Aufbauseminar

Ordnungswidrigkeiten und sonstige Verstöße gegen das Straßenverkehrsrecht werden unterschiedlich geahndet. Entweder bittet einen der Bußgeldkatalog zur Kasse – je nach Verstoß kann das richtig teuer werden – oder man bekommt Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot oder ein Entzug der Fahrerlaubnis. Gerade Straftaten werden in der Regel auch verkehrsrechtlich empfindlich sanktioniert. Sollte es bei einem Vergehen im Straßenverkehr – ganz gleich ob Ordnungswidrigkeit oder Straftat – Fahranfänger in der Probezeit treffen, droht eine weitere Maßnahme: das Absolvieren eines sogenannten Aufbauseminars. Von diesen Seminaren gibt es – je nach Verstößen bzw. “Zielgruppe” – zwei Arten:

  • allgemeines Aufbauseminar für Fahranfänger in der Probezeit und
  • spezielles Aufbauseminar nach Alkohol- oder Drogenverstößen

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Aufbauseminar für Fahranfänger: “Nachsitzen” während der Probezeit

In der zweijährigen Probezeit nach Erwerb der Fahrerlaubnis teilt der Gesetzgeber Verkehrsverstöße von Führerscheinneulingen in zwei Kategorien ein: A-Verstoß (schwerwiegendes Vergehen) und B-Verstoß (weniger schwerwiegendes Vergehen). Abhängig von der Art und der Anzahl der Verstöße ordnet die zuständige Behörde innerhalb eines bestimmten Zeitraumes die Teilnahme an einem Aufbauseminar (ASF) an (ein A-Verstoß oder zwei B-Verstöße). Dabei ist das Aufbauseminar verpflichtend für jeden betroffenen Fahranfänger; junge Verkehrssünder müssen an der angeordneten Nachschulung teilnehmen und ein Nachweis über das erfolgreiche Absolvieren des Aufbauseminars erbringen. Bei Verweigerung der Teilnahme am Aufbauseminar kann die Behörde ein Fahrverbot verhängen. Gleiches gilt, wenn der Betroffene den festgelegten Zeitraum des Seminars verpasst und sich beispielsweise zu spät anmeldet. Der Besuch bzw. die Teilnahme an einem Aufbauseminar ist bei Fahrschulen möglich, die dafür extra offiziell zugelassen sind. Für eine solche Nachschulung in der Probezeit fallen darüber hinaus Kosten an, die Führerscheinneulinge aus eigener Tasche bezahlen müssen.

Die Nachschulung kostet: Zeit, Geld und Mühe

Das Aufbauseminar besteht aus vier theoretischen Sitzungen sowie einer Übungs- bzw. Beobachtungsfahrt von dreißig Minuten. Ziel der Sitzungen ist unter anderem die Aufarbeitung des Fehlverhaltens im Straßenverkehr. Darüber hinaus wird das angemessene Verhalten in gefährlichen Verkehrssituationen sowie deren mögliche Vermeidung durch einen vorausschauenden Fahrstil besprochen. Die Übungs- bzw. Beobachtungsfahrt erfolgt zwischen den ersten beiden Sitzungen und dient zur Überprüfung der Aufmerksamkeit des Betroffenen beim Fahren und möglichen Fahrfehlern. Die nachträgliche “Auswertung” dieser Fahrt hilft dem Führerscheinneuling dabei, in Zukunft Fahrfehler zu vermeiden.

Für ein Aufbauseminar müssen Fahranfänger unterschiedlich tief in die Tasche greifen. Die Fahrschulen können die Kosten nämlich selbst festlegen, sodass die anfallenden Gebühren mitunter erheblich variieren. In der Regel betragen die Kosten für ein Aufbauseminar zwischen 250 und 500 Euro. Dabei ist allerdings zu beachten, dass außer diesen 250 bis 500 Euro noch das verhängte Bußgeld sowie eine Verwaltungsgebühr für die zuständige Behörde zu zahlen sind – ein Verkehrsverstoß kann Fahranfänger also teuer zu stehen kommen.

Es kann sich unter Umständen bis zu drei Monaten hinziehen, bis eine Anordnung des Seminars durch die zuständige Behörde erfolgt. Das Seminar selbst dauert im Allgemeinen zwischen zwei und vier Wochen.

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Aufbauseminar nach Alkohol- und Drogenverstößen

Das Fahren unter Alkohol –oder Drogeneinfluss birgt erhebliche Gefahren für andere Verkehrsteilnehmer und ist eine der häufigsten Ursachen für Verkehrsunfälle. Daher stellt der Gesetzgeber das Führen eines Kfz unter Alkohol- oder Drogeneinfluss unter besonders harte Strafe und verhängt gegenüber Führerscheinneulingen, die sich in der Probezeit befinden, zusätzliche Sanktionen. So müssen Fahranfänger, die mit Alkohol oder Drogen am Steuer erwischt werden, gemäß Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) und Straßenverkehrsgesetz (StVG) ein sogenanntes besonderes Aufbauseminar (ALFA) absolvieren (§ 36 Abs. 1 FeV nach § 2b Absatz 2 Satz 2 StVG). Inhalt eines besonderen Aufbauseminars ist zum einen die Erörterung bzw. Analyse der Gründe und Ursachen des Fahrens unter Alkohol- oder Drogeneinflusses. Zum anderen erfolgt eine Aufarbeitung des Fehlverhaltens, die zukünftigen Alkohol- oder Drogenfahrten bzw. -Verstößen vorbeugen soll. Das besondere Aufbauseminar besteht aus drei Sitzungen innerhalb von vierzehn Tagen. Haben betroffene Fahranfänger das Seminar erfolgreich absolviert, erhalten sie als Nachweis eine Teilnahmebestätigung. Diese ist Voraussetzung für die Wiedererlangung des Führerscheins bzw. der Fahrerlaubnis (§ 36 Abs. 2 FeV).

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Aufbauseminar und MPU: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Zwischen den Bezeichnungen “Aufbauseminar” und “MPU” (medizinisch-psychologische Untersuchung) wird in der Umgangssprache häufig kein Unterschied gemacht. In der Tat haben beide gemeinsam, dass sie die mögliche “Strafe” für ein gefährliches Fehlverhalten im Straßenverkehr darstellen, weswegen die Begriffe für Kfz-Fahrer auch etwas Negatives oder “Unsympathisches” an sich haben.

Es besteht allerdings ein Unterschied zwischen einem Aufbauseminar und einer MPU. Die Anordnung einer solchen Untersuchung durch die Behörde erfolgt, wenn die Fahreignung eines Führerscheininhabers grundsätzlich in Frage gestellt und die Fahrerlaubnis entzogen wird. Dies ist bei einem Aufbauseminar nicht zwingend der Fall. Für den Neuerwerb bzw. die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis ist eine bestandene MPU grundlegende Voraussetzung. Während ein Aufbauseminar lediglich Führerscheinneulingen in der Probezeit “blüht” und im besten Falle bereits nach einigen Wochen abgeschlossen ist, wird eine medizinisch-psychologische Untersuchung auch langjährigen Führerscheinbesitzern angeordnet. Eine MPU ist wesentlich umfangreicher, kostenintensiver und “zeitraubender” und besteht aus psychologischen Tests einerseits und körperlichen Untersuchungen andererseits.

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