Elefantenrennen auf der Autobahn

Der Traum so manchen Autofahrers ist es, auf Autobahnen oder Schnellstraßen richtig Gas geben zu können, um so rasch und ohne größere Verzögerung vorwärts zu kommen. Dieser Traum bleibt allerdings nur ein Traum, wenn wesentlich langsamer fahrende Kraftfahrzeuge zum Überholvorgang ansetzen, die einzige Überholspur blockieren und so die schneller Fahrenden ausbremsen. Ärger und Ungeduld gewinnen dann schnell die Oberhand, wenn man– teilweise auch über längere Streckenabschnitte – dazu gezwungen ist, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Insbesondere bei einem länger andauernden Überholvorgang eines Lkw wird die Geduld von Auto- oder Motorradfahrern auf die Probe gestellt. Dies ist vor allen Dingen dann der Fall, wenn sich zwei Lkw ein sogenanntes Elefantenrennen liefern, wenn also ein Lkw einen anderen überholt.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Sanktionen für ein Elefantenrennen

Ein eigener Bußgeldkatalog für das Elefantenrennen existiert nicht. Die Strafen für ein Elefantenrennen ergeben sich aus verkehrsrechtlichen Verstößen zum Überholen, zur Geschwindigkeitsüberschreitung und zum Mindestabstand.

Die Sanktionen für einen Überholverstoß umfassen ein Bußgeld, Punkte in Flensburg oder ein Fahrverbot. Das genaue Strafmaß ist vom vorliegenden Sachverhalt abhängig. Das Überholen mit nicht wesentlich höherer Geschwindigkeit etwa zieht 80 bzw. 120 Euro Bußgeld bei Sachbeschädigung und einen Punkt in Flensburg nach sich.

Das Überholen trotz Überholverbot kommt den Betroffenen teurer zu stehen: 150 Euro werden fällig. Kommt es zu einer Gefährdung oder einer Sachbeschädigung erhöht sich das Bußgeld auf bis zu 300 Euro. Zudem drohen zwei Punkte in Flensburg und ein einmonatiges Fahrverbot. Auch eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe ist möglich. Maßgeblich ist hierbei das Strafgesetzbuch (StGB), da die Gefährdung des Straßenverkehrs eine Straftat gemäß § 315c StGB darstellt.

Das Überschreiten der zulässigen Geschwindigkeit wird ebenfalls geahndet. Der Bußgeldkatalog staffelt hierbei die Strafe nach der Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung. Bis zu einer Überschreitung des Tempolimits bis 20 km/h droht allerdings lediglich ein vergleichsweise geringes Bußgeld.

Nicht nur der überholende Fahrer hat dabei Sanktionen zu befürchten. Der überholte Fahrzeugführer auf der rechten Spur kann ebenfalls mit 30 Euro Bußgeld belangt werden, wenn er beim Überholen die Geschwindigkeit erhöht und den Überholenden so zwingt, schneller zu fahren.

Ebenso bestraft der Gesetzgeber die Missachtung des Mindestabstandes von 50 Metern zwischen zwei Lkw. Der Verkehrssünder muss mit einem Bußgeld in Höhe von 80 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen.

Grundsätzlich müssen sich nicht nur Fahrer von Lastkraftwagen an die gesetzlichen Regelungen halten. Auch Fahrer anderer Kraftfahrzeuge sind dazu verpflichtet, die Vorschriften zu befolgen. Ein Überholverstoß auf der Autobahn eines Autofahrers oder Motorradfahrers passiert jedoch selten, da sowohl Pkw als auch Motorräder wesentlich höhere  Geschwindigkeiten erreichen als Lkw und entsprechend schnell auf der Überholspur fahren. Aus diesem Grund existiert auch kein Überholverbot, das missachtet werden kann.

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Beim Überholen



...nicht schneller gefahren als der zu Überholende

80€

1

-

...nicht schneller gewfahren als der zu Überholende mit Sachbeschädigung

120€

1

-

...den nachfolgenden Verkehr gefährdet

80€

1

-

Überholen bei unklarer Verkehrslage und Überholverbot 

150€

1

-

...mit Gefährdung

250€

2

1 Monat

...mit Sachbeschädigung

300€

2

1 Monat

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Was ist ein Elefantenrennen?

Ein Elefantenrennen bezeichnet ein Überholmanöver zwischen zwei Lkw auf einer mehrspurigen Straße. In der Regel findet ein Elefantenrennen auf der Autobahn statt. Der Überholvorgang kann durchaus mehrere Kilometer andauern. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass für LKWs grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h (auch auf Autobahnen) gilt. Der überholende Lastkraftwagen wird somit nicht wesentlich schneller fahren können als der zu überholende LKW, wodurch sich der Überholvorgang sehr in die Länge zieht. Hinzu kommt, dass auch der Fahrbahnwechsel vor und nach dem Überholen Zeit kostet und hierbei immer ein Mindestabstand von 50 Metern zwischen den Lastern eingehalten werden muss.

Steigungen, die im Vorfeld nicht ersichtlich waren, können das Überholmanöver zusätzlich verzögern, wenn der Lkw aufgrund seines schweren Gesamtgewichtes die Geschwindigkeit reduzieren muss.

Elefantenrennen: Gesetzliche Regelungen

Überholen und Überholverbot

Spezielle gesetzliche Regelungen eigens zum „Elefantenrennen“ existieren nicht. Grundsätzlich gelten die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO) zum Überholen:

(2) Überholen darf nur, wer übersehen kann, dass während des ganzen Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist. Überholen darf ferner nur, wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als der zu Überholende fährt.

(3) Das Überholen ist unzulässig: […] 2. wenn es durch ein angeordnetes Verkehrszeichen (Zeichen 276, 277) untersagt ist.

(§ 5 Abs. 2 und 3 StVO)

Damit der Verkehrsfluss auf der Autobahn aber funktioniert und es erst gar nicht zu lang andauernden Überholvorgängen zwischen Lastkraftwagen kommt, gibt es auf vielen Autobahnabschnitten ein grundsätzliches Überholverbot für LKW. Entsprechende Verkehrsschilder weisen jeweils den Anfang und das Ende des Überholverbotes aus. Lkw- Fahrer, die rechtswidrig im Überholverbot zum Elefantenrennen ansetzen, müssen mit einem Bußgeld und Punkten in Flensburg sowie gegebenenfalls mit einem Fahrverbot rechnen.

Vorgeschriebene Differenzgeschwindigkeit

Gemäß § 5 Abs. 2 StVO darf nur überholen, “wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als der zu Überholende fährt”. Auf dieser Gesetzesgrundlage entschied das Oberlandesgericht Hamm 2008 (Aktenzeichen 4 Ss OWi 629/08), dass das Überholen auf einer Autobahn mit zwei Fahrspuren nur zulässig ist, wenn das überholende Fahrzeug mindestens 10 km/h schneller fährt als das zu überholende Fahrzeug. Zudem muss der Überholvorgang nach spätestens 45 Sekunden abgeschlossen sein.

Überholvorgänge auf zweispurigen Autobahnen, die bei einer Dauer von mehr als 45 Sekunden bzw. einer Differenzgeschwindigkeit von unter 10 km/h zu einer deutlichen Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer führen, unterliegen […] einer bußgeldrechtlichen Ahndung. (OLG Hamm, Aktenzeichen 4 Ss OWi 629/08, Beschluss vom 29.10.2008)

Geschwindigkeitsbegrenzung und Mindestabstand

Für Lastkraftwagen gilt eine generelle Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Diese Begrenzung ist auch für einen Überholvorgang auf der Autobahn gültig. Dieses Tempolimit während des Elefantenrennens bzw. Überholens tatsächlich einzuhalten, erweist sich in der Praxis für den überholenden LKW allerdings häufig als nicht ganz so einfach, wenn das Überholmanöver innerhalb der vorgeschriebenen 45 Sekunden abgeschlossen und zusätzlich die geforderte Differenzgeschwindigkeit von 10 km/h eingehalten werden soll. Der überholte Lkw müsste nämlich seine Geschwindigkeit verringern, was in der Regel nicht passiert. So findet ein Elefantenrennen bzw. ein Überholmanöver in den meisten Fällen verbotenerweise mit überhöhter Geschwindigkeit statt.

Hinzu kommt, dass gemäߧ 4 Abs. 3 StVO der Mindestabstand von Lkw über 3,5 Tonnen zum vorausfahrenden Fahrzeug auf Autobahnen bzw. bei einer Geschwindigkeit über 50 km/h 50 Meter betragen muss. Das korrekte Einhalten dieses Abstandes ist notwendig für die allgemeine Verkehrssicherheit – verlängert aber natürlich die Zeit für den Überholvorgang. Damit das Elefantenrennen/das Überholmanöver nicht länger als nötig dauert, missachten viele Lkw-Fahrer sowohl vor dem Ausscheren als auch dem Einscheren den vorgeschriebenen Mindestabstand.

Sowohl für das Überholen mit überhöhter Geschwindigkeit als für einen Abstandsverstoß drohen Lkw-Fahrern Bußgelder, Punkte in Flensburg und möglicherweise ein Fahrverbote.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.