Blitzermarathon

Jeden Tag lösen zahlreiche Autofahrer durch eine Geschwindigkeitsüberschreitung Blitzer aus. Obwohl eine überhöhte Geschwindigkeit eine der Hauptunfallursachen ist und den Straßenverkehr massiv gefährden kann, sind viele Autofahrer teils erheblich zu schnell unterwegs.

Um Kfz-Fahrer für die Verkehrssicherheit zu sensibilisieren und ihnen die Gefahren, die aus einer überhöhten Geschwindigkeit resultieren, zu verdeutlichen, führen die Bundesländer einmal im Jahr flächendeckend einen Blitzmarathon durch. Unzählige mobile und stationäre Blitzer sowie tausende Polizisten überwachen die Geschwindigkeiten und überführen dabei Verkehrssünder.

Die Standorte der Blitzer bestimmt zum einen die Polizei. Zum anderen haben auch Bewohner die Möglichkeit, den Beamten besondere Gefahrenstellen mitzuteilen, an denen die Polizei beim Blitzmarathon dann die Geschwindigkeit kontrolliert.

Sowohl der Tag als auch die Standorte des Blitzmarathons gibt die Polizei im Voraus bekannt. Trotzdem werden unzählige Autofahrer beim zu schnellen Fahren erwischt.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Hauptunfallursache überhöhte Geschwindigkeit

Aufgrund der hohen Unfallgefahr schreibt die Straßenverkehrsordnung (StVO) zulässige Höchstgeschwindigkeiten vor. Innerhalb geschlossener Ortschaften beträgt die Höchstgeschwindigkeit 50 km/h. Eine Ausnahme gilt, wenn Verkehrsschilder eine niedrigere Geschwindigkeit anordnen, beispielsweise 30 km/h. Bei schlechten Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen müssen Kfz-Fahrer die Geschwindigkeit entsprechend anpassen.

Eine Missachtung der Geschwindigkeitsvorgaben kommt den Verkehrssünder je nach Höhe der Überschreitung teuer zu stehen: es droht ein Bußgeld von unter Umständen mehreren Hundert Euro. Dazu gibt es gegebenenfalls Punkte in Flensburg und möglicherweise ein Fahrverbot.

Doch obwohl einerseits die Sanktionen streng sind und andererseits eine Geschwindigkeitsüberschreitung die Hauptursache für tödliche Verkehrsunfälle ist, ignorieren viele Kfz-Fahrer die gesetzlichen Vorschriften und fahren zu schnell.

Blitzmarathon – Kritiken

Zum Blitzmarathon gibt es sowohl positives Feedback als auch kritische Stimmen.

Befürworter vertreten die Meinung, dass ein Blitzmarathon Fahrer ihre überhöhte Geschwindigkeit bewusst macht. Statistiken belegen den positiven Effekt: So ereigneten sich zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen weniger tödliche Verkehrsunfälle. Die Städte Dortmund und Köln vermeldeten eine geringere Anzahl an Geschwindigkeitsüberschreitungen. Laut ADAC  achten Kfz-Fahrer bewusster auf die Geschwindigkeit, sodass sich die Verkehrssicherheit erhöht.

Kritiker hingegen bemängeln die nachhaltige Wirksamkeit des Blitzmarathons, da Autofahrer lediglich an diesem einen Tag an den Standorten der Kontrolle den Fuß vom Gas nehmen würden. So kritisierte etwa der Verband “Mobil in Deutschland”, dass beispielsweise in Berlin die Blitzer an Standorten aufgestellt sind, die die höchsten Einnahmen für die Behörden einbringen und nicht an Standorten, die besondere Gefahrenstellen darstellen.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Blitzmarathon – was sagen Statistiken?

Der Blitzmarathon ist mit hohem Aufwand verbunden. Dennoch wird er seit 2013 regelmäßig durchgeführt. Im ersten Jahr waren ungefähr 15.000 Polizisten im Einsatz, an über 8700 Standorten fand eine Geschwindigkeitskontrolle statt. 2019 nahmen elf Bundesländer am Blitzmarathon teil. Dabei wurden circa 45.000 Kfz-Fahrer bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung erwischt. Viele von ihnen mussten hohe Bußgelder zahlen sowie mit Punkten in Flensburg und Fahrverboten rechnen.

In Hessen wurden 310.000 Fahrzeuge kontrolliert und dabei mehr als 12.000 Raser geblitzt. Bayern erwischte nahezu 11.000 Raser. Das bedeutet eine Steigerung zum Vorjahr: In Hessen registrierte man im Jahr 2018 bei 245.000 kontrollierten Fahrzeugen insgesamt 11.000 Geschwindigkeitsverstöße; in Bayern waren es 8466. Insgesamt wurden 37.500 Raser in acht Bundesländern überführt.

Blitzerwarner – zulässig oder nicht?

Mithilfe eines Blitzerwarners versuchen viele Kfz-Fahrer, der Radarfalle auszuweichen. Dazu nutzen sie beispielsweise eine Blitzer-App oder ein Navigationsgerät. Der Blitzerwarner soll den Fahrer rechtzeitig warnen und den Standort des Blitzers mitteilen. Die Hinweise auf einen Blitzer sind jedoch nicht immer korrekt. Darüber hinaus ist die Nutzung eines Blitzerwarners während der Fahrt nicht erlaubt. Ein rechtswidriger Gebrauch hat ein Bußgeld von 75 Euro sowie einen Punkt in Flensburg zur Folge.

TISPOL: Europaweite Verkehrskontrollen

Die systematische Geschwindigkeitskontrolle ist nicht auf den Blitzmarathon in Deutschland beschränkt; auch auf europäischer Ebene existiert eine derartige Überwachung, an der alle Staaten der Europäischen Union beteiligt sind. TISPOL (Traffic Information System Police) ist ein solches europäisches Verkehrspolizei-Netzwerk mit Hauptsitz in London. Eines seiner erklärten Ziele ist es, die Anzahl an Verkehrs-Unfallopfern zu senken. Eine Methode, dieses Ziel zu erreichen, sind systematische und mehr oder minder flächendeckende Geschwindigkeitskontrollen, die jeweils zur gleichen Zeit in der EU durchgeführt werden.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.