene selbst verletzt ist und deswegen erste Hilfe sucht oder wenn er einen verletzten Unfallbeteiligten ins Krankenhaus bringt. Fahrerflucht liegt darüber hinaus auch nicht vor, wenn nur Schaden am eigenen Kfz entstanden ist oder man die Kollision nicht bemerkt, etwa bei einem Parkrempler. In diesem Fall stellt das Wegfahren nämlich keine vorsätzliche Handlung dar.

Unfälle mit Tieren – handelt es sich um Fahrerflucht?

Ein Zusammenstoß mit Tieren – etwa mit Wildschweinen oder Rehen, aber auch mit Katzen oder Hunden – ist im Straßenverkehr keine Seltenheit. Doch handelt es sich dabei um Fahrerflucht, wenn man den Unfallort einfach verlässt? Hier gibt es gesonderte Regelungen, denn in diesen Fällen macht sich der Fahrer nicht der Fahrerflucht schuldig. Entscheidend sind die Besitzverhältnisse der Tiere.

Bei Haustieren, wie Katzen oder Hunden, ist der Tierhalter in der Verantwortung. Dieser muss sichergehen, dass sein Tier keine Gefährdung für andere darstellt, indem es beispielsweise auf die Fahrbahn läuft. Eine Fahrerflucht liegt zwar nicht vor, wenn der Kfz-Fahrer nach einem Zusammenstoß mit einem Haustier weiterfährt, dennoch muss er gegebenenfalls die Polizei informieren, sofern das überfahrene Tier den Straßenverkehr gefährdet.

Wildtiere, wie Wildschweine, Rehe oder Hirsche, dagegen haben keinen Besitzer. Aus diesem Grund hat stellt ein verletztes Wildtier nach einem Zusammenstoß weder Personenschaden noch Sachschaden dar. Entsprechend ist der Straftatbestand der Fahrerflucht auch nicht erfüllt. Es ist jedoch das Tierschutzgesetz zu beachten: demnach wird das Zurücklassen eines verletzten Tieres mit einer mitunter empfindlichen Geldstrafe geahndet. Diese kann bis 50.000 Euro betragen. Nach einem Unfall mit einem Wildtier ist der Fahrer dazu verpflichtet, Polizei und Förster darüber in Kenntnis zu setzen.

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