Bagatellschaden

Zu geringfügigen Schäden, sogenannten Bagatellschäden, kommt es früher oder später bei praktisch jedem Kraftfahrzeug. Bei solchen kaum sichtbaren und deswegen oft unbemerkten Dellen oder Kratzern in der Karosserie ist es häufig schwierig festzustellen, ob es sich wirklich nur um einen geringfügigen oder nicht doch um einen schwerwiegenden Schaden handelt.

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Was ist ein Bagatellschaden?

Als Bagatellschaden werden oberflächliche Lackschäden an der Fahrzeugkarosserie bezeichnet, beispielsweise Dellen oder Kratzer. Hierbei ist hauptsächlich das Blech betroffen. Auf den Fahrzeugwert hat ein Bagatellschaden keine entscheidende Auswirkung. Allerdings ist das Alter des Fahrzeuges relevant, da die Wertminderung eines hochwertigen Neufahrzeuges durch eine Delle oder eine Kratzer unter Umständen höher ausfällt als die eines älteren Kfz.

Ursache für einen Bagatellschaden ist häufig ein Parkrempler oder ein Unfall beim Rangieren.

Bagatellschadensgrenze

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) (Aktenzeichen VI ZR 365/03) sind Schäden Bagatellschäden, wenn die Reparatur unter 700 Euro kostet. Bei Reparaturkosten jenseits der Bagatellschadensgrenze liegt kein Bagatellschaden mehr vor. Eine explizite Bagatellschadensgrenze ist seitens des Gesetzgebers jedoch nicht vorgegeben. Demnach ist es Ermessenssache des jeweiligen Gerichtes, die Höhe der Bagatellschadensgrenze zu bestimmen.

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Was tun nach einem Unfall mit Bagatellschaden?

Ein Unfall mit einem Bagatellschaden ist schnell passiert, sei es ein Auffahrunfall auf der Straße oder ein Rangierunfall auf dem Parkplatz. § 34 der Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt Verhaltensregeln nach einem Unfall vor, an die sich Unfallbeteiligte halten müssen: Unter anderem:

  • sofort anhalten und bei geringem Schaden an den Fahrbahnrand fahren
  • Unfallstelle absichern, um den nachfolgenden Verkehr nicht zu behindern oder gefährden
  • erste Hilfe leisten, wenn Personen verletzt sind
  • Personalien, Führerschein und Versicherungsinformationen mitteilen, wenn der Unfallgegner dies fordert

Zur bestmöglichen Absicherung der Unfallstelle sollten Beteiligte die Warnblinkanlage und in angemessenen Abstand das Warndreieck aufstellen. Zur eigenen, aber auch zur Verkehrssicherheit sollte zudem die Warnweste angezogen werden.

Für die Schadensregulierung ist es darüber hinaus sinnvoll, sowohl die Unfallstelle als auch Unfallschäden zu fotografieren. Für Unfallbeteiligte besteht zudem die Pflicht, umgehend die Versicherung zu informieren.

Fahrerflucht nach Bagatellschaden

Missachten die Unfallbeteiligten die Vorschriften der StVO und entfernen sich vom Unfallort, machen sie sich gemäß § 142 Strafgesetzbuch (StGB) der Unfallflucht/Fahrerflucht schuldig. Dem Täter droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Auch ein Fahrverbot oder ein Fahrerlaubnisentzug können verhängt werden.

Eine Ausnahme gilt allerdings, wenn der Unfallverursacher die Bagatellschaden bzw. den Unfall nicht bemerkt. In diesem Fall ist der Straftatbestand der Fahrerflucht nicht erfüllt, da kein vorsätzliches Verhalten des Verursachers vorliegt.

Wann muss die Polizei informieren werden?

Bei einem Bagatellschaden besteht keine Pflicht, die Polizei zu informieren, sofern keine Personen verletzt worden sind. Besteht einer der Unfallbeteiligten auf eine offizielle Unfallaufnahme der Polizei, handelt es sich hierbei um eine kostenpflichtige, technische Dienstleistung.

Ist ein Mietwagen in einen Unfall verwickelt, ist das Hinzuziehen der Polizei davon abhängig, ob das Mietunternehmen dies verlangt. Die entsprechenden Informationen bzw. Angaben sind im Mietvertrag vermerkt.

Bagatellschaden auf Parkplatz

Bei einem Parkunfall ist der Verursacher dazu verpflichtet, auf die Rückkehr des Geschädigten zu warten. Erscheint dieser nach 60 Minuten Wartezeit nicht, muss der Unfallverursacher die Polizei rufen. Andernfalls liegt eine Unfallflucht vor. Es ist nicht ausreichend, einen handgeschriebenen Zettel an der Windschutzscheibe zurückzulassen, da dieser der unter Umständen weggeweht oder auch entfernt werden könnte.

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Bagatellschaden – wann lohnt ein Gutachten?

Die Höhe des Bagatellschadens bzw. der Schadensgrenze spielt eine wesentliche Rolle bei der Erstellung eines Gutachtens. Liegt der Schaden unter 700 Euro, verweigern Versicherungen oftmals die Kostenübernahme eines Sachverständigers. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, statt eines Schadensgutachtens eine Reparaturkosten-Kalkulation zu erstellen.

Ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Schäden am Fahrzeug doch erheblich sind, sollte allerdings ein Kurzgutachten in Auftrag gegeben werden. Dieses kostet 50 bis 100 Euro. Ist der Schaden tatsächlich schwerwiegend, übernimmt die Versicherung die Sachverständigenkosten.

Allerdings: Ist für den Geschädigten deutlich erkennbar gewesen, dass ein Bagatellschaden vorliegt, kann die Versicherung der Gegenpartei die Kostenübernahme verweigern.

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