Anschnallpflicht

Unfälle können tödlich enden, wenn der Fahrer oder einer der Fahrzeuginsassen nicht angeschnallt ist. Es besteht zu Beispiel die Gefahr, durch die Wucht eines Aufpralls aus dem Fahrzeug hinausgeschleudert und schwer oder tödlich verletzt zu werden. Der Sicherheitsgurt reduziert die Verletzungsgefahr und kann lebensrettend sein. Aus diesem Grund müssen alle Fahrzeuginsassen den Gurt während der Fahrt anlegen: seit 2006 gilt europaweit die Anschnallpflicht.

Statistiken des Auto Club Europa (ACE) und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates aus dem Jahr 2014 belegen die gravierenden Folgen der Missachtung der Anschnallpflicht: jeder fünfte tödlich verunglückte Autofahrer hatte keinen Sicherheitsgurt angelegt.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Sanktionen bei Missachtung der Anschnallpflicht

Ein Verstoß gegen die Anschnallpflicht kostet den Verkehrssünder 30 Euro. Dabei ist es unerheblich, ob der Betroffene das Kfz selbst fährt oder Mitfahrer ist. Sind Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren nicht angeschnallt, haftet der Fahrer als Verantwortlicher.

Das Bußgeld liegt hierbei bei 60 Euro, wenn ein Kind den Sicherheitsgurt nicht angelegt hat. Fahren mehrere Kinder im Auto und sind nicht vorschriftsmäßig angeschnallt, erhöht sich das Bußgeld auf 70 Euro. In beiden Fällen gibt es zusätzlich einen Punkt in Flensburg.

Auch bei einer nicht ordnungsgemäßen Sicherung der Haustiere wird der Fahrer zur Verantwortung gezogen.

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Gefahren ohne angeschnallt gewesen zu sein

30€

-

-

Ein Kind ohne Befestigung des Anschnallgurtes im Auto mitgenommen

30€

-

-

Mehrere Kinder ohne Befestigung des Anschnallgurtes im Auto mitgenommen

35€

-

-

Kind ohne jegliche Sicherung im Auto mitgenommen (kein Gurt, kein Kindersitz)

60€

1

-

Mehrere Kinder ohne jegliche Sicherung im Auto mitgenommen (kein Gurt, kein Kindersitz)

70€

1

-

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Anschnallpflicht für Kinder und Schwangere

Sowohl für Kinder als auch für Schwangere gilt die Anschnallpflicht. Eltern müssen darauf achten, dass ihre Kinder auch tatsächlich angeschnallt sind. Auf welchem Platz das Kind im Fahrzeug sitzt, ist jedoch den Eltern überlassen. Der sicherste Platz ist in der Mitte auf der Rückbank. Bei einem Unfall ist die Verletzungsgefahr am geringsten, da das Kind am weitesten von möglichen Kollisionspunkten weg ist. Sind Kinder jünger als 12 Jahre bzw. kleiner als 150 cm müssen sie in einem Kindersitz im Auto zu fahren.

Auch Schwangere müssen trotz eventueller Unbequemlichkeit ihrer Anschnallpflicht nachkommen. Die Bedenken, dass das ungeborene Baby durch den Sicherheitsgurt Schaden nehmen kann, sind mitunter weit verbreitet. Dies kann in seltenen Fällen zwar der Fall sein und ist dann mit einem ärztlichen Attest zu belegen. Doch kommt es zu einem Unfall und die Frau ist nicht angeschnallt, besteht die Gefahr, dass sie mit dem Bauch gegen das Lenkrad stößt, was schlimme Folgen haben kann.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Anschnallpflicht in Bus, Taxi und Mietwagen

In Bussen besteht grundsätzlich eine Anschnallpflicht, wenn der Gesetzgeber Sicherheitsgurte im Bus vorschreibt. Dies betrifft Reisebusse mit Erstzulassung ab dem 1. Oktober 1999. Fahrgäste müssen sich also in entsprechenden Bussen immer anschnallen.

Sind die Reisebusse vor dem 1. Oktober 1999 zugelassen worden, entfällt die Anschnallpflicht. Die betroffenen Busse müssen auch nicht mit Sicherheitsgurten nachgerüstet werden.

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) gibt in § 21a zudem Ausnahmen vor, wann die Anschnallpflicht in Kraftomnibussen nicht  gilt:

  • wenn die Beförderung stehender Fahrgäste erlaubt ist (Linienbusse)
  • für das Betriebspersonal und für die Begleitpersonen von betreuungsbedürftigen Menschen, wenn die Dienstleistungen ein Verlassen des Sitzplatzes erfordern
  • für Fahrgäste in Kraftomnibussen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 t, wenn sie ihren Sitzplatz kurz verlassen, beispielsweise um den Platz zu wechseln

Die Anschnallpflicht besteht seit Oktober 2014 auch wieder für Taxen und Mietwagen. Seit den 70er Jahren waren Taxi- und Mietwagenfahrer zuvor nicht dazu verpflichtet, den Sicherheitsgurt anzulegen. Grund hierfür war die zunehmende Anzahl von Gewalttaten gegen die Fahrer. Diese sollten die Möglichkeit zur schnellen Flucht haben und sich nicht erst abschnallen müssen. Aufgrund der hohen Gefährdung durch Verkehrsunfälle wurde die Anschnallpflicht jedoch vor einigen Jahren wieder eingeführt.

Ausnahmen von der Anschnallpflicht

Eine Sonderregelung zur Anschnallpflicht gilt nicht nur in Bussen, sondern auch

  • beim Rückwärtsfahren
  • beim Fahren mit Schrittgeschwindigkeit
  • beim Fahren auf dem Parkplatz
  • für Personen, die im Leistungs- oder Auslieferungsbezirk in kurzen Zeitabständen das Fahrzeug verlassen müssen (beispielsweise Postboten oder Paketzusteller)

In diesen Fällen entfällt die Anschnallpflicht

Anschnallpflicht für Haustiere?

Für Haustiere, beispielsweise Hunde oder Katzen, gilt bei einem Transport im Fahrzeug keine Anschnallpflicht. Fahrer müssen sie jedoch ordnungsgemäß als Ladung sichern.

Anschnallpflicht: geschichtlicher Exkurs

Im Jahr 1971 forderten Verkehrsunfälle so viele Todesopfer wie nie: 21.332 Menschen verunglückten tödlich. Nur ein Bruchteil der Kfz-Fahrer verwendete während der Autofahrt den Sicherheitsgurt; 5 Prozent in der Stadt und 15 Prozent auf der Autobahn. Zudem gehörte der Sicherheitsgurt auch nicht zur Standardausstattung eines Autos. Lediglich 36 Prozent der Fahrzeuge verfügte über einen Gurt.

So wurde 1976 in Deutschland schließlich die Anschnallpflicht eingeführt. Allerdings missachteten viele Kfz-Fahrer die neue gesetzliche Vorschrift, den Sicherheitsgurt anzulegen, da ihnen die diese schlichtweg nicht passte –  obwohl der Gurt zu ihrer Sicherheit im Straßenverkehr beitrug. Als Konsequenz der permanenten Missachtung der Anschnallpflicht führte der Gesetzgeber ein Bußgeld von 40 DM ein.

Zunächst war das Anlegen des Sicherheitsgurtes lediglich für den Kfz-Fahrer verpflichtend. Seit 1979 – drei Jahre nach der Einführung – gilt die Anschnallpflicht allerdings auch für alle Mitfahrer.

Eine Statistik aus dem Jahr 2015 belegt die positive Auswirkung der Anschnallpflicht: kamen 1971 noch über 21.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, gab es 2015 nur noch 3.475 Todesopfer. Neben besser gesicherten Autos trug der Sicherheitsgurt maßgeblich dazu bei, dass die Zahl der Verkehrstoten bei Unfällen gesunken ist.

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.