A-Verstoß in der Probezeit

Die Freude ist groß, wenn man nach Monaten in der Fahrschule und nach bestandener Prüfung den Führerschein in den Händen hält. Endlich alleine Autofahren und nicht mehr auf Bus, Straßenbahn oder Fahrdienste der Eltern angewiesen sein. Doch Führerscheinneulinge müssen im Straßenverkehr in den ersten zwei Jahren nach Erwerb der Fahrerlaubnis besonders aufpassen. Denn sie befinden sich in der Probezeit und es gelten strengere Regeln als für langjährige Führerscheininhaber.

Die Probezeit, die bereits 1986 eingeführt wurde, dient dazu, dass Fahranfänger lernen, das Kfz im Straßenverkehr sicher zu führen, ohne den Straßenverkehr zu gefährden. Durch die fehlende Erfahrung überschätzen Führerscheinneulinge nämlich häufig ihre Fähigkeiten und stellen ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr dar.

Fahranfängern in der Probezeit drohen bei einem Verstoß zusätzliche Sanktionen. Wie genau diese Sanktionen aussehen, richtet sich nach der Schwere und der Art des Vergehens. Der Gesetzgeber unterscheidet zum einen zwischen

  • A-Verstößen (schweres Vergehen) und
  • B-Verstößen (weniger schweres Vergehen)

und zum anderen zwischen

  • einer Straftat und
  • einer Ordnungswidrigkeit

Droht ein Bußgeld? Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft.

Bußgeld- und Strafenkatalog

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Rechtsfahrgebot missachtet

80,00€

1

-

Geschwindigkeit überschritten (über 20 km/h)

70-80€

1

-

Abstandsvergehen

75€

1

-

Überholverstoß (bei Überholverbot)

70€

1

-

Vorfahrtsmissachtung (Gefährdung des Straßenverkehrs)

100€

1

-

Abbiegevergehen

70€

1

-

Verstöße auf der Autobahn z.B. Benutzung des Seitenstreifens

75€

1

-

Alkohol am Steuer

250€

1

-

Vergehen am Bahnübergang (trotz geschlossener Schranke den Bahnübergang begehen)

700€

1

-

Verstoß an einem Fußgängerüberweg

80€

1

-

Fahren ohne Begleitperson bei einem Führerschein ab 17

70€

1

-

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Was bedeutet ein A-Verstoß für die Fahrerlaubnis?

Der Gesetzgeber beäugt Fahranfänger kritischer als erfahrene Führerscheinbesitzer. Entsprechend fallen die Sanktionen härter aus. Für den Verkehrssünder hat ein A-Verstoß neben den im Bußgeldkatalog festgelegten Sanktionen (Bußgeld, Punkte in Flensburg, Fahrverbot) weitere Konsequenzen.

Zum einen verlängert sich die Probezeit von zwei auf vier Jahre. Zum anderen müssen betroffene Führerscheinneulinge innerhalb einer vorgegebenen Frist an einem kostenpflichtigen Aufbauseminar teilnehmen. Weigert sich der Verkehrssünder, an der Nachschulung teilzunehmen oder versäumt er die gesetzte Frist, wird die Fahrerlaubnis entzogen.

Bei zwei A-Verstößen in der Probezeit erhält der Betroffene eine schriftliche Verwarnung der Führerscheinbehörde mit der Empfehlung einer freiwilligen verkehrspsychologischen Beratung. Folgt gar ein dritter A-Verstoß, hat der Fahranfänger einen Fahrerlaubnisentzug für mindestens sechs Monate zu  erwarten.

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A-Verstoß in der Probezeit – Straftat oder Ordnungswidrigkeit

Ein A-Verstoß in der Probezeit kann entweder bei einer Verkehrsordnungswidrigkeit oder bei einer Straftat im Straßenverkehr vorliegen. Als Gesetzesgrundlage dient Anlage 12 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV).

A-Verstöße als Straftat

Bei A-Verstößen als Straftat handelt es sich um Tatbestände nach dem Strafgesetzbuch (StGB) oder dem Straßenverkehrsgesetz (StVG).

A-Verstöße gemäß StGB:

  • Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort
  • Unterlassene Hilfeleistung
  • Fahrlässige Körperverletzung
  • Fahrlässige Tötung
  • Trunkenheitsfahrt
  • Fahren unter Drogeneinfluss mit Gefährdung
  • Gefährdung des Straßenverkehrs
  • Nötigung im Straßenverkehr

A-Verstoß gemäß StVG:

  • Führen eines Kraftfahrzeuges ohne gültige Fahrerlaubnis

Bei Straftaten nach dem StGB sieht der Gesetzgeber eine Geld- oder Freiheitsstrafe vor. Zudem muss der Täter mit Punkten in Flensburg sowie dem Führerscheinentzug rechnen. 

Es besteht die Möglichkeit, dass bei den Straftatbeständen der fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Tötung auch ein B-Verstoß vorliegt. Die Einordnung der Tat als A- oder B-Verstoß ist davon abhängig, welches verkehrsrechtliche Vergehen zuvor begangen worden ist (Anlage 12 FeV).

A-Verstöße als Ordnungswidrigkeit

Es gibt eine Reihe an Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr, bei denen es sich um einen A-Verstoß handelt:

  • Geschwindigkeitsüberschreitung ab 21 km/h
  • Rotlichtverstoß
  • Abstandsverstoß
  • Missachtung der Vorfahrt
  • Handy am Steuer
  • Alkohol am Steuer
  • Drogen am Steuer
  • Fahren ohne Begleitperson beim Führerschein ab 17

Eine Geschwindigkeitsüberschreitung ab 21 km/h, ein Abstandsverstoß, die Missachtung der Vorfahrt sowie Alkohol am Steuer zählen dabei auch zu den am häufigsten begangenen A-Verstößen. Das Bußgeld liegt hier bei mindestens 70 Euro, dazu gibt es einen Punkt in Flensburg.

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