Ausbremsen im Straßenverkehr

Im Straßenverkehr kochen in den verschiedensten Situationen die Emotionen hoch; sei es nach einem Unfall, nach einer Missachtung der Vorfahrt oder weil auf der linken Spur auf der Autobahn ein PS-starkes Fahrzeuges angerast kommt und dem langsameren Vordermann in den Kofferraum “kriecht”. Manch Autofahrer erwischt sich dann bei dem Gedanken, den Verkehrsrowdy am liebsten maßregeln zu wollen und beispielsweise Raser durch die absichtliche Reduzierung der Geschwindigkeit auszubremsen. Ein derartiges Fahrmanöver ist jedoch äußerst gefährlich und kann zu schweren Unfällen führen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass sich der Fahrer strafbar macht, wenn das Ausbremsen eine Nötigung im Straßenverkehr darstellt.

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Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Ohne zwingenden Grund stark gebremst und vorausgefahren

... mit Gefährdung

20€

-

-

... mit Sachbeschädigung

30€

-

-

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Was heißt Ausbremsen im Straßenverkehr?

“Ausbremsen” (englisch “Brake-Check”) bedeutet, dass ein Fahrer durch das abrupte, unerwartete Drosseln der Geschwindigkeit des vorausfahrenden Kfz zu einer Vollbremsung gezwungen wird.

Das Ausbremsen kann in unterschiedlichen Verkehrssituationen erfolgen und ist stets gefährlich, da es eine hohe Unfallgefahr birgt. Dabei kann absichtliches Ausbremsen, beispielsweise um Drängler zu “erziehen”, eine genauso große Gefährdung darstellen wie versehentliches Ausbremsen, wenn zum Beispiel beim Spurwechsel der Schulterblick vergessen und ein Fahrzeug im toten Winkel übersehen worden ist.

Besonders gravierende Folgen kann das Ausbremsen von Rasern und Lkw haben. Da Raser für gewöhnlich den Sicherheitsabstand unterschreiten und zu dicht auffahren, ist es ihnen kaum möglich, rechtzeitig anzuhalten, wenn der Vordermann plötzlich abbremst. Bei Lkw ist aufgrund des verlängerten Bremsweges die Kollisionsgefahr hoch.

Ausbremsen liegt auch dann vor, wenn der vorausfahrende Kfz-Fahrer aus gutem Grund abbremsen muss, etwa weil ein Kind auf die Fahrbahn rennt. Auch in diesem Fall ist der Hintermann dazu gezwungen, plötzlich auf die Bremse zu treten.

Ein Extremfall des Ausbremsens liegt vor, wenn ein Fahrer sich zuerst vor das andere Fahrzeug setzt und dann bis zum Stillstand abbremst, etwa um danach auszusteigen und mit dem anderen Fahrer zu diskutieren oder zu streiten.

Im Sinne der Verkehrssicherheit verbietet die Straßenverkehrsordnung (StVO) abruptes, grundloses Abbremsen und das daraus resultierende Ausbremsen. Gemäß § 4 Abs. 1 StVO darf der Vorausfahrende nicht ohne zwingenden Grund stark bremsen.

Ausbremsen im Straßenverkehr als Straftat oder Ordnungswidrigkeit

Beim Ausbremsen im Straßenverkehr handelt es sich entweder um eine Ordnungswidrigkeit oder um eine Straftat. Bremst der vorausfahrende Fahrer ohne Grund plötzlich ab, muss er bei einer Ordnungswidrigkeit 20 bzw. 30 Euro zahlen. Die Höhe des Bußgeldes ist hierbei davon abhängig, ob mit dem Bremsmanöver eine Gefährdung oder eine Sachbeschädigung einhergegangen ist.

Stellt das Ausbremsen eine Nötigung im Straßenverkehr dar, ist ein Straftatbestand erfüllt. Eine Nötigung kann vorliegen, da der Fahrzeugführer im hinterher fahrenden Kfz zu einer bestimmten Handlung gezwungen wird. Er tut dies nicht aus freien Stücken, sondern gegen seinen Willen. Gleichzeitig droht ein “empfindliches Übel” nämlich der ohne sein Abbremsen unausweichliche Unfall.

Das Strafgesetzbuch (StGB) sieht für eine Nötigung zum einen eine Geld- oder eine Freiheitsstrafe vor. Zum anderen werden Punkte in Flensburg sowie ein Fahrverbot oder ein Fahrerlaubnisentzug verhängt. Allerdings bestehen für die Einstufung einer Nötigung als Straftat hohe Hürden. Ob eine Nötigung vorliegt oder nicht, hängt von verschiedenen Bedingungen bzw. Umständen ab (so muss der Täter zum Beispiel vorsätzlich handeln).

Bei einem Vorwurf der Nötigung im Straßenverkehr sollte sich der Beschuldigte in jedem Fall Beistand von einem Rechtsanwalt holen.

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