Erste Hilfe im Straßenverkehr

Rücksichtsvoller und umsichtiger Fahrstil, umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen, jede Menge Sicherheitsvorschriften und immer strengere Verkehrsregeln: so lassen sich Unfälle im Straßenverkehr zwar bis zu einem gewissen Grad reduzieren, aber nie ganz verhindern. Im Gegenteil: jeden Tag kommt es auf den Straßen zu Unfällen. Während viele Kollisionen keine schwerwiegenden Folgen haben und dabei lediglich geringfügige Schäden entstehen, haben schwere Unfälle häufig Personenschäden zur Folge. Wurden in den Unfall verwickelte Verkehrsteilnehmer verletzt, ist umgehende Hilfe erforderlich.

In gewissen Situationen können durch Sofortmaßnahmen ernstere Gesundheitsschäden verhindert und sogar Leben gerettet werden. Deswegen ist jeder Verkehrsteilnehmer dazu verpflichtet, wenn möglich, noch vor Eintreffen der Einsatzkräfte Erste Hilfe zu leisten. Andernfalls ist unter Umständen der Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung gemäß § 323 c StGB erfüllt.

Doch was heißt Hilfeleistung im Rahmen der Ersten Hilfe? Wie muss man als Ersthelfer vorgehen, was beachten? Der gute Wille allein ist zwar lobenswert, aber nicht ausreichend: über ein paar theoretische Kenntnisse und praktische Fertigkeiten muss auch der medizinische Laie verfügen, wenn er aktiv am Straßenverkehr teilnimmt. Deswegen ist ein Lehrgang in Erster Hilfe unbedingt erforderlich.

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Lerninhalte eines Erste-Hilfe-Kurses

Teilnehmer eines Erste-Hilfe-Kurses sollen sowohl theoretische Grundlagen als auch praktische Fertigkeiten bezüglich der richtigen Vorgehensweise nach einem Unfall mit verletzten Personen erlernen. Dies schließt Übungen mit ein, in denen das theoretisch erworbene Wissen praktisch angewandt wird.

Es gibt unterschiedliche Arten von Erste-Hilfe-Kursen. Relevant sind zum einen mögliche Vorkenntnisse der Kursteilnehmer. Zum anderen spielen die äußeren Umstände, der Erste-Hilfe-Leistung (zum Beispiel nach einem Verkehrsunfall) eine wichtige Rolle.

Zu den grundlegenden Lerninhalten eines Erste-Hilfe-Kurses zählen unter anderem:

  • Sofortmaßnahmen wie beispielsweise Herstellung einer stabilen Seitenlage und Wiederbelebung im Falle eines Kreislauf- und Atemstillstandes
  • Wundversorgung
  • Feststellung von Bewusstseinsstörungen
  • Maßnahmen bei Knochenbrüchen

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Wie sieht erste Hilfe nach einem Verkehrsunfall aus?

Ist es zu einem Verkehrsunfall mit Personenschaden gekommen, sind unterschiedliche Sofortmaßnahmen zu ergreifen. Bevor Ersthelfer Hilfe bei verletzten Personen leisten, müssen sie zunächst Vorkehrungen zur Verhinderung weiterer Unfälle bzw. Verletzungen/Körperschäden treffen.

Eigenschutz und Absicherung der Unfallstelle

An oberster Stelle steht der Eigenschutz, damit man als Ersthelfer nicht auch selbst verletzt wird und dadurch die Verkehrssicherheit unter Umständen zusätzlich gefährdet. Vor der Erstversorgung verletzter Personen muss die Absicherung der Unfallstelle erfolgen:

  • Einschalten der Warnblinkanlage
  • Aufstellen des Warndreiecks
  • Anlegen der Warnweste

Herbeirufen des Rettungsdienstes

Die Rettungskräfte sind umgehend zu informieren (bundesweite Notrufnummer 112). Dabei muss der Anrufer den Rettungsdienst kurz, aber auch ausreichend über Unfall und verletzte Personen informieren. Der Anrufer kann sich hierbei an den sogenannten W-Fragen orientieren:

  • Wo ist die Unfallstelle?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Personen haben sich verletzt?
  • Um welche Verletzungen handelt es sich?

Bergung der Unfallopfer

Wenn möglich sollten Ersthelfer verletzte Personen aus dem Unfallfahrzeug bergen. Zunächst muss der Sicherheitsgurt gelöst werden, ehe das Unfallopfer vorsichtig aus dem Kfz gezogen oder getragen wird. Ersthelfer müssen hierbei jedoch unbedingt darauf achten, dem Verletzen keine weiteren Schäden zuzufügen.

Überprüfung der Vitalfunktionen: Bewusstsein, Atmung und Kreislauf

Zunächst ist zu kontrollieren, ob die verletzte Person ansprechbar ist. Falls ja, kann sie über Atemnot, Schmerzen oder sonstige Beschwerden informieren. So können gezielt die richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen getroffen werden. Ist das Unfallopfer bewusstlos, so muss seine Atmung kontrolliert werden. Atmet die Person nicht mehr (Atemstillstand), muss unverzüglich eine Wiederbelebung durch Beatmung und – bei Herz-Kreislaufstillstand – Herzdruckmassage begonnen werden (Herz-Lungen-Wiederbelebung). Bei selbständiger Atmung der bewusstlosen Person, muss diese in die stabile Seitenlage gebracht werden, um ein Ersticken durch Zurückfallen der Zunge zu verhindern.

Wundversorgung mit einem Druckverband

Bei einem Verkehrsunfall erlittene äußere (Haut-)Verletzungen müssen mit Wundauflagen aus dem Erste-Hilfe-Kasten abgedeckt und mit einem Druckverband versorgt werden (das Mitführen eines Erste-Hilfe-Kastens bzw. Verbandkastens im Kfz ist verpflichtend vorgeschrieben – hierbei ist auf das Ablaufdatum des Verbandskastens bzw. der Verbandsmaterialien zu achten). Das Anlegen eines Druckverbandes dient zum einen dem Stillen von Blutungen. Zum anderen verhindert der Druckverband Infektionen der Wunde. Besteht der Verdacht eines Knochenbruches, ist die betroffene Gliedmaße ruhigzustellen.

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Erste-Hilfe-Kurs vor dem Führerschein

Für den Erwerb einer Fahrerlaubnis ist die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs für jeden Führerscheinbewerber verpflichtend. Der Kurs muss bereits vor dem Antrag auf Erteilung der Fahrerlaubnis bei der Fahrerlaubnisbehörde absolviert werden. Die gesetzliche Grundlage bildet hierbei die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV):

(1) Bewerber um eine Fahrerlaubnis müssen an einer Schulung in Erster Hilfe teilnehmen, die mindestens neun Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten umfasst. Die Schulung soll dem Antragsteller durch theoretischen Unterricht und durch praktische Übungen gründliches Wissen und praktisches Können in der Ersten Hilfe vermitteln. (§ 19 Abs. 1 FeV)

Allerdings sieht der Gesetzgeber auch eine Ausnahmeregelung vor: Führerscheinbewerber, mit einer abgeschlossenen medizinischen Ausbildung (beispielsweise Ärzte, Rettungssanitäter oder Pflegekräfte) müssen keinen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren.

Wo werden Erste-Hilfe-Kurse angeboten?

Erste-Hilfe-Kurse werden von verschiedenen Institutionen und Organisationen organisiert bzw. angeboten. Dazu gehören beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) oder der ADAC. Nach Absolvieren des Kurses wird eine Bescheinigung über die erfolgreiche Teilnahme ausgestellt. Die Kosten für einen Erste-Hilfe-Kurs belaufen sich auf etwa 15 bis 30 Euro.

Wie lange ist ein Erste-Hilfe-Kurs gültig?

Die Bescheinigung über die erfolgreiche Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs im Rahmen des Erwerbs der Fahrerlaubnis ist unbefristet gültig. Ein weiterer entsprechender Kurs, zum Beispiel um seine Kenntnisse aufzufrischen, ist daher nicht verpflichtend. Andererseits muss davon ausgegangen werden, dass theoretisches Wissen und praktische Fertigkeiten mit der Zeit in Vergessenheit geraten, da die allermeisten Verkehrsteilnehmer (zum Glück!) selten oder nie in die Situation kommen, das im Erste-Hilfe-Kurs Erlernte auch wirklich anwenden zu müssen. Deswegen ist – in gewissen Abständen – eine wiederholte Teilnahme an Erste-Hilfe-Kursen sinnvoll, um sein Wissen und Können aufzufrischen.

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