Autofahren mit Hörbehinderung

Die Verkehrssicherheit hat beim Führen eines Kfz im Straßenverkehr oberste Priorität. Daher schreibt der Gesetzgeber strenge Regelungen vor, um die Fahrerlaubnis erwerben und ein Kfz fahren zu dürfen. Wesentliche Voraussetzung ist die geistige, charakterliche und körperliche Eignung, ein Kraftfahrzeug sicher zu führen und beherrschen. Im Idealfall bedeutet das unter anderem, dass der Betroffene bzw. der Führerscheinbewerber gesundheitlich topfit und körperlich nicht beeinträchtigt ist.

Allerdings sind viele Menschen von gesundheitlichen bzw. körperlichen Beeinträchtigungen betroffen (zum Beispiel durch Beeinträchtigung des Seh- oder Hörvermögens) und in ihrer Selbstständigkeit und Mobilität eingeschränkt. Um ihnen dennoch ein Stück Lebensqualität zu gewährleisten, erlaubt der Gesetzgeber unter bestimmten Umständen auch bei körperlicher Beeinträchtigung den Erwerb des Führerscheins und die Teilnahme am Straßenverkehr mit einem Kraftfahrzeug. So können zum Beispiel auch Personen mit eingeschränktem Hörvermögen, also schwerhörige oder gehörlose Personen – sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind – Autofahren.

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Autofahren mit Hörbehinderung: welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen

Die Vorschriften zum Erwerb der Fahrerlaubnis und zur Teilnahme am Straßenverkehr mit einem Kfz bei Schwerhörig- oder Gehörlosigkeit sind in der Fahrerlaubnis-Verordnung (Anlage 4 FeV) definiert. Demnach können gehörlose oder schwerhörige Personen mit einem Hörverlust von mehr als 60 % die Fahrerlaubnis erwerben – vorausgesetzt, es liegt keine andere zusätzliche körperliche Beeinträchtigung (beispielsweise Gleichgewichtsstörungen oder Sehstörungen) vor. Andernfalls ist das Führen eines Kfz im Straßenverkehr bzw. der Fahrerlaubniserwerb nicht möglich.

Betroffene müssen ihre Fahreignung mit einem ärztlichen Gutachten nachweisen, das bei der Fahrerlaubnisbehörde bei Antragstellung auf eine Fahrerlaubnis eingereicht werden muss. Dabei besteht die Möglichkeit, dass die zuständige Behörde weitere zusätzliche Auflagen (zum Beispiel eine MPU) anordnet.

In dem Gutachten, das ein Hals-Nasen-Ohrenarzt erstellt, wird unter anderem festgehalten, ob die betroffene Person schwerhörig oder gehörlos ist. Im Falle einer Schwerhörigkeit wird zusätzlich sowohl der Grad der Schwerhörigkeit als auch eine beim Autofahren erforderliche mögliche Verwendung eines Hörgerätes vermerkt. Eine etwaige Nutzung eines Hörgerätes wird zudem im Führerschein eingetragen.

Auflagen beim Führerscheinerwerb für Lkw und Busse

Unter bestimmten Bedingungen bzw. (zusätzlichen) Auflagen ist für Schwerhörige oder Gehörlose zudem der Fahrerlaubniserwerb für Lkw (Klasse C) und Busse (Klasse D) möglich. Voraussetzung hierfür sind zum einen der Besitz der Fahrerlaubnisklasse B (Pkw) und nachweisliche Fahrpraxis über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren. Zum anderen besteht die Pflicht einer fachärztliche Eignungsuntersuchung und ärztlichen Kontrolluntersuchungen.

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Gewährleistung der Verkehrssicherheit bei Hörbehinderung

Vor Unfällen und anderweitigen Gefährdungen im Straßenverkehr ist bekanntlich niemand gefeit – auch bei gewissenhafter Befolgung der Verkehrsregeln und der Sorgfaltspflicht ist nie komplett auszuschließen, dass etwas passiert.

Um die Verkehrssicherheit dennoch so gut wie möglich zu gewährleisten, ist es wichtig, auf die körperliche Beeinträchtigung, wie etwa auf Gehörlosigkeit, aufmerksam zu machen; zum Beispiel mit Hilfe einer gelben Armbinde mit drei schwarzen Punkten. So ist es anderen Verkehrsteilnehmern möglich, die Behinderung zu erkennen und entsprechend besondere Rücksicht zu nehmen. Eine solche Armbinde weist – anders als häufig gedacht – nicht nur auf eine Sehbehinderung hin, sondern zeigt eine generelle körperliche Beeinträchtigung an.

Grundsätzlich stellen Personen mit einer Behinderung allerdings nicht zwingend ein größeres Verkehrsrisiko dar als Kfz-Fahrer bzw. Verkehrsteilnehmer ohne gesundheitliche Einschränkungen. Gehörlose oder schwerhörige Personen sind nach Angaben des Weltverbandes der Gehörlosen (WFD) nicht öfter in Unfälle verwickelt als gesunde Verkehrsteilnehmer. Menschen mit beeinträchtigtem Hörvermögen ist es zum Beispiel nicht oder nur schwer möglich, das Martinshorn der Einsatzfahrzeuge zu hören. Dafür können sie allerdings das Blaulicht durch ihren Sehsinn erheblich früher bemerken; Gehörlose und Schwerhörige haben nämlich ein sehr stark ausgeprägtes Sehvermögen und können mitunter deutlich besser sehen bzw. haben eine deutlich bessere visuelle Wahrnehmung als Personen ohne Beeinträchtigung des Hörvermögens.

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Besonderheit bei der Fahrausbildung für Gehörlose

Der Erwerb des Führerscheins und mit ihm die entsprechende Fahrausbildung ist für viele (junge) Menschen so etwas wie ein “Meilenstein” und etwas Besonderes; erst Recht für Menschen, die aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt sind. Dabei gibt es spezielle, extra spezialisierte Fahrschulen. Denn die Fahrausbildung von schwerhörigen und gehörlosen Personen beinhaltet eine entscheidende Besonderheit: Kommunikation in Gebärdensprache. Für eine optimale Verständigung mit dem Fahrschüler und der bestmöglichen Vermittlung des notwendigen Wissens ist es erforderlich, dass der Fahrlehrer die Gebärdensprache beherrscht. Alternativ kann ein Dolmetscher für Gebärdensprache hinzugezogen werden.

Abgesehen von der Kommunikation gibt es bei der Fahrausbildung von Schwerhörigen und Gehörlosen jedoch keine nennenswerten Unterschiede zu der Fahrausbildung von gesunden Menschen. Sie besteht sowohl aus einem theoretischen (Erlernen von Verkehrsregeln etc.) als auch aus einem praktischen Teil (Fahrstunden zum Lernen des sicheren Führens eines Kfz).

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